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Feldgeschworenenwesen

Von Geheimnissen umrankt: die Siebener

Grenzzeichen, Grenzsteinsetzer und Grenzfrevler. In Bayern reicht das Vermessungswesen bis ins 14. Jahrhundert zurück.
Alter Grenzstein auf der "Tempenberger Flur" Foto: Alexander Grahl
 
Sie gehen in dunkler Kleidung unter einem wolkenverhangenen, blaugrauen Himmel. Der Wind zerrt an den Haaren derer, die keinen Hut tragen. Sie sind sieben und haben Spitzhacke und Spaten bei sich, eine Laterne, Drahtbürste und Farbe. Und einer ist bei ihnen, der die Karte liest. An einem zerschlagenen Waldgrundstück gehen sie entlang, steigen in eine Senke, folgen dort einem Bachlauf. Sie reden darüber, was die Stürme ihrem Holz, was die Wildschweine dem Mais getan haben. Bauern sind sie alle und suchen nach alten, grob behauenen Blöcken aus Sandstein, die schwer im Boden stehen, mit Kerben markiert und alter Farbe gezeichnet.
Die Szene ist zwar nachempfunden und gleicht eher einem Gemälde von Caspar David Friedrich, doch sie offenbart das Rätselhafte und Mysteriöse an dieser "Schwarzen Zunft" der Feldgeschworenen, die sich im "dunklen Mittelalter" besonders im fränkischen Raum zum Schutz vor unberechtigtem Versetzen von Grenzsteinen formierte. Die Wurzeln des Feldgeschworenenamtes lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Feldgeschworenenwesen entstand aus den damaligen Feld- und Untergangsgerichten, die wiederum aus den Dorfgerichten hervorgegangen waren.
In alten Cent- und Gerichtsverordnungen wurde bei Grenzfrevel mit empfindlichen Strafen gedroht. Dazu kam noch die Angst vor der Strafe Gottes.
Erzählt wird die Geschichte von einem ruhelosen Marksteinversetzer am Kreuzberg. Dieser soll nach seinem unseligen Tod mit einem Grenzstein auf dem Rücken umhergeirrt sein und gejammert haben: "Wu soll ich denn den Schdaa hie du?" Dies hörte ein aufgeweckter Spätheimkehrer, der von der Kreuzbergklause um die Mitternachtsstunde auf dem Heimweg nach Kronach war. "Tunna hie, wuusdenna hä host", soll er zur Antwort gegeben haben. Daraufhin sei der "umtriebige Geist" von seiner Unrast erlöst worden. Feldgeschworener oder Feldschieder war ein Ehrenamt von Anfang an. Eine Chronik aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beschreibt die Voraussetzungen dafür so: "Soll ein jeder seyn im Ort geboren und soll zehn Jahre Burger seyn, eh man ihn zum Feldschieder machet, dieweilen sich in dieser Zeit seine ganze Beschaffenheit zeiget und man erkennet, ob er nicht ein Säufer, ein rachsüchtiger Erdenwurm ist, ob er einen gut richtigen Ausspruch bey jeglichem Streite tun kann, ob er ein guter Hauswirth ist, der sein Eigen auf rechte Weise zu mehren suchet, ob er im Rechnen und Schreiben bestellt ist". Außerdem wird auf das Christusalter von 33 Jahren als früheste Wählbarkeit zu jener Zeit hingewiesen.
Die Feldgeschorenen werden auch Siebener genannt, da jede Gemeinde immer sieben Geschworene ins Amt berief. In einer Schrift aus dem Jahr 1367 über einen Grenzstreit heißt es schon: "Sieben alte Bauern sprachen Recht". Die Zahl Sieben galt im Glauben unserer Ahnen als mystische, als heilige Zahl. Man denke nur an die "Sieben Weisen", an die "Sieben Siegel" und an die "Sieben Worte". Eine einschneidende Wende kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit grundlegenden Reformen der Kommunal-, Gerichts- und Verwaltungsorganisation. In Bayern ist diese Zeit mit dem Namen Graf von Montgelas verbunden. In vielen Landgerichten entstanden Siebenerordnungen und damit einheitliche Siebenerrechte. Eine Besonderheit der Feldgeschworenen ist ihr Siebenergeheimnis. Mit geheimen Zeichen und Markierungen, etwa in Form von Marksteinzeugen, wird hiermit der Punkt des zu setzenden Grenzsteines gekennzeichnet, Die geheimen Daten sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich und werden nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben. In einer Dienstordnung von 1868 heißt es hierzu: "Die Wahl der zum Belegen der Grenzsteine zu verwendeten Gegenstände ist dem Ermessen der Feldgeschworenen anheim gegeben, welche hierüber das strengste Stillschweigen zu beobachten haben. Gemäß dem abgelegten Eid haben sie das Geheimnis lebenslang zu bewahren".
Vielfältig waren die Aufgaben der Siebener. Die Grenzen sollten sie mit Maßband und Fluchtstäben ziehen, die Steine zentimetergenau und unverrückbar setzen und sie pflegen über die Jahre. Außerdem war es ihre Pflicht, darauf zu achten, dass der Schatten des Galgens nicht auf das Grundstück eines Anrainers fiel. Vor allem aber sollten sie Grenzstreitigkeiten schlichten kraft ihres Amtes und ihres Wissens. Auf die Unbestechlichkeit ihres Urteils leisteten sie dem Staat einen heiligen Eid, darum der Name "Feldgeschworene". Peinlich genau schrieben sie alle Maße und Ereignisse im Protokollbuch nieder. Die vertraulichen Aufzeichnungen sind oft die einzigen Zeugnisse alter Ortsgeschichte und reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück.
Von geheimnisvoller Aura umgeben sind die Grenzzeugen, die den Marksteinen untergelegt sind und bei Instandsetzungsarbeiten nach jahrhundertlanger "Wacht" aus der Tiefe des Erdreiches ans Licht gebracht werden. Sie sind aus Glas, Keramik oder Ton. Material, Größe, Art, ja selbst ihre Gestaltung enthalten verdeckte Informationen. Die vielförmigen Zeichen und ihre unveränderte Anordnung gelten als Echtheitsbeweis dafür, dass der Grenzstein an seinem richtigen Platz steht. Bedingt durch neue Technologien haben Feldgeschworene teilweise aufgehört, Grenzsteine mit Zeugen zu belegen und die Siebener sind oft nicht mehr zu siebt im Amt, sondern nur noch zu dreien oder vieren. Das lange ausschließlich von Männern ausgeübte Amt ist heute auch für Frauen zugänglich. Das Mindestalter ist 18 Jahre.


Wichtige Mittlerfunktion

Vermessung und Abmarkung liegen im Kompetenzbereich des Vermessungsamtes. Den Feldgeschworenen jedoch kommt durch ihr Wissen und ihr Ansehen in den Gemeinden eine wichtige Mittlerfunktion zwischen den Grundstückseigentümern und den Vermessungsbehörden zu. Sie sind berechtigt, in begrenztem Umfang selbstständig tätig zu werden und können beispielsweise von Eigentümern zur Sicherung oder Wiedereinbringung eines Grenzzeichens bestellt werden. Die fachliche Aufsicht über die Siebener obliegt dem Vermessungsamt, die rechtliche den Kommunen. Die Aufwandsentschädigung für die Feldgeschworenen ist in der Gebührenordnung des Landkreises Kronach geregelt: "Die Gebühr wird nach Dauer der zur vollständigen Erledigung der Dienstleistung notwendigen Abwesenheit der Feldgeschworenen von seiner Wohnung gerechnet".
Im 21. Jahrhundert arbeiten die Beamten vom Vermessungsamt mit modernster Vermessungstechnik. "Die Behörde ist vernetzt mit dem Satellitenpositionierungsdienst "Sapos". "Elektronische Distanzmesser mit GPS und mikroprozessorgesteuerte Feldrechner kommen zum Einsatz", informiert Dipl. Ing. F. Pohl, Leiter des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Kronach, den erstaunten Laien. Die traditionellen Vermessungsgeräte haben ausgedient und lagern fein säuberlich aufgereiht in Glasvitrinen an der Rezeption.
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