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Region  // Kronach

Treffen

Unverständnis über Neideffekte

Flüchtlingshelfer sprachen über ihre Sorgen. Dabei waren Staatssekretärin Anette Kramme und MdB Andreas Schwarz.
Ausbildung für Flüchtlinge - hier ein Afghane an einer Werkbank in einem Stahlwerk - gehört immer wieder zu den Problemen, mit denen Helfer befasst sind. Foto: epd
 
von VERONIKA SCHADECK
"Wie gelingt Integration?", so lautete am Mittwochabend in der Hermann-Söllner-Halle das Thema bei einer Veranstaltung mit Flüchtlingshelfern und der Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Anette Kramme (SPD), sowie dem Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz (SPD).
Dabei kam zum Ausdruck, dass die Flüchtlingshelfer im Landkreis eine Menge Zeit und auch Herzblut in ihre Arbeit investieren. Es wurde aber auch deutlich, dass Flüchtlingsarbeit Geduld und Beharrlichkeit erfordert. Einig war man sich darüber, dass "Integration gelebt werden muss". Sie habe die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung stolz gemacht, meinte zu Beginn Anette Kramme. Als eine Herausforderung bezeichnete sie die Qualifikation der Flüchtlinge. So hätten neun Prozent der Flüchtlinge keine Schulbildung, zehn Prozent hätten nur die Grundschule besucht, 31 Prozent könnten einen mittleren Schulabschluss vorweisen. Im Jahr 2017 würden deutschlandweit 400 000 Kurse angeboten, die zur Integration von Flüchtlingen beitragen sollen. Unverständnis äußerte Kramme bezüglich vorhandener Neideffekte. "Wegen den Flüchtlingen wurde niemandem etwas weggenommen!"


Es droht Abschiebung

Im Rahmen der Diskussion wurden auch Probleme angesprochen. Es war beispielsweise die Rede von einem 14-Jährigen, den seine Eltern auf die Flucht geschickt hatten. Nun erwarten diese, dass ihr Sohn ihnen Geld in die Heimat schickt. In Deutschland aber unterliegt ein 14-Jähriger der Schulpflicht. Die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Ludwigsstadt, Karin Weber, sprach von einer alleinerziehenden Mutter mit sechs Kindern aus Afghanistan. Der 18-jährige Junge soll nun abgeschoben werden. Sie gab einen Einblick in ihre Arbeit. Sie sprach von Arztbesuchen, von Unterstützung und Begleitung bei Behörden, von der Suche nach Wohnungen. Es sei auch schon vorgekommen, dass einer sie gebeten habe, eine deutsche Frau zu suchen. Es stand auch die Frage im Raum, wer denn für Pflegegeld bei Flüchtlingen zuständig sei, nämlich das Sozialamt. Sie, so Weber, würde sich wünschen, wenn die Flüchtlingsarbeit mehr Berücksichtigung in den Medien fände. Eine Burggruberin, die derzeit drei Mitbürger aus Nigeria betreut, wies darauf hin, dass einer davon zum 1. September eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker starten könnte. Jetzt drohe ihm die Abschiebung. Sie konnte auch nicht die Sprache des "Herrn in der Ausländerbehörde" nachvollziehen, der ihr riet: "Sie solle sich um einen anderen Personenkreis kümmern!" Heike Büttner aus Buchbach verstand nicht, dass einem 14-Jährigen Leistungen gekürzt werden, wenn er einmal pro Woche Zeitungen verteilt.
Bettina Fritz kritisierte Medien, die über "Asylanten" berichten. "Dieser Ausdruck ist negativ." Mehr Verständnis für die Fremden von den "Durchschnittsdenkenden" wünschte sich Claudia Ringhoff vom Projekt "Aktive Bürgerschaft".
Unverständnis äußerte Karin Weber gegenüber den Menschen, die über Flüchtlinge schimpfen. Sie haben nicht gerne ihre Heimat verlassen. Sie zog einen Vergleich zur Nachkriegszeit und zur Wende 1989. Mittlerweile habe nahezu jede Familie einen Flüchtling zu verzeichnen. "Sie vergleichen Äpfel mit Birnen", meinte der SPD-Kreistagsfraktionschef Richard Rauh. Die Flüchtlinge der Nachkriegs- und Wendezeit hatten die gleiche Sprache und Kultur. Er betonte, dass er Hilfe für Flüchtlinge befürworte. "Die Politik muss aber das Rückgrat haben und den Bürgern die Wahrheit sagen!" Damit meinte er, dass Integration ein Generationenprozess und mit Milliarden von Euro verbunden sei. Er sprach von "zwei Kategorien", nämlich von Wirtschaftsflüchtlingen und von solchen, die vor Krieg und Terror geflohen sind. Und Rauh stellte klar, dass die meisten Flüchtlinge nicht zuletzt wegen der guten Sozialleistungen nach Deutschland wollten. Bürgermeister Timo Ehrhardt sprach die erfolgreiche Flüchtlingsarbeit in seiner Stadt an. Demnach sind von den 97 Flüchtlingen noch 67 in Ludwigsstadt. Er sprach von einer Willkommenskultur, die gepflegt werde. Dass das Miteinander so funktioniere, sei nur den Flüchtlingshelfern und auch der Kirche mit Pfarrer Albrecht Bischoff zu verdanken. Er appellierte an die Bürger, die "Flüchtlinge als Chance" zu sehen.
Der SPD-Kreisgeschäftsführer Thilo Moosman meinte, dass der Kontakt zu den Flüchtlingen wichtig sei, um Hemmschwellen abzubauen. Zu Wort meldete sich auch Bahadin Muhammad aus dem Irak: Mittlerweile spricht er gut deutsch. Er will in Ludwigsstadt bleiben und er sucht Arbeit. Er meinte: "Ich will leben!"
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