Wilhelmsthal
Gemeinderat

Wilhelmsthaler Brücken im Visier

Die Gemeinde hat die Brücken durch ein Ingenieurbüro überprüfen und bewerten lassen. Jetzt liegt die lange Mängelliste vor.
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Die kleine Brücke über die Teuschnitz in Gifting stellt sich am schlechtesten dar. Foto: Hartmut Neubauer
Die kleine Brücke über die Teuschnitz in Gifting stellt sich am schlechtesten dar. Foto: Hartmut Neubauer
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Um die Brücken in Wilhelmsthal steht es nicht gut. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Prüfung. Diplom-Ingenieur Christian Neubauer vom Büro Schneider & Partner aus Kronach betonte jedoch, dass dies nichts Ungewöhnliches sei. Konkret bewertet werden Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Aus diesen drei Haupt-Kriterien wird dann eine Gesamtnote gebildet. Allerdings werden für die Brückenbauwerke nur Noten von eins bis vier vergeben. Ein Durchschnitt von 1 bis 1,4 entspricht einem sehr guten Zustand, ein Durchschnitt von bis zu 1,9 einem guten Zustand, ein Durchschnitt von 2,4 einem befriedigenden Zustand.
Die Bewertung der Wilhelmsthaler Brücken fiel teilweise deutlich schlechter aus. "Wir können nicht alle Brücken auf einmal machen lassen, aber wir möchten eine Prioritätenliste aufstellen und wollen dann in der nächsten Sitzung entscheiden, wie wir vorgehen", schickte Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD) voraus. Grebner ist fest entschlossen, den in diesem Bereich vorherrschenden Investitionsstau progressiv anzugehen. Aus diesem Grund sollen die Räte auch in der nächsten Sitzung über das weitere Vorgehen abstimmen.


Nur eine Bewertung mit 4

Die "schlechteste" Brücke ist die kleine Brücke über die Teuschnitz in Gifting. Sie ist zwar noch standfest und verkehrssicher, konnte dort die Bewertung zwei bekommen. Doch in der Dauerhaftigkeit hat sie nur eine Bewertung mit 4. Das bedeutet: Die Brücke hat die Gesamtnote 3,4, es besteht dringender Handlungsbedarf. Das Ingenieurbüro empfiehlt die Beseitigung von losen Korrosionsschäden an den Walzträgern. "Lose Roststellen sind zu entfernen. Dann könnte man die Restwandstärken feststellen und entsprechende Zulagen im Auflagerbereich anschweißen lassen", stellte Neubauer das Prozedere vor. Außerdem können Ausbrüche am Fahrbahnbelag beseitigt werden. Auch Instandsetzungsmaßnahmen am Geländer und Anlandungen am Widerlager sollten getätigt werden. Kosten: etwa 20 000 Euro.


"Man müsste das nachrechnen"

Ein echtes Problem allerdings ist die Tragfähigkeit der Brücke. Bislang gibt es keine Hinweisschilder auf eine Tonnagebeschränkung. Die Brücke wurde 2009 auf eine maximale Tragfähigkeit von neun Tonnen geschätzt. "Man müsste das nachrechnen", so Neubauer. Tatsächlich fahren auch Langholzlaster, Rettungs- und Müllfahrzeuge über die Brücke. Die Bürgermeisterin erläuterte, dass baldmöglichst eine Tonnagebeschränkung angebracht werden solle. "Schon aus versicherungsrechtlichen Gründen müssen wir eine Tonnagebeschränkung anbringen", erklärte Heinrich Förtsch (CSU).
Ebenfalls ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Brücke über die Grümpel in der Grümpelstraße. Bereits 2016 wurden bei diesem Bauwerk Sofortmaßnahmen durchgeführt, so Neubauer.


"Nur schwer zu retten"

Aus diesem Grund hat die Brücke jetzt aktuell die Bewertung 3,4 bekommen. In Sofortmaßnahmen wurden lockere und lose Geleitwände, fehlende Kantenschutzwinkel erneuert. Auch Ausbrüche am Belag und Schäden im Gründungsbereich wurden repariert. Auf Dauer sei diese Brücke aber nur schwer zu retten. Aus diesem Grund möchte die Gemeinde ein Konzept für die Grümpelstraße erstellen, dann über das weitere Prozedere entscheiden.
Bis dieses Konzept fertig sei, können Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Ebenfalls schlechte Bewertungen haben die Brücken in Tiefenbach und die Brücke über die Grümpel in Hesselbach bekommen.
Bei den Prüfungen hat das Ingenieurbüro 18 Brückenbauwerke in Wilhelmsthal unter die Lupe genommen. Sechs landeten im roten Bereich, absoluter Handlungsbedarf besteht. Nur eine Brücke lag im grünen Bereich - die neue Brücke.
Ingenieur Neubauer zeigte sich mit den eingeleiteten Sofortmaßnahmen zufrieden. "Bei allen betroffenen Bauwerken konnte die Einzelbewertung für die Verkehrssicherheit auf maximal 2 begrenzt werden. Zum Teil konnte die Zustandsnote deutlich verbessert werden", erklärte der Experte.
Die Überprüfung der Brücken ist alle sechs Jahre vorgeschrieben. Einfache Prüfungen werden alle drei Jahre getätigt. "Wir benötigen mindestens 20 Jahre, bis wir auf dem Laufenden sind. Die Sanierung der Brücken kostet uns Millionen", so Grebner.


Gemeinderat in Kürze


Bauanträge Die Mitglieder des Gemeinderates Wilhelmsthal stimmten zahlreichen Bauanträgen zu: dem Bau von Garagen und Stellplätzen in Steinberg sowie dem Neubau eines Einfamilienwohnhauses mit Garage ebenfalls in Steinberg. Genehmigt wurde auch die Errichtung einer Gerätescheune in Roßlach und der Anbau einer Garage an das bestehende Wohnhaus am Dorfplatz in Gifting, Auch gegen die Anbringung einer Werbetafel am Carport mit einer Größe von 2,70 Meter auf 80 Zentimeter und gegen die Fassadenbeschriftung an der Garage in Eibenberg hatten die Gemeinderäte aus Wilhelmsthal nichts.

Schachtdeckel In Wilhelmsthal, Steinberg, Gifting, Effelter und Hesselbach müssen 18 Schachtdeckel und zwei Straßenabläufe dringend saniert werden. Die Deckel und Abläufe haben sich gesenkt, sind locker oder klappern. Sie müssen in nächster Zeit ausgetauscht oder auf Straßenniveau angehoben werden. Der Auftrag wurde an die Firma Vienna GmbH & Co. KG aus Hargesheim vergeben (9603 Euro).

Kooperation Wilhelmsthal schloss mit dem Landkreis Kronach einen Kooperationsvertrag über die Asphaltierungsarbeiten und die Erneuerung der Regenwasserkanalquerungen im Zuge der Straßendeckensanierung der Kreisstraße 3 in Gifting. Ab Mai soll die Deckensanierung durchgeführt werden, auch die Einmündungstrichter der Anliegerstraßen werden angeglichen. Ebenfalls erneuert werden die Spitzgrabensteine und die Asphaltdecke des Gehweges von der Einmündung "Am Mittelberg" bis zur Einmündung am Friedhof. Die Regierung von Oberfranken hat dem vorzeitigen Baubeginn des zweiten Bauabschnittes der Grieser Straße in Steinberg zugestimmt. Die Straße soll saniert werden, außerdem will der Zweckverband Wasserversorgung Frankenwaldgruppe die Trinkwasserleitung erneuern.

Ganztagsbetreuung Auch im nächsten Schuljahr soll die offene Ganztagsbetreuung an der Grundschule Wilhelmsthal fortgeführt werden. Die Gemeinde beteiligt sich mit bis zu 5500 Euro je Gruppe.



Investitionsstau von 22 Millionen Euro


Die Gemeinde Wilhelmsthal führt auch in diesem Jahr den strengen Haushaltskonsolidierungskurs fort, informierte Kämmerer Mario Kotschenreuther die Räte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. 2016 hat die Gemeinde 400 000 Euro durch den Freistaat bewilligt bekommen. "Wir wollen in diesem Jahr aber nicht den Schwerpunkt auf den Schuldenabbau richten, denn wir haben keine Möglichkeit einer Sondertilgung", so Kotschenreuther. Im vergangenen Jahr wurden 160 000 Euro in einer Sondertilgung eingebracht.
2017 möchte Wilhelmsthal den Investitionsstau, der sich auf 22 Millionen Euro beläuft, in Angriff nehmen. Kotschenreuther machte klar, dass es nur um Pflichtaufgaben der Gemeinde gehe. So müsse Wilhelmsthal 211 000 Euro an den Zweckverband Wasserversorgung Frankenwaldgruppe zahlen. Mit 49 000 Euro Eigenanteil solle ein neues Feuerwehrfahrzeug angeschafft werden.


Zehn-Punkte-Katalog

Für die Sanierung der Turnhalle werden weitere 941 000 Euro eingeplant, für Brücken-Sanierungen 55 000 Euro, für die Erneuerung von Stützmauern und für den Breitbandausbau insgesamt 30 000 Euro. "Wir beantragen insgesamt Stabilisierungshilfe in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Was wir bekommen, ist natürlich eine andere Sache", so Kotschenreuther. Die Gemeinde Wilhelmsthal hat einen Zehn-Punkte-Katalog erarbeitet, der auf die Sicherstellung und Wiederherstellung der dauerhaften Leistungsfähigkeit abziele. Tatsächlich sprächen die Zahlen für sich. Die Steuerkraft von Wilhelmsthal lag im Zeitraum zwischen 2012 und 2016 bei 58 Prozent des Landesdurchschnittes. "Schon ab zwanzig Prozent unter dem Landesdurchschnitt liegt eine strukturelle Härte vor", erläuterte Kämmerer Kotschenreuther.
Auch die demografische Entwicklung spricht für die Gewährung der Stabilisierungshilfe. ad
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