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Diskussion II

Nationalpark Frankenwald: Interessensvertreter äußern ihre Bedenken

Auf Einladung von Jürgen Baumgärtner kamen bereits am Freitag Vertreter von vier Interessensgruppen nach Neukenroth. Am Montag ging es weiter.
Wie geht es mit dem Vorschlag zum Nationalpark Frankenwald weiter? Die Diskussion ging nun in die zweite Runde. Foto: Ronald Heck
 
von VERONIKA SCHADECK MARCO MEIßNER LISA KIESLINGER
Am Montag ging es weiter mit dem Dialogprozess, zu dem MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) Vertreter von verschiedenen Interessensgruppen eingeladen hatte. Bereits am Freitag nahm dieser Teil des Dialogprozesses seinen Auftakt im Hotel Rebhan's in Neukenroth.

Den Anfang machte der Geschäftsführer des Wasserzweckverbandes Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO), Markus Rauh, und der Vorsitzende, Heinz Köhler. Dieser meinte nach dem Gespräch mit Baumgärtner: "Ich würde mir mehr Zeit für die Dialogphase wünschen." Für ihn und auch für Markus Rauh steht fest, dass die Qualität des Wassers an der Ködeltalsperre bei einem möglichen Nationalpark nicht leiden darf. Wie Heinz Köhler betonte, stehe er derzeit einem möglichen Nationalpark eher skeptisch gegenüber. Er verweist auf ein Gutachten von einer Trinkwassertalsperre in der Nähe des Bayerischen Waldes. Hier hätte sich eine minimale Belastung bei den Nitratwerten ergeben. Auch die Borkenkäfer-Problematik sprach er an. Köhler könne erst eine Entscheidung treffen, wenn das geklärt sei.

Rauh sieht aber auch einen positiven Aspekt in Sachen Nationalpark: Eine intakte Natur könnte dann im Umfeld der Ködeltalsperre angedockt werden. Es müsste gelingen, Natur und Wasser zusammenzuführen.
Der Vizepräsident des Bezirksfischereiverbandes Oberfranken, Reinhard Krug, und der Präsident, Friedrich Schmauser, waren positiv beeindruckt vom Gespräch. Wie Schmauser erklärte, habe er die zehn betroffenen Mitgliedsvereine angeschrieben. Diese befürchten unter anderem, dass bestimmte Gewässer von der Fischerei ausgeschlossen, Erlaubnisscheine für Angeln reduziert und die Fischereirechte eingeschränkt werden könnten. Schmauser selbst sieht aber auch Chancen: Beispielsweise könnten das Angeln in ein touristisches Gesamtkonzept eingebunden werden.


Eine Chance für den Radsport

"Ich will auf jeden Fall die Konzeptphase", so Michael Lehnhardt, der Organisator des Frankenwald-Radmarathons. Diese sei wichtig, denn "ich kann kein Angebot ablehnen, das ich nicht kenne." Er sprach davon, dass derzeit beim Radspitz in Marktrodach eine Mountainbike-Strecke neu gebaut wird - in Eigenregie des TV Unterrodach. Zudem gebe es Überlegungen, auch zwischen Haig und Förtschendorf eine Moutainbike-Strecke zu etablieren. Bei Letztgenannter befinde man sich am Anfang der Planungsphase. Lehnhardt sieht in einem möglichen Nationalpark eine große Chance, den Radsport im Frankenwald verstärkt zu etablieren und dafür auch Fördermittel zu bekommen.

Die Staatsforsten banden sich laut Baumgärtner sehr konstruktiv in den Reigen der Gespräche ein. "Es ist wichtig, dass ihre Expertise mit eingebracht wird", versicherte der Abgeordnete den beiden Forstamtsleitern Peter Hagemann und Fritz Maier. Baumgärtner meinte, sie hätten ihm mit auf den Weg gegeben, dass sich der Frankenwald als "Waldgebiet des Jahres" bereits ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet habe. Davon ausgehend, so Maier, müsse man die Region weiterentwickeln. Von einer "Modellregion" war die Rede. "Wir haben von Alternativen gesprochen", erklärte Hagemann, dass in diesem Entwicklungsprozess ein Nationalpark aus ihrer Sicht nicht die beste Lösung wäre. Es gehe um Möglichkeiten, welche die Stärken der Region und die Vernetzung zwischen allen Beteiligten stärker aufgreifen könnten.


Die Fichte kann nicht wegdiskutiert werden

Genau hier sehen die beiden Forstamtsleiter den Haken am Nationalpark. Nach den geltenden Regeln und Vorgaben wäre er ihrer Ansicht nach im Frankenwald nicht zu verwirklichen. Auch nicht als so genannter Entwicklungsnationalpark, der über Jahrzehnte umgebaut werden könnte. "Wir können die Fichte auch über Generationen nicht wegdiskutieren", meinte Hagemann. Ihre Zahl müsse beherrschbar bleiben - das erfordere das fortwährende Eingreifen des Menschen.

Einig zeigten sich die Forstamtsleiter mit Baumgärtner, dass grundsätzlich eine Fortentwicklung des Frankenwaldes kommen muss. "Da gehen wir in die selbe Richtung", so Hagemann. Im weiteren Dialog wollen die beiden den Beteiligten Fakten liefern, sich allerdings nicht in die Entscheidung über eine Konzeptphase einmischen. Hagemann stellte allerdings von seiner rein persönlichen Warte aus fest: "Unter den jetzt herrschenden Rahmenbedingungen ist der Eintritt in eine Konzeptphase in Richtung Nationalpark unsinnig."


Der Natur etwas zurück geben

Nach dem Gespräch mit BN-Kreisvorsitzender Elisabeth Hoffmann scherzte der Abgeordnete schon über seine schwarz-grüne Koalition. "Wir glauben beide, dass wir der Natur wieder etwas zurückgeben müssen", erklärte er. Und seine Idee sei ein Projekt des Naturschutzes, nicht der Regionalförderung. "Auf alle Fälle soll ein dritter Nationalpark für Bayern kommen", sagte Hoffmann. Allerdings räumte sie ein, dass der Frankenwald dafür nicht die beste Option ist. Alte Laub- oder Auwälder hätten auf Grund ihrer Seltenheit einen höheren Stellenwert.

"Ich glaube, der Frankenwald könnte es werden, wenn man über Generationen daran arbeitet", erklärte Baumgärtner dazu, ob das heimische Waldgebiet wirklich geeignet ist. Und man sei sich einig darin, dass der Frankenwald nicht so bleiben könne, wie er ist. Der "Brotbaum der Holzindustrie" (Hoffmann), also die Fichte, welche die heimischen Baumarten verdrängt habe, habe hier auf lange Sicht keine Zukunft. Hoffmann meinte, dass die Konzeptphase eingeläutet werden könne, da sie ja nicht bindend sei. Und sie war der Ansicht, dass der ganze Dialog die Diskussion um den Naturschutz im Frankenwald angekurbelt habe. Sie selbst würde jedoch beispielsweise ein Biosphärenreservat als geeigneter für den Frankenwald einstufen, als einen Nationalpark.


Lindig ist gegen eine Konzeptphase

Vorsitzender Hans-Georg Lindig von der WBV Rennsteig, einer der ersten Kritiker eines möglichen Nationalparks Frankenwald, räumte nach der Besprechung mit Baumgärtner zumindest ein, dass ein solches Vorhaben Chancen beinhalten könnte. Wegen dieser denkbaren Möglichkeiten wolle er sich aber nicht in die Enge treiben lassen. Er bleibe ein Gegner eines Nationalparks, weil er generell gegen die Stilllegung von Flächen sei. "Wir produzieren Holz effektiver als irgendwo anders", betonte er. Und dabei werde der Wald durch die Einzelbaumentnahme nachhaltig bewirtschaftet und nicht wie in anderen Ländern kahl geschlagen. Baumgärtner freute sich, dass Lindig zugestand, dass ein Nationalpark mit einem Imagegewinn der Region verknüpft sein würde, den Tourismus - in welchem Umfang auch immer - stärken dürfte und auf Grund des notwendigen Waldumbaus auch keine Einschnitte bei den Walddienstleistern nach sich ziehen sollte.

Das Borkenkäfer-Problem, auch da waren sich beide einig, müsse mit oder ohne Park angegangen werden. Der Abgeordnete gestand aber, dass es bei Befürwortern und Gegnern des Vorhabens am Ende des Tages auf die ideologische Frage hinauslaufen werde: Soll Fläche stillgelegt werden oder nicht?

Lindig sprach sich gegen eine Konzeptphase aus. Er sträubte sich gegen den Stempel des Nationalparks für eine Region, die dafür die falsche sei. Für weitere Gespräche zeigte er sich dennoch offen, "wenn man mit anderen Möglichkeiten als einem Nationalpark zu gleichen Ergebnissen kommt".


WBV Kronach-Rothenkirchen will Konzeptphase begleiten

Eine ganze Reihe von Forderungen tischte die WBV Kronach-Rothenkirchen dem Abgeordneten für den weiteren Prozess auf. Vorsitzender Georg Konrad unterstrich, dass "wir nicht begeistert vom Nationalpark sind, aber die Konzeptphase begleiten wollen", um so die Interessen der Mitglieder einzubringen - egal wie die Sache auch ausgehe. Erst wenn die Fakten auf dem Tisch lägen, könne konkret über die Folgen des Vorhabens gesprochen werden. Für ein Anliegen seiner WBV sieht Konrad allerdings schlechte Chancen: Er hätte im Falle eines Bürgerentscheids gerne eine höhere Gewichtung der Stimmen aus unmittelbar betroffenen Gemeinden oder Bevölkerungsgruppen.

Dieter Frank, Hauptvorsitzender des Frankenwaldvereins, wollte das Gespräch mit Jürgen Baumgärtner nutzen, um sich über den möglichen Nationalpark genauer zu informieren. Dies will er dann in der heutigen Vorstandssitzung weitergeben und auch in der Mitgliedszeitschrift veröffentlichen. Mit Hilfe einer Umfrage will er dann die Meinung der Mitglieder herausfinden. "Ich würde mir wünschen, dass wir den Naturpark, den wir schon haben, in Sachen Infrastruktur weiter ausbauen", erklärt Frank. Zudem befürchte er, dass es mit einem Nationalpark am Ende Verlierer geben wird. "Und das wäre nicht gut für unsere Region", so Frank.

Erwin Schwarz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, ging mit einem Fragenkatalog in das Gespräch mit Jürgen Baumgärtner - Fragen, die bei den Landwirten und Waldbesitzern in Sachen Nationalpark aufgetaucht sind. "Die Probleme, die da sind, können wir vorher nicht erörtern, da wir einfach nicht wissen, was auf uns zukommt", erklärt Schwarz. Wenn jemand für einen Nationalpark Frankenwald ist, würde Schwarz dessen Meinung akzeptieren. "Doch solange ich für die Landwirte und Waldbesitzer keine Vorteile sehe, kann ich einem Nationalpark Frankenwald nicht zustimmen", erklärt Schwarz. Und daran ändere auch das Gespräch nichts.


Noch vieles ungeklärt

"Wir haben einstimmig gegen einen Nationalpark Frankenwald gestimmt", erzählt Bernhard Schmitt, Kreisvorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverbands Kronach. Er versteht, dass manche den Frankenwald nach vorne bringen wollen, doch ein Nationalpark sei dafür nicht das geeignete Mittel.

Im Gespräch mit Jürgen Baumgärtner erklärte er die befürchteten Probleme. "Viele Jäger werden mit einem Nationalpark ihre Jagdmöglichkeiten verlieren. Wo sollen sie dann hin?", fragt Schmitt. Schließlich sei die Fläche im Landkreis begrenzt. Noch dazu komme die Sorge, dass die Schwarzwild-Population durch einen Nationalpark enorm ansteigt, da dort laut Schmitt nur wenig gejagt werden darf: "Und wer kommt dann für die Schäden des Schwarzwilds auf, die sie außerhalb vom Nationalpark anrichten?" Momentan gebe es dafür noch keine Regelungen. "Es kann nicht sein, dass die Jäger aus unserer Heimat bei einem Nationalpark die Leidtragenden wären", meint der Kreisvorsitzende. Deswegen war es ihm wichtig, beim Gespräch alle Befürchtungen auf den Tisch zu legen. "Aber es bleibt dabei: Wir sind gegen den Nationalpark und gegen eine Konzeptphase."


Wie geht es jetzt weiter?

Jürgen Baumgärtner betonte, dass er die berechtigten Anliegen der Interessensgruppen ernst nehme. Er sprach von einer angenehmen Atmosphäre, in denen die Gespräche stattgefunden haben. Einige Gespräche brachten für Baumgärtner neue Perspektiven. Er freue sich über Anregungen, die bisher im Rahmen der Dialogphase aufgetaucht sind. "Da öffnen sich Potenziale, an denen vorher niemand gedacht hat."

Doch wie geht es nun weiter? Laut Baumgärtner wird der Kreistag Mitte Juli gefordert sein, eine Entscheidung über den Eintritt in eine Konzeptphase zu treffen. Der Landrat sei aufgefordert, zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden zu eruieren, wie für den Frankenwald eine maßgeschneiderte Konzeptphase gestaltet werden könnte.
Es mache keinen Sinn, dass München die Inhalte für diese Konzeptphase vorgibt. Jürgen Baumgärtner betonte aber auch, dass eine Konzeptphase nicht mit einer endgültigen Festlegung pro Nationalpark in Zusammenhang gebracht werden dürfe. "Man kann jederzeit noch aussteigen!" "Wir haben einstimmig gegen einen Nationalpark Frankenwald gestimmt", erzählt Bernhard Schmitt, Kreisvorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverbands Kronach. Er versteht, dass manche den Frankenwald nach vorne bringen wollen, doch ein Nationalpark sei dafür nicht das geeignete Mittel.
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