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Baumgärtner erklärt seine Pläne zum Nationalpark Frankenwald

Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner erklärt seine Pläne zum Nationalpark Frankenwald noch einmal genauer. Das steckt dahinter
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Wird der Frankenwald der dritte Nationalpark in Bayern? Foto: Fotolia
Wird der Frankenwald der dritte Nationalpark in Bayern? Foto: Fotolia
Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte? Drei Bewerber gibt es in Bayern, die den dritten Nationalpark des Freistaats bekommen möchten. Ein vierter Kandidat hat sich am Donnerstag zu Wort gemeldet: der Frankenwald. Initiator dieses Vorstoßes ist der Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU).

"Es ist nicht meine Aufgabe, zu entscheiden, was gut für eine Region ist, aber ein Abgeordneter muss Chancen erkennen", stellt Baumgärtner im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Und im Bestreben der Regierung, einen weiteren Nationalpark in Bayern zu installieren, sieht er eine sehr große Chance für die Region.


Ziele für Nationalparks

"Nationalparks sind großflächige Naturräume, in denen sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln kann", heißt es aus dem Umweltministerium. "Sie sind aber auch Regionen für die Menschen. So sind sie Heimat, Lebens- und Wirtschaftsraum sowie Lehr- und Lernorte. Nationalparks haben große Bedeutung für den sanften Tourismus." Allein die beiden bestehenden Nationalparks Bayerns im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden zählen demnach im Jahr zusammen knapp drei Millionen Besucher. Das bringt den beiden Regionen eine Netto-Wertschöpfung von über 68 Millionen Euro. Darüber hinaus fließen laut dem Abgeordneten auch Millionensummen direkt an die Nationalparks.
Die beiden vom Ministerium genannten Aspekte will Baumgärtner im Frankenwald eng verbinden. Auf der einen Seite verfüge die Region über eine wunderschöne Natur. Dieses Naturerbe, ein Stück der Identität der Region, müsse zu einem gewissen Teil auch unberührt an die nächste Generation weitergegeben werden. Auf der anderen Seite stehe natürlich auch ein wirtschaftlicher Aspekt. Und das Band zwischen Natur, innovativer Industrie, starken mittelständischen Unternehmen und engagierten Arbeitnehmern will er mit dem auf 30 Jahre angelegten, Generationen übergreifenden Projekt "Nationalpark" weiter stärken.


Hauptsächlich Staatswald

Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, plant Baumgärtner die Stilllegung von 10 000 Hektar Wald. "Staatswald", wie er betont. Diese Fläche soll sich auf Gebiete in den Bereichen Wallenfels, Steinwiesen, Nordhalben, Tschirn und Tettau ausdehnen. Der Brückenschlag nach Tettau soll dabei über Thüringer Gebiet erfolgen.

Um das Projekt zu einem Erfolg zu führen, ist Baumgärtner aber eines klar: Er ist vor allem in der Rolle des Mittelsmannes gefordert. Wo es bei den Mitbewerbern mitunter knirscht, ist nämlich die breite Unterstützung aus der Bevölkerung. "Ich bin überzeugt, dass es gelingen wird, alle an Bord zu bekommen", betont der Abgeordnete. Da der Staatswald im Mittelpunkt des Projekts steht, drohen seiner Aussage nach beispielsweise Bauern, Industrie und Waldbauern keine Schwierigkeiten.


Chancen für den Tourismus

Viele Menschen könnten hingegen von einem Nationalpark mit eigenem Label profitieren - unter anderem im Tourismus. Im engen Miteinander mit allen Seiten will der Abgeordnete daher den Dreiklang aus Information, Abwägung und Entscheidung absolvieren.

Bei seinen Überlegungen hat er aber nicht nur den Wald im Blick. "In den Gemeinden könnten Highlights kreiert werden", spielt er auf flankierende Anziehungspunkte an, wie sie in den bestehenden Nationalparks existieren. Die Bandbreite reicht dort vom Baumwipfelpfad bis zum Gnadenhof. "Was gemacht würde, das müssten die Gemeinden selbst entscheiden."

Zeitlicher Druck für die nächsten Schritte bestehe nicht, räumt der Abgeordnete ein. Zwar war seitens der Regierung noch im April von einer Entscheidungsfindung bis Ende Juli die Rede, doch Baumgärtner meint, dass durchaus bis Ende des Jahres Spielraum bestehe, ehe ein Kandidat ausgewählt wird.


Meinung von Marco Meißner

Nicht aus dem Bauch heraus entscheiden
Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Und wie ist es mit München? Wenn der Frankenwald zum Nationalpark werden soll, dann müssen sich die Befürworter für den einen richtigen Weg zur Regierung entscheiden - und der erfordert Geschlossenheit. Nur wenn alle Beteiligten Seite an Seite gehen, hat der Spätzünder Frankenwald eine Chance. Und in einem solchen Projekt steckt zweifelsohne ein gewaltiges Potenzial.

Entscheiden sollten am Ende aber die Menschen, ob sie es wollen. Deshalb sollten die Bürger gut zuhören, wenn in den kommenden Wochen Pro und Kontra auf den Tisch kommen. Vor allem sollten alle Beteiligten jedoch sachlich und nüchtern abwägen und dann für sich entscheiden, ob sie hinter diesem Vorhaben stehen. Denn Bauchentscheidungen haben andernorts eine ernsthafte Diskussion darüber schon im Keim erstickt.


Drei Bewerber sind im Gespräch, ein vierter ist noch am Grübeln

Der Bayerische Ministerrat hat bei seiner Klausurtagung im Juli 2016 in St. Quirin beschlossen, dass ein dritter Nationalpark in Bayern neben den beiden im Bayerischen Wald und im Berchtesgadener Land angestrebt wird. Die Gründung des ersten bayerischen Nationalparks im Bayerischen Wald liegt mittlerweile 47 Jahre zurück. Der zweite Nationalpark in Berchtesgaden wurde 1978 gegründet. Staatsministerin Ulrike Scharf wurde beauftragt, die Möglichkeiten für einen dritten Nationalpark umfassend zu prüfen. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geht auf seiner Homepage auf die Suche nach einem dritten bayerischen Nationalpark ein. Der Frankenwald wird noch nicht genannt. Diese Kandidaten stehen noch im Raum:

Spessart: Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharfweilte am 8. März zu einem Verbandsgespräch im Spessart. "Der Spessart hat etwas Magisches. Der freie Zugang zum Wald ist den Menschen in der Region sehr wichtig. Ich habe deshalb eine erste überschlägige Prüfung veranlasst", informierte Scharf über den Stand der Dinge. Bei dem Gespräch ging es um Chancen für die Region sowie Auswirkungen eines möglichen Nationalparks. Im Mittelpunkt standen insbesondere die für die Verbandsvertreter wichtigen Themen Forstrechte, Holzversorgung, Schwarzwild und Fortbestand der Eiche.

Rhön: Ulrike Scharf berichtete am 16. März auf einer Informationsveranstaltung: "Die Rhön ist ein vorbildlicher Raum für ein nachhaltiges Wirtschaften und eine der naturschutzfachlich wertvollsten Landschaften in Bayern. Der Nationalpark kann eine sinnvolle Ergänzung zum Biosphärenreservat sein. Die Rhön bleibt das Land der offenen Fernen." Landrat Thomas Habermann erklärte: "Es gibt viele Gründe, die gegen, und viele Gründe, die für einen Nationalpark sprechen. Über diese Gründe müssen wir mit allen Beteiligten sprechen, um am Ende eine nachvollziehbare Entscheidung zu erhalten."

Donauauen: Im April besichtigte Scharf mögliche Flächen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und bei Ingolstadt. "Die Region verfügt über eines der herausragendsten Auwald-Gebiete Europas. Diese grüne Lunge vor den Toren Ingolstadts und Neuburgs könnte einen wichtigen Flächenanteil für einen Nationalpark in der Donau-Region liefern", sagte sie. Auch der Landrat des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen, Roland Weigert, steht den Plänen aufgeschlossen gegenüber: "Wir begrüßen das Angebot unserer Umweltministerin ausdrücklich und freuen uns auf einen ergebnisoffenen Dialog."

Steigerwald: Der Steigerwald war auch heißer Anwärter auf einen Nationalpark, doch kam der Prozess dort ins Stocken. Der Freundeskreis Nationalpark Steigerwald sieht aber noch Chancen. Auf seiner Homepage ruft er zu Unterschriften für eine entsprechende Petition auf. Die Begründung: "Aus naturschutzfachlicher Sicht stellt der Steigerwald das wertvollste großflächige Buchenwaldgebiet in ganz Bayern dar und bedarf deshalb eines besonderen Schutzes. Ein Nationalpark, der den Naturpark ergänzt, bietet hierfür beste Möglichkeiten und fördert gleichzeitig die infrastrukturelle Gesamtentwicklung."
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