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Auftritt

Wolfgang Kalb spielt Blues aus der Gosse in Küps

Wolfgang Kalb gräbt am Samstag, 19. Oktober, in Burkersdorf wieder alte Songs aus. Ab 20 Uhr spielt er im Tecnet-Zentrum.
Vollblutmusiker aus Hirschaid: Wolfgang Kalb mit seiner Dobro-Gitarre. Diese erklingt am 19. Oktober im "Tecnet Zentrum" in Burkersdorf. Foto: Stephan Stöckel
 
von STEPHAN STÖCKEL
Er hat den Blues im Blut - und das seit 35 Jahren. Die Rede ist von Wolfgang Kalb aus Hirschaid, einem Blues-Urgestein Frankens. Er zählt nicht zu den Modernisierern dieser Musikrichtung, die ihr neues Leben einhauchen - ganz im Gegenteil: Der Oberfranke ist ein Traditionalist, ein Bewahrer, der den Wurzeln dieser Musikrichtung nachspürt, der Songs ausgräbt, die bereits 80 oder mehr Jahre auf dem Buckel haben.

Am Samstag, 19. Oktober, können sich die heimischen Blues-Liebhaber ab 20 Uhr gemeinsam mit ihm auf die Suche nach längst vergessenen Bluesperlen machen. Der Kleinkunstverein Tecnet Obermain lädt dazu in sein Tecnet-Zentrum in Burkersdorf ein. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.

In den 70er und 80er Jahren war der heute 55-Jährige ein gern gesehener Gast auf heimischen Bühnen. Dann legte er für längere Zeit eine Pause ein, bis ihn der Blues-Virus erneut in die Kleinkunstkneipen der Region zog. Seit 2001 ist er wieder unterwegs, um Alt und Jung für den Zwölftakter zu begeistern. Kalb ist ein Alleinunterhalter im wahrsten Sinne des Wortes: Er braucht keine Begleitband, um sein Publikum zu fesseln. Sein legendärer Auftritt im Gasthof "Zur Linde" vor fünf Jahren war beredter Beweis dafür. Seine Stimme klang damals, als hätte er sie von einem farbigen Baumwollpflücker aus dem Süden der USA geerbt. Sein Timbre war enorm wandlungsfähig, passte sich den jeweiligen Stücken an: Es klang schmerzerfüllt, näselnd, rau und aufmüpfig, aber auch so, als wäre es in Schwermut getränkt. So ist es auch heute noch.

Fingerfertiger Gitarrist

Behände beherrscht Kalb die Spieltechnik des Fingerpicking. Kalb erweist sich bei seinen Auftritten als versierter Spieler auf der Dobro-Gitarre aus Stahl, die einst von tschechischen Einwanderern entwickelt wurde, damit die Bluesgitarristen am Straßenrand gegen den Verkehrslärm ankämpfen konnten. Damit lässt er den Blues aufheulen, kreischen und lärmen. Ab und an streift er sich bei seinen Konzerten ein Röhrchen - in der Fachsprache "Bottleneck" genannt - über seine Finger, flitzt damit über den Hals seiner Gitarre, und der Blues weint in den hellsten Tönen.

Ob akustisch oder stählern - vor dem geistigen Auge der Zuhörer werden bei seinen Konzerten Geschichten lebendig, wie sie das Leben einst schrieb, und die von legendären Künstlern wie Robert Johnson, Mississippi John Hurt oder Muddy Waters vor fast 100 Jahren niedergeschrieben wurden. Es ist nicht die heile Welt, die von Kalb besungen wird. Ganz im Gegenteil: Hinterhof- und Gossenlyrik, Mörderballaden, Drogenstorys und Eifersuchtsdramen bilden sein Konzertprogramm. Inbrünstig und mit dunklem Timbre besingt der Franke die Schattenseiten des Lebens.

Kalb weiß bei seinen Konzerten viel zu erzählen über den guten, alten Blues, denn er ist ein viel belesener Blues-Kenner, der 2006 in New York die beiden Blues-Veteranen Honeyboy Edwards und Robert Lockwood Jr. besucht hatte.


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