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Verfolgter Pater mit Papst versöhnt

Der seit langem in Oberfranken lebende Francisco Jalics, einer der beiden während der Militärdiktatur in Argentinien vom heutigen Papst Franziskus angeblich fallen gelassenen Jesuitenpater, hat sich mit Jorge Mario Bergoglio versöhnt.
Pater Francisco Jalics lebt heute in Oberfranken. Foto: Haus Gries
 

Er habe sich mit Bergoglio getroffen, sagte der Sprecher der deutschen Jesuiten-Ordensprovinz am Freitag in München. Bergoglio und Jalics hätten über die Situation während der Militärdiktatur (1976-1983) gesprochen. Heute könne er aber keine Stellung mehr zur Rolle Bergoglios in dieser Zeit beziehen, teilte Jalics mit.

Dem am Mittwoch zum Papst gewählten einstigen Kardinal von Buenos Aires wird vorgeworfen, zwei Jesuiten nicht vor der Verschleppung durch das Militär geschützt zu haben. Bergoglio selbst sagte, er habe sie vor den Gefahren gewarnt und bei der Militär-Junta für sie vorgesprochen, aber wenig Einfluss gehabt. Die zwei Jesuiten - einer von ihnen der in einem Exerzitienhaus im Landkreis Kronach lebende Jalics - wurden nach fünf Monaten Haft und Folter freigelassen.

Die Deutsche Provinz der Jesuiten veröffentlichte am Freitag eine Stellungnahme des 1927 in Budapest geborenen Ordensgeistlichen. Darin schreibt Jalics, er sei 1957 nach Buenos Aires gekommen. 1974 sei er mit Erlaubnis des damaligen Jesuiten-Provinzials Bergoglio mit einem Mitbruder in ein Elendsviertel der Stadt gezogen. "Wir zwei im Elendsviertel hatten weder mit der Junta noch mit der Guerilla Kontakt", schreibt Jalics. Durch Fehlinformationen seien er und sein Mitbruder in Verdacht geraten, mit der Guerilla zu tun zu haben. Beide wurden verhaftet.

Nach fünftägigem Verhör habe ihnen ein Offizier die Freilassung versprochen. "Dieser Zusage zum Trotz wurden wir dann, auf eine für uns unerklärliche Weise fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten", schreibt Jalics weiter. Und: "Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen."

Erst Jahre nach der Befreiung und nachdem er Argentinien verlassen hatte, sprach Jalics mit dem inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio über die Geschehnisse. "Danach haben wir gemeinsam öffentlich Messe gefeiert und wir haben uns feierlich umarmt. Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen." Der Jesuitenpater schließt seine Stellungnahme mit den Worten: "Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt." Seit 1978 lebt Jalics in Deutschland. 20 Jahre lang leitete er das Exerzitienhaus Gries in Wilhelmsthal (Landkreis Kronach), wo er auch seinen Lebensabend verbringt. Derzeit hält sich Jalics aber zu Exerzitien in Ungarn auf. Sein ehemaliger Ordensbruder und Mitgefangener in Argentinien starb im Jahr 2000 an Herzversagen in Uruguay.

Der deutsche Sozialethiker und Jesuit Friedhelm Hengsbach sieht die Rolle des neuen Papstes während der argentinischen Militärjunta kritisch: "Ich denke, das ist ein Schatten", sagte er im Deutschlandradio. Die argentinischen Jesuiten seien damals gespalten gewesen, ihre Mehrheit allerdings "sehr stark verfilzt" mit den konservativen und nationalistischen Kräften.

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff sieht keine Grundlage für eine angebliche Nähe des neuen Papstes zur argentinischen Diktatur. "Im Gegenteil: Er hat viele gerettet und versteckt, die von der Militärdiktatur verfolgt wurden", sagte Boff. dpa

zum Thema "Papstwahl"

Kommentare

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  • community  netzwerk-m Diesen Post kommentierenkommentieren

    @aufgemerktIhre Meinung interessiert auch keinen!

    (0)
  • community  aufgemerkt Diesen Post kommentierenkommentieren

    Das Entscheidendewird aber wohl sein, dass Betroffene mit sich und Anderen im Reinen sind.
    Was Außenstehende im Sessel über das Leben un den Zwängen in einer Diktatur sagen oder meinen zu wissen und zu urteilen, ist im Grunde völlig egal.

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  • community  stephan Diesen Post kommentierenkommentieren

    Jesuiten müssen absoluten Gehorsam leisten, auch wenn sie lügen müssenWenn Pater Jalics schreibt, er könne keine Stellung nehmen, dann ist das sehr vielsagend. Eine Verteidigung des Papstes klingt anders. Ansonsten müssen Jesuiten gemäß ihrer Ordensregel ihrem Ordensgeneral und dem Papst absoluten Gehorsam leisten. Ihr Gründer Ignatius von Loyola schreibt: „Ich glaube, dass das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die hierarchische Kirche es so definiert.“
    Eine ehrliche Aufklärung wird man also aus dieser Ecke nicht bekommen.

    (3)

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