Kronach
Faire Stadt

"Billigklamotten haben ihren Preis"

Der Steuerungskreis der Fairen Stadt Kronach hinterfragt in diesem Jahr in verschiedenen Veranstaltungen das Prinzip der billigen Mode .
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Mode macht Spaß, solange alle davon profitieren, meint die Steuerungsgruppe der "Fairen Stadt" Kronach (von links  Annette Hofmann, Elisabeth Hoffmann, Silke Fischer Petersohn und Angela Hofmann).Nicole Julien-Mann
Mode macht Spaß, solange alle davon profitieren, meint die Steuerungsgruppe der "Fairen Stadt" Kronach (von links Annette Hofmann, Elisabeth Hoffmann, Silke Fischer Petersohn und Angela Hofmann).Nicole Julien-Mann
Ein Pullover oder eine Hose für 10 Euro, ein Hemd für 5 Euro? Wie kann es sein, dass Kleidung bei uns so wenig kostet? Die Steuerungsgruppe der Fairen Stadt Kronach setzt in diesem Jahr den Fokus auf die Glitzerwelt der Mode. "Billigklamotten haben ihren Preis", so Silke Fischer Petersohn vom Trägerverein zur Förderung des Fairen Handels, "leider zahlen ihn die Falschen." Und zwar billige und meistens weibliche Arbeitskräfte in den Fabriken im sogenannten Globalen Süden, etwa in Myanmar, Kambodscha oder Bangladesh. Laut der Christlichen Iniative Romero reicht der gesetzlich festgeschriebene Mindestlohn von 2,48 € pro Tag reicht nicht zum Überleben. Überstunden sollen das magere Gehalt ergänzen, werden aber oft auch nicht vergütet. Auch werden Löhne einbehalten, wenn die Arbeiter bzw. Arbeiterinnen aus Krankheitsgründen nicht arbeiten können. Unabhängige Gewerkschaften sind rar.
Das Aktionsjahr "Faire Kleidung" der Kronacher Fairen-Stadt-Gruppe richtet den Blick aber nicht nur in die Ferne, auch das eigene Konsumverhalten soll hinterfragt werden. "Mode macht Spaß, sie gehört zu unserem Lifestyle, daher wollen wir nicht moralisieren", meint Elisabeth Hoffmann, Sprecherin des Steuerungskreises, "aber es wäre schön, wenn wir eine Diskussion anstoßen könnten." Zum Beispiel darüber ob es wirklich nötig ist, sich dem Diktat des "Fast-Fashion-Prinzips" bedingungslos zu unterwerfen. "Müssen wir jeden Hype mitmachen, nur weil wir ihn uns leisten können?" Die Kollektionen für Frühling, Sommer, Herbst und Winter werden durch Late Summer (Spätsommer)- und Early Winter (früher Winter)-Kollektionen ergänzt.
Die "Must-Haves", was jeder haben muss, kosten nicht viel und weil sie schnell wieder out sind, müssen sie auch nicht lange halten.
Für die Arbeiter in den Ausbeutungsbetrieben, auch "Sweatshops" genannt, weil dort schweißtreibende Arbeit geleistet wird, bedeutet dies: enormer Zeit- und Leistungsdruck. Sind außerdem die Ansprüche an Stoffqualität und Verarbeitung niedrig sind sie es auch an das Ausbildungsniveau der Näherinnen. So dreht sich die Spirale abwärts, denn Hilfsdienste werden nur mit Hilfslöhnen vergütet.
"In Kronach soll es fair zugehen!", wünscht sich die Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann, und engagiert sich deshalb in der Steuerungsgruppe. Sie ist überzeugt davon, dass das Fairness-Prinzip eine positive Wirkung entfaltet, die für die Bürgerinnen und Bürger gut ist und sich positiv auf das Image der Stadt auswirkt.
Kronach trägt das Siegel "Faire Stadt" seit 2014. In vielen Kronacher Geschäften gehören fairgehandelte Produkte zum Sortiment. Die Klassiker sind Kaffee, Tee, Schokolade, vereinzelt findet man auch Textilien. Das Steuerungsteam der Fairen Stadt plant Aktionen über das ganze Jahr. Unterstützt wird das vom Bundesförderungsprojekt "Demokratie leben!". Den Anfang macht am 20. Februar die Filmvorführung der Dokumentation "The True Cost" in der Filmburg in Kronach. Eine kleine Ausstellung im Foyer des Kinos beleuchtet die Hintergründe der Mode-Billigproduktion.
Am 6. März hält Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero einen Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde im Evangelischen Gemeindezentrum in Kronach. Alle Interessierten sind eingeladen. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.
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