Druckartikel: Alte Musik wurde in Küps herzergreifend präsentiert

Alte Musik wurde in Küps herzergreifend präsentiert


Autor: Heike Schülein

Küps, Montag, 04. Januar 2016

Unter dem Motto "Singet fröhlich, lasst euch hören" stand das Konzert des Kammerchors CoroCantiamo in der Jakobi-Kirche in Küps. Dargeboten wurden überwiegend alte deutsche Weihnachtslieder in Vertonungen aus mehreren Jahrhunderten.
Der Kammerchor Coro Cantiamo und Magdalena Gosch an der Harfe präsentierten bei ihrem Konzert am Sonntag anspruchsvolle Literatur im Bereich Alte Musik.


"A Ceremony of Carols" von Benjamin Britten und "A Dancing Day" von John Rutter: diese grandiosen musikalischen Glaubensbekenntnisse wurden zauberhaft dargeboten vom Coro Cantiamo, zart begleitet von farbenreichen Harfenklängen. So wahr, so berührend und von solcher Tiefe und Schönheit war der Vortrag, dass es den Gästen im Gotteshaus die Tränen der Rührung in die Augen trieb.

Auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Küps gastierten die Sänger des Erlanger Kammerchors Coro Cantiamo in der St.-Jakobi-Kirche. Seit über 25 Jahren ist der in Erlangen-Bruck beheimatete Chor - hervorgagangen auf Initiative von Mitgliedern des Kammerchors der Universität Erlangen-Nürnberg - fester Bestandteil im Kulturleben der Region. Er setzt sich vorwiegend mit anspruchsvoller Literatur im Bereich Alte Musik auseinander. Besonders verschrieben hat sich der Chor dabei dem Wiederentdecken selten gespielter, fast vergessener Musik und ihrer adäquaten, historisch informierten Aufführung.

Kann man durch die Zeit reisen? Jeder, der den ausgewählten Werken des Chors zuhörte, wird dies sofort bejahen. Schon mit den ersten Tönen des berühmten spätromantischen Chorsatzes von Max Reger zum alten Text "Und unser lieben Frauen der traumet ein Traum" begann eine berührende musikalische Reise durch Raum und Zeit. Es war Musik zum Eintauchen und zur völligen Loslösung von der Hast unserer Zeit.


Englische Impressionen

Die Hauptwerke des Konzerts waren die beiden - von duftig-leichten Harfenklängen begleiteten - beliebten Zyklen englischer Weihnachtsmusik. Der Zyklus über altenglische Weihnachtslieder, "A Ceremony of Carols" für Chor und Harfe, wurde Anfang der 40er-Jahre des vorherigen Jahrhunderts von Benjamin Britten geschrieben und schnell zu einer seiner beliebtesten Kompositionen.

John Rutter hat zu Brittens Werk ein ebenso hinreißendes Pendant geschrieben. "A Dancing Day" für Frauenchor und Harfe. Im Gegensatz zur Komposition Brittens ist Rutters Werk einzig für einen Frauenchor konzipiert. Die Gäste ließen sich dabei verzaubern von dem ergreifenden voller Harmonie erklingenden Chorgesang wie auch von Magdalena Gosch, deren brillante Harfentechnik voller Raffinesse und Facettenreichtum die Zuhörer verzauberte.

Die lockenden, schmeichelnden Klänge mit geradezu meditativer Wirkung kamen direkt auf die Zuhörer zu und öffneten deren Herzen. Jeder Ton kam an, kein Laut verschwand.

Auf faszinierend authentische Weise schien sie dabei mit ihrem Instrument zu verschmelzen. Mit Esprit und Eleganz gelang Magdalena Gosch auch die Umsetzung von Debussys Arabesque E-Dur Nr. 1.

Der Bogen, der bei diesem Konzert gespannt wurde, hatte epochale Dimensionen. Unter der Leitung von Marco Schneider, Kirchenmusiker in Erlangen-Bruck, erklangen viele bekannte deutsche Weihnachtslieder in Vertonungen aus mehreren Jahrhunderten. Coro Cantiamo hatte dazu sowohl virtuose Chorsätze von Adam Gumpelzhaimer, Michael Praetorius, Carl Thiel und Lukas Osiander als auch stimmungsvolle Klangschöpfungen von Max Reger und Hugo Distler zu einem weihnachtlichen Reigen auf höchstem Niveau zusammengestellt. Unter diesen musikalischen Perlen fand man beispielsweise auch Distlers eigenwillige Vertonung des alten Volkslieds "Vom Himmel hoch, o Englein komm".

Die Stimmen der Sänger setzten dabei Emotionen frei, die dem Publikum ein ums andere Mal fast den Atem verschlugen.

Über alle Epochen und Formen hinweg entstand eine eigene Klangs- und Gefühlswelt, die mit spiritueller Kraft tief ins Innere ging.

Pfarrer Friedrich Seegenschmiedt bedankte sich "für ein besonderes Erlebnis" beim Chor. Damit sprach er allen Besuchern aus dem Herzen, die ihrerseits das musikalische Glanzlicht mit großem Applaus bedachten.
Belohnt wurden sie dafür mit der Zugabe "Adeste fideles" (Herbei ihr Gläubigen).