Küps
Windpark

Windpark Hain-Ost ist nun eröffnet

Die Freude über die Einweihung war bei den Verantwortlichen groß. Eingegangen wurde bei der Veranstaltung auch auf die Gegner.
Artikel einbetten Artikel drucken
MVV-Projektmanager Thorsten Schneider (Mitte) bot Führungen durch die Windkraftanlage an. Foto: Heike Schülein
MVV-Projektmanager Thorsten Schneider (Mitte) bot Führungen durch die Windkraftanlage an. Foto: Heike Schülein
+8 Bilder
Es ist ein Projekt, das seit fünf Jahren für mächtig (Gegen-)Wind sorgt - und damit lange bevor die fünf Windräder überhaupt in Betrieb gingen. Trotz massiven Widerstands der Bevölkerung läuft der Windpark Hain-Ost seit September 2016 und erzeugt CO2-neutralen Strom für 12 000 Haushalte. "Ruhe" ist aber - gleich in doppelter Bedeutung - nicht eingekehrt. Das wurde auch bei der Einweihung am Samstag beim Wildenberger Feuerwehrhaus deutlich.

"Vor gut fünf Jahren stellte sich der erste Interessent für die Planung des Windparks vor", erinnerte sich Kurt Hauck, Vorsitzender des Vereins "Windpark Rainberg", in seinem Rückblick. Es folgten Versammlungen in Wildenberg und Hain, wo am 6. September 2012 ein Eigentümerbeirat gewählt wurde. Nach Prüfung der Angebote entschied man sich für den Konzern MVV Energie aus Mannheim. Seit der Vertragsvorstellung am 25. Februar 2013 hätten sich die Windpark-Gegner formiert. "Warum auch immer?", so Hauck.

Als Gründe hätten Vögel hergehalten oder Tinnitus-Beschwerden. Insbesondere aber sei es wohl Neid gewesen. "Wenn jemand sagt, wenn ich ein Grundstück hätte, wäre ich auch dafür, sagt das alles", prangerte er an. Nach Vertragsunterzeichnung wurde ein Laserwindmessgerät im November 2013 bis Juni 2014 aufgestellt. Die Klagen des Marktes Küps und des Vogelschutzbundes wurden abgewiesen. Ende 2015 erfolgten Rodungsarbeiten sowie anschließend der Straßenbau und Kabelverlegung nach Neuses. Dass die Anlagen im September 2016 ans Netz gehen konnten, sei gerade auch den tüchtigen Baufirmen zu verdanken. Haucks besonderer Dank galt dem MVV Konzern und seiner Tochtergesellschaft, den Stadtwerken Ingolstadt (SWI) als jetzigen Betreiber.


Turbulente Jahre

Auch Weißenbrunns Bürgermeister Egon Herrmann sprach von fünf turbulenten Jahren. Dass es Andersdenkende gebe, bringe die Gesellschaft mit sich. Wichtig sei aber ein respektvoller Umgang. Er räumte ein, subjektiv die Anlagen als zu laut zu empfinden. "Wir versuchen, das zu klären und das Übel auszuräumen", bekundete er.
Sieben weitere Windräder seien für Gössersdorf genehmigt, würden aber beklagt. Man rechne damit, dass diese 2018 stehen. In der Gemeinde habe man in den vergangenen 15 Jahren viele Projekte im Bereich regenerative Energien auf den Weg gebracht. Dieses Umdenken sei notwendig. "Die Frage ist, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen", sagte er. Den Eigentümern wünschte er ein starkes Kreuz, da die Andersdenkenden nicht aufgäben.

Nach Beschluss der Bundesregierung sollen bis 2050 mindestens 80 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien kommen. 2016 lag in der Bundesrepublik der Anteil an erneuerbaren Energien bei 31 Prozent. Die risikobelastete Kernkraft liegt bei 16,8 Prozent, die Kohlekraft bei 45,5 Prozent - wobei Kohlekraftwerke einen Kohlendioxid-Ausstoß von 750 bis 1200 g pro Kilowattstunde verursachen. "Gegenüber Windkraftanlagen sind sie wahre Dreckschleudern, denn Windkraft und Wasserkraft verursachen nur 10 bis 40 g pro Kilowattstunden", erklärte Albert Rubel von der Energievision Frankenwald. Um den erzeugten Strom am Windpark mit Photovoltaik zu erzielen, würde man 50 Hektar Fläche benötigen.


"Das war zu spät"

Dies bestätigte auch Martin Kastner von der Energievision Frankenwald in seinem Vortrag "Energie bewegt die Welt". Von allen erneuerbaren Energien hätten Windkraft und Photovoltaikanlage das meiste Ausbaupotenzial. Jedes der Windräder erzeuge rund 5,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Durch die zwei Windräder auf Weißenbrunner sowie die drei auf Küpser Seite konnte Weißenbrunn seinen Anteil an erneuerbaren Energien von 67 Prozent auf 130 Prozent steigern, Küps von 28 Prozent auf 70 Prozent.

MVV-Projektmanager Thorsten Schneider freute sich, dass man nach dem Startschuss 2012 sowie vielen Formalitäten und zwei Widerspruchsverfahren nun Eröffnung feiern könne. "Die Anlage ist von der Rechtsprechung genehmigt und rechtens", betonte er.

Laut SWI-Prokurist Christian Fleißner seien Flächen in Ingolstadt aus militärischen Gründen sowie der Nähe zum Naturpark weggefallen. Daher kaufe man Beteiligungen. Aufgrund sich häufender Beschwerden beim Landratsamt werde man eine Lärmmessung durchführen. Nach Aktenstudium des Gutachters erachte es dieser als sehr unwahrscheinlich, dass die erlaubte Lautstärke überschritten werde.

Erwin Schwarz, Kreisobmann im BBV-Kreisverband Kronach, erinnerte an die Veranstaltung in Hain, bei der sich die Bürgermeister aus Küps, Burgkunstadt und Weißenbrunn für die Anlage ausgesprochen hätten. Auch von den Bürgern sei kein Widerspruch gekommen. Deshalb sei er später, als der Widerstand nahezu explodiert sei, aus allen Wolken gefallen. "Das war zu spät", monierte er. Die Gegner hätten sich schon bei Ausweisung des Windvorranggebiets einbringen müssen. Er sei gegen die Erdverkabelung der Windanlagen gewesen. "Wenn für Leitungen Grund und Boden genutzt wird, muss die Gesellschaft eine vernünftige Entschädigung leisten", forderte er.

Den Segen Gottes für die Anlage erbat Pfarrer Christoph Teille. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Symphonische Jugendblasorchester Küps. Im Anschluss nutzten viele Interessierte die Möglichkeit, mit einem Bus zum Windpark zu fahren und die Windkraftanlage 4 zu besichtigen.
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren