Mitwitz
Konzert

Ein Streifzug durch Jahrhunderte

Marco Plitzner, Ninette Soyez-Plitzner und Gordon Bär nahmen im zweiten Mitwitzer Schlosskonzert "O(h)rnamente" mit auf eine musikalische Zeitreise.
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Gordon Bär, Marco Plitzner und Ninette Soyez-Plitzner musizieren im stimmungsvollen Ambiente des Weißen Saales. Foto: Nicole Julien-Mann
Gordon Bär, Marco Plitzner und Ninette Soyez-Plitzner musizieren im stimmungsvollen Ambiente des Weißen Saales. Foto: Nicole Julien-Mann
Eine spannende Reise durch die Epochen der Musik von Klassik bis zu Moderne und Jazz hatte das Trio um Marco Plitzner versprochen. Spannung entsteht dann, wenn nicht von vornherein absehbar ist, was passieren wird. Und so lieferte das Konzert von Marco Plitzner, Ninette Soyez-Plitzner und Gordon Bär im Mitwitzer Schloss den ein oder anderen Überraschungsmoment, wenn etwa ein Stück nicht instrumententypisch besetzt war oder Klänge ertönten, die selten in einem ansonsten breit aufgestellten Konzert zu hören sind.

Beeindruckend war, was Marco Plitzner und Ninette Soyez-Plitzner aus ihren Klarinetten und Saxophonen herausholten. Dabei begaben sie sich auch persönlich auf eine Reise in ihre Vergangenheit: Ihr Berufsweg hat sie zum Jazz geführt - das Blue Moon Orchestra ist nicht nur in Kronach ein Begriff. Die Anfänge der Musiker aber lagen in der Klassik. "Wir hatten Spaß daran, uns wieder mit dieser Musik zu beschäftigen", sagte Marco Plitzner.
Ganz klassisch, beziehungsweise barock, machten sie den Anfang mit der g-Moll-Sonate, die Johann Sebastian Bach für Flöte oder Violine und Cembalo komponiert hatte. Ninette Soyez-Plitzner und Gordon Bär spielten sie mit Saxophon und Klavier, auf Instrumenten, die viel jünger als die Komposition sind. So wollten die beiden Instrumente klanglich keine rechte Verbindung eingehen.

Beim folgenden Konzert in Es-Dur von Franz Krommer fanden die beiden Klarinetten dagegen harmonisch und virtuos zusammen. Die rasanten Doppelläufe kamen auf den Punkt und die böhmisch-mährischen Elemente aus der Heimat des Komponisten wurden liebevoll herausgearbeitet. Pianist Gordon Bär hat auch eine Ausbildung an der Orgel absolviert. Daher ist er versiert in der Lage, seine Begleitung flexibel anzupassen, was ihm an der ein oder anderen Stelle zugutekam.


Romantisches Schwelgen

Höhepunkt im ersten Teil war die "Fantaisie sur un thème original" von Jules Demersseman. Er komponierte dieses Stück explizit für das Saxophon, das es erst seit den 1840er Jahren gibt. Genüsslich schwelgt es in der französischen Romantik und jagt das Instrument die aberwitzigsten Tonleitern rauf und runter - eine wunderbare Gelegenheit für Ninette Soyez-Plitzner, die Klangschönheit ihres Saxophons in allen Facetten vorzuführen. Mit dem Klarinettenkonzert in B-Dur von Carl Stamitz unternahm Plitzner noch einmal einen Ausflug in die Vorklassik. Daran schloss nahtlos, zumindest musikepochal, das romantische Konzertstück für zwei Klarinetten und Klavier von Mendelssohn Bartholdy an.

Danach näherte sich das Programm der Moderne mit Aaron Coplands "Concerto for Benny Goodman". "Es fängt ganz schwebend an", warnte Marco Plitzner, "wird dann aber noch schnell, hoch und laut. Manchmal erschrecke ich selbst." Dem lyrisch-impressionistischen Teil folgte die "Cadenza", in der die Klarinette solo spielt. Jazzelemente treffen auf lateinamerikanische Anklänge. Das Stück gab dem Solisten die Möglichkeit, die ganze Skala auszuschöpfen, was Marco Plitzner genüsslich ausnutzte.

Mit zwanzig Jahren lieferte der Spanier Pedro Iturralde seine erste Komposition für Saxophon und Klavier ab: die "Pequena Czarda", die kleine ungarische Schänke. Die Musik reicht von fast tonlos über gefühlig bis zu temperantvoll mitreißenden Czardasrhythmen, wie man sie kennt.


Überraschend und irritierend

Das folgende Stück, die Improvisation I des Japaners Ryo Noda, gehöre zum Repertoire eines jeden klassischen Saxophonisten, deshalb mute sie es auch dem heutigen Publikum zu, kündigte Soyez-Plitzner an. Noda ist Vertreter der Neuen Japanischen Musik und lässt in seinem Werk westeuropäische Einflüsse durchklingen. Das Stück empfindet eine traditionelle japanische Flöte nach, die zur Meditation erklingt, umgesetzt in einer avantgardistischen Komposition. Das Instrument wird an seinen Grenzen gespielt, was zu überraschenden und bisweilen irritierenden Klangerlebnissen führt.

Mit den Abschlussstücken "Memories of you" von Benny Goodman und Eubie Blake sowie dem Dave-Brubeck-Klassiker "Take five" sollte das Publikum "wieder versöhnt" werden. Großen Applaus gab es für die musikalische Tour durch die Musikjahrhunderte, mit ihren besonders im zweiten Teil spannenden und faszinierenden Einblicken.
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