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Region  // Kronach

Theater

Premiere in Marktrodach: "Charlys Tante" wird modern

Daniel Leistner hat das bekannte Stück in die Gegenwart geholt. Zu sehen ist auf der Werkbühne im Dreefs nun eine Boulevardkomödie mit Zeitgeist.
Vater Don Lisandro (Daniel Leistner) möchte mit seinen Söhnen zurück nach Mexico, damit diese dort schwerreiche Damen ehelichen. Langzeit-Student Lord Bebberly (Uwe VogeL) soll das als vermeintlich reiche brasilianische Tante Lucia verhindern. Foto: Martin Modes
 
Die Anspannung war sicher nicht so groß wie vor einem Jahr, als die neue Epoche für die Kronacher Werkbühne begonnen hat. Streng genommen ist es auch keine Kronacher Werkbühne mehr - denn die Werkbühne im Dreefs ist jetzt in der ehemaligen Dreefs-Fabrik in Marktrodach angesiedelt. "Das sind sehr schöne wundervolle Örtlichkeiten", lobt Theatermacher Daniel Leistner. Und wenn es nach dem Werkbühnenteam und Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner geht, wird sie hier auch in zwei Jahren das nächste Jubiläum feiern. 40 Jahre Werkbühne wären das dann. "Das Drews wurde aufgewertet, erst durch die Disco und jetzt mit der Werkbühne auch noch durch Kultur", so Leistner.


Augenzwinkernde Begrüßung

Zuvor hatte er in der ihm eigenen humorvollen Begrüßung des Publikums den Bürgermeister aus der Nachbargemeinde, Jens Korn aus Wallenfels, besonders willkommen geheißen, "weil er freiwillig zu uns kommt". Die augenzwinkernde Begrüßung galt ebenso Gastgeber Norbert Gräbner und dem neuen Landrat Klaus Löffler, die "beide mal wieder gemeinsam auf der Bühne stehen können". Und augenscheinlich bereitete es auch dem Landrat ein Vergnügen, der die Werkbühne als Teil der Kultur des Landkreises Kronach bezeichnete.

Seit Leistner Theater spielt, hat er ein Faible für Jubiläen - egal, ob früher bei den Faust-Festspielen in Kronach, bei den Ludwigsstädter Shakespeare-Festspielen oder diesmal bei "Charlys Tante". Das Stück von Brandon Thomas könnte sein 125. Jubiläum feiern, bekannt ist es aber durch die Filmadaptionen der frühen Bundesrepublik mit Heinz Rühmann und Peter Alexander.

Wer sich daran erinnert, der war besonders auf den Nachfolger von Charlys Transvestitentante gespannt. Von den Plakaten grinst Uwe Vogel schon seit einem halben Jahr - und jetzt hat er mit seinem umwerfend "weiblichen" Charme auch das hiesige Publikum bezirzt.


Eine Art Blaupause

Dabei diente die Geschichte um Jungs, die anno dazumal eine Anstandsdame benötigten, um ihre Angebeteten zu sehen, Leistner für seine Bearbeitung des Stücks mehr als eine Art Blaupause. "Ich habe ja Spaß am Textbearbeiten", bekennt er sich schuldig. Und hat deshalb das Stück in die Jetztzeit verlegt.

Aus den Jungs hat er zwei Studentinnen gemacht, Jackie und Charly, die ihre Angebeteten zum Date treffen wollen, um ihnen einen Heiratsantrag zu machen. Die Jungs, Enrico "Ernie" (Hanno Ludwig) und Rodrigo "Rod" (Jürgen Malcher) sollen mit ihrem Vater Don Lisandro (Daniel Leistner) zurück nach Mexico, um schwerreiche Damen aus spanisch-mexikanischem Blutadel zu ehelichen.

Doch da sei die Liebe vor. Kurzerhand engagieren Jackie (Julia Knauer) und Charly (Katharina Schwabe) ihren Kumpel Lord Bebberly (Uwe Vogel), einen Langzeit-Studenten im 20. Semester, der die reiche brasilianische Tante spielen soll, um die Jungs von ihrem ehrpusseligen Vater, einem mexikanischen Granden, wegzulocken.
Julia Knauer und Katharina Schwabe agieren mit Smartphone und Augenaufschlag ganz im Stil moderner junger Mädchen, die vor allem ihre Väter um den Verstand bringen können. Stellvertretend für die Väter dieser Welt darf das Rainer Gräbner als Jackies Vater durchexerzieren. Ein Falkland-Veteran - eigentlich die genialste Idee an der Bearbeitung - der im Gespräch mit Tochter vor allem um eins ringt: um Worte. Hanno Ludwig und Jürgen Malcher treten als mustergültige, von Machoallüren freie potenzielle Schwiegersöhne auf, die einfach Wachs in den Händen ihrer Mädels sind.


Dame ohne Starallüren

Leistners Don Lisandro agiert als Musterbeispiel einer Slapstickfigur und Uwe Vogel treibt als falsche Tante Lucia das Groteske der Boulevardkomödie auf den Höhepunkt.

Schließlich taucht auch noch die echte schwerreiche Tante auf: Oda Gräbner spielt eine elegant-souveräne und umwerfende Dame ohne Starallüren, die in ihrem Schlepptau noch eine zweite Nichte mitbringt (Theresa Treusch in ihrer ersten Sprechrolle als seriöses Pendant zu den etwas zickigen Jackie und Charly).

Und während man den Don als Witzfigur in Erinnerung behält, bewegt sich Lucia in der Tradition der starken Frauen, wie sie Autoren gerne auf den Theaterbühnen agieren lassen. Bei aller Lust am Spiel, die man bei den alten und jungen Hasen der Werkbühne erleben kann: die durchaus banalen Sorgen der ein wenig zickigen Studentinnen machen erst dann so richtig Spaß, wenn die falsche - und vielmehr noch die richtige Tante Lucia - für Atmosphäre sorgen. Zu den Höhepunkten gehört auch die Musik, die Leistner ausgegraben hat.
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