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Kurs

"Fotorealistische Malerei ist vor allem Technik"

Zurzeit läuft im Kronacher Kunstverein ein einwöchiger Workshop für fotorealistische Malerei in Öl. Leiter ist Jorge Villalba.
Der Künstler Jorge Villalba (sitzend) hilft Karin Schöntag (rechts) mitein paar Pinselstrichen auf die Sprünge. Mit im Bild sind (von links) derMuseologe Alexander Süß, KKV-Vorsitzender Karol Hurec und Eva Quast.Heike Schülein
 
von HEIKE SCHÜLEIN
Wenn an diesem Nachmittag im Arbeitsraum des Kronacher
Kunstvereins (KKV) geredet wird, dann nur im Flüsterton. Hochkonzentriert
sind die fünf Damen und der eine Herr bei der Arbeit. Seite an Seite sitzen
die Hobbymaler vor ihren Staffeleien. Darüber haben sie jeweils ein großes
Foto mit ihrem ausgewählten Bildmotiv angebracht. Unter ihnen ist auch Karin
Schöntag, die sich für zwei große prachtvolle Zierfische in leuchtenden
Farben vor dunklem Hintergrund entschieden hat. Kritisch schaut sie immer
wieder auf ihre Vorlage. Dann versucht sie, aus verschiedenen Öl-Farben den
genau übereinstimmenden Farbton zu mischen: Kein leichtes Unterfangen!

Seit Juli sind im Fürstenbau der Festung Rosenberg die magischen Bildwelten
des spanisch-deutschen Künstlers Jorge Villalba zu sehen. Die Ausstellung
umfasst zwölf raumfüllende Gemälde, die große Dramen aus Mythologie und
Bibel interpretieren. Dabei muss man schon zwei Mal hinsehen, ob es sich um
hochwertige Fotografien handelt oder eben um Malerei. Nahezu jeder
Betrachter seiner Werke wird sich dabei fragen, wie solch fotorealistischen
Effekte bis ins kleinste Detail möglich sind. Einen exklusiven Einblick
"dahinter" erhalten noch bis zum morgigen Samstag die sechs Hobbymaler, die
seit Montag am vom Künstler - in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem KKV -
angebotenen Malkurs teilnehmen.

"Fotorealistische Malerei ist vor allem Technik", sagt der in Gotha
arbeitende und lebende Maler. Dabei legt er Wert auf die Feststellung, dass
er keine Kunst unterrichte. "Kunst ist immer das Produkt des Künstlers. Ich
bin nicht hier, um Menschen zu Künstlern zu machen, sondern um ihnen die
hierfür notwendige Technik aufzuzeigen sowie Strategien und Tricks", betont
er. Alles andere wäre eine Lüge. "Jeder kann ein fotorealistisches Bild
malen. Aber das dauert. Es ist ein Prozess und eine Frage der Zeit",
bekundet er. Dies habe er am Montagvormittag den sechs Teilnehmern zu
vermitteln versucht, nachdem diese volle Begeisterung gleich hätten loslegen
wollen.

Begrüßt wurden diese zum Auftakt auch vom Museologen Alexander Süß sowie
dem KKV-Vorsitzenden Karol Hurec. Beide zeigten sich sehr stolz, den
Künstler für diesen exklusiven Kurs gewonnen haben zu können. "Für mich war
die Eröffnung seiner Ausstellung die spannendste seit Langem", verrät Süß. Villalba beherrsche die Techniken der alten Meister und interpretiere sie neu, was eine perfekte Verbindung zu Lucas Cranach schaffe. Seitens der Stadt gebe es bereits viele kreative Angebote - wie die Sandsteinakademie oder die Museumspädagogik auf der Festung. Aber eine solch praktische
Anleitung durch einen ausgebildeten Künstler mit einer thematisch wie technisch altmeisterlichen Technik, habe bislang noch im Angebot gefehlt. "Mit dem Workshop können wir nun eine weitere Perle an unsere schöne Kette aneinanderreihen", freut er sich. Daher sei es auch angedacht, bei genügend
Nachfrage, den - für eine Teilnehmerzahl zwischen sechs und zwölf Personen
angelegten - Kurs als Dauereinrichtung zu etablieren. Dieser richtet sich an
Anfänger wie auch Fortgeschrittene.

Die nächsten Termine im Frühjahr 2018 stehen bereits fest (26. bis 31. März, jeweils 10 bis17 Uhr). Sein Dank galt dem KKV, mit dem man schon lange sehr gut zusammenarbeite, für die Kooperation. Auch im nächsten Jahr wolle man
wieder eine interessante Ausstellung zusammen initiieren. "Wir unterstützen ein solches Angebot sehr gerne", bekundet Hurec. Mit dem Workshop liege man voll im Trend und man mache damit nichts anderes als die großen Museen in anderen Städten. Konform ging er mit den Ausführungen des
Künstlers, dass beim Kurs nicht die Kunst das Endprodukt bilde. Vielmehr
gehe um das Kennenlernen der Prozesse, wie der Künstler zuhause in seiner
Werkstatt arbeitet.

"Kronach braucht sich mit seinem kulturellen Angebot nicht zu verstecken", würdigt Hurec, der auf eine Reihe alljährlich wiederkehrender Highlights verweist, mit denen man Menschen nach Kronach
anlocke. Dies gelte insbesondere auch für den Kurs, bei dem vier der sechs
Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet kommen. "Wenn sie eine Woche in
Kronach bleiben, in Hotels unterkommen, einkaufen - dann ist das zwar ein
kleiner, aber dennoch erwähnenswerter Wirtschaftsfaktor", schloss sich ihm
Süß an.

Einer von ihnen ist Gerd Friedrich aus Bonn. Der gebürtige Plauener malt
seit eineinhalb Jahren. "Ich habe damals einen VHS-Kurs mitgemacht", erzählt
der 65-Jährige, der vor seinem Ruhestand Handwerker war. Die Ausstellung
habe er übers Internet entdeckt. "Ich dachte sofort, die muss ich sehen",
verrät er. Davon sei er so begeistert gewesen, dass er sich für diesen Kurs
angemeldet habe, um die Technik zu erlernen. In Kronach gefällt es ihm sehr
gut. Der Kurs mache ihm viel Spaß. Die Atmosphäre sei locker, das
Miteinander gut. So sehen es auch Karin Schöntag aus Kronach sowie Eva Quast
aus Unterrodach, die beiden einzigen Teilnehmerinnen aus dem Landkreis
Kronach. Beide wurden ebenfalls über die großartige Ausstellung auf den
Künstler aufmerksam. Der Kurs sei sehr spannend. "Das ist so ein
freundlicher und liebenswerter Künstler, sehr bodenständig und überhaupt
nicht abgehoben. Man kann ihn immer fragen", ist Schöntag begeistert. Dem
kann sich Quast nur anschließen.

Und welche Tricks gibt der Künstler den Teilnehmern nun an die Hand? "Am
Anfang steht immer ein gutes Foto, mit einer guten Komposition und einer
guten Qualität", betont Villalba. Zudem gelte es, entsprechende Pinsel, gute
Ölfarben und die richtige Leinwand zu verwenden. Wichtig sei der richtige
Platz - mit dem Rücken zum Fenster, damit das natürliche Licht von hinten
auf die Staffelei scheint. 90 Prozent bei der fotorealistischen Ölmalerei
mache die Technik aus. Der Rest seien künstlerische Fähigkeiten. "Mit
Tricks, Strategien und der richtigen Technik kommt man ans Ziel. Aber man
muss viel trainieren", appelliert er.

Der Künstler in Kürze: 1975: geboren in Alicante, Spanien, 1994/95: Schule
für angewandte Kunst, Alicante, 1995/96: Studium an der Fakultät der Schönen
Künste an der Universität Granada, 1996/98: Studium an der Fakultät der
Schönen Künste an der Universität Valencia, 1988/01: Erasmus-Stipendium
Bauhaus Universität Weimar, 2000/01: Graduierten-Stipendium des Landes
Thüringen, 2014: Gründung der Gothaer Sommer Akademie

Ausstellung: Die Ausstellung "Gefallene Engel und Heilige" von Jorge
Villalba ist noch bis zum 29. Oktober auf der Festung zu sehen.
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