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Ovationen

Große Gefühle

Mit zwei großartigen Konzerten endete die Kronacher Klassik-Akademie. Die Emotionen sprangen auf das Publikum über.
Giovanni Antonio Gromek meisterte auch schwierigste Passagen bravourös.Nicole Julien-Mann
 
Mit Pauken und Trompeten hatten die Abschlusskonzerte der Kronacher Klassik-Akademie 2017 begonnen, und sie endeten mit tosendem Applaus, Begeisterungsrufen und Standing Ovations. Das Publikum dankte den Musikerinnen und Musikern und diese wiederum ihrem Dirigenten Néstor Bayona für das Ergebnis seiner intensiven Probenarbeit.
Das Orchester spielte atmosphärisch dicht, mit deutlich herausgearbeiteter Dynamik schmelzend, schwungvoll, tosend, wie es die Stücke eben erforderten. Es überzeugte als sinfonischer Klangkörper genauso wie als sensibler Begleiter der beiden jungen Solisten.
Nach nur wenigen Tönen stand das Publikum vollkommen im Bann der Stockheimerin Eva Friedrich. "Eine ganz besondere Stimme mit reinster Intonation und wunderbarer Ausstrahlung", attestierte ihr Rainer Kober, der Vorsitzende von Kronach Créativ und Gastgeber der Klassik-Akademie. Eva Friedrichs lyrischer Sopran ist stabil und rund in der Tiefe und mühelos in der Höhe. Dramatischen Ausdruck wie in der Arie "Son pochi fiori" aus der Oper "L'amico Fritz" von Pietro Mascagni beherrscht sie genauso wie verhaltene Töne. Ihr Pianissimo in Richard Strauß' "Morgen!" trägt bis in den letzten Winkel. Die Rosen-Arie aus Mozarts Figaro ist wie für ihre Stimmbänder gemacht: Kokett, liebend und verführerisch lässt sie ihre Stimme an- und abschwellen, congenial unterstützt von den Holzbläsern. Ein Riesentalent, von dem man hoffentlich noch viel hören wird.
Erst 17 Jahre alt war Mozart, als er sein erstes Klavierkonzert komponiert hatte. Der ebenfalls 17-jährige Giovanni Antonio Gromek spielte das daraus abgewandelte Konzertrondo D-Dur. Ein Ohrwurm, dessen eingängige Melodie darüber hinweg täuscht, welch technische Versiertheit es erfordert, dieses Stück in der locker-leichter Mozart-Manier wiederzugeben. Halsbrecherische Sprünge, schnelle Läufe und Triller in der rechten und linken Hand über lange Passagen sind Fingerakrobatik in Reinkultur. Gromek lieferte nicht nur ein technisch perfektes Stück ab, es gelang ihm sogar, die nicht unerheblichen Schwächen des Flügels mit austariertem Anschlag zu kaschieren.


Temperamentvoller Dirigent

Der Anfang des Konzerts gehörte dem Orchester mit der Balletsuite "Der Dreispitz" von Manuel de Falla. Die besagten Pauken und Trompeten kündigen die Geschehnisse an: Eine schöne Müllerin macht einen hohen Beamten lächerlich, der sich an sie heranmachen will. Bräsig-behäbiges Fagott trifft auf leidenschaftliche Flamenco-Rhythmen und lockende Castagnetten. Die Sommerhitze flirrt im Flimmern der Streicher.
Néstor Bayonas Taktstock wird zum Espada eines Toreros. Er dirigiert mit ganzem Körpereinsatz, bleibt dabei aber immer authentisch und elegant. Seine Bewegungen verharren nicht in der Pose. In den Stücken mit den Solisten nimmt er sich komplett zurück, aber bei Beethovens sechster Sinfonie in F-Dur lässt er sein Temperament von der Leine. Die sogenannte Pastorale ist eine szenische Darstellung in Musik umgesetzt. Bayona scheint der Anführer der Leute zu sein, die sich am Bach treffen, er führt den Tanz an, bis ein Gewitter aufzieht. Nicht irgendeines, sondern ein Beethoven'sches: Celli und Bässe lassen den Donner grollen, die Violinen den Regen peitschen und Blitze prasseln, der Wind pfeift, die Welt ist im Aufruhr. Im fünften Satz, dem Hirtengesang, sind alle froh und dankbar dafür, dass alles überstanden ist. Die Hirten rufen ihre Schäfchen zurück, und die finden genauso ins Ziel, wie die Musikerinnen und Musiker, denen das anspruchsvolle Werk alles abverlangt hat. Sie haben dieses kräftezehrende Programm immerhin zwei Mal an diesem Tag aufgeführt.
Die Emotionen sind auf das Publikum übergesprungen und entladen sich in lang anhaltendem Applaus.
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