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Mr. Parkinson lässt sich nicht unterkriegen

Josef Bayer aus Grössau (Kreis Kronach) leidet an Parkinson. Er muss am Tag 30 Tabletten nehmen. Den Lebensmut hat er trotzdem nicht verloren - im Gegenteil: Er nennt sich selbst "Mr. Parkinson" und arbeitet, arbeitet, arbeitet.
Josef Bayer kann und will auch mit Parkinson die Hände nicht in den Schoß legen: Für seine Jagdkollegen bindet er Saubärte aus selbst erlegten Wildschweinen.
 

Parkinson ist eine Krankheit, die nie aufhört - sondern immer weiter fortschreitet und den Betroffenen immer größere Probleme bereitet. Es gibt Bewegungsausfälle, Lähmungen, motorische Störungen und Sprachstörungen. "Als ich die Diagnose bekommen habe, habe ich schon meinen Selbstmord geplant", spricht Josef Bayer aus Grössau ganz offen über seine Erkrankung.

Doch inzwischen lebt er seit 14 Jahren mit Parkinson - nennt sich selbst "Mr. Parkinson". Im Dorf wird er manchmal "Zitterer" gerufen - "Aber das ist nicht böse gemeint", geht Josef Bayer offensiv mit seiner Krankheit um. Und Josef Bayer hat wieder Lebensmut. "Ich kämpfe immer", sagt Bayer. Dabei hilft ihm seine "private Arbeit" zu Hause bei sich, in seiner Freiluftwerkstatt gleich nebenan - direkt neben dem Feuerwehrhaus - oder bei seinem Nachbarn "Lola" in der Werkstatt.

Denn einfach nur die Hände in den Schoß legen, kann Josef Bayer nicht - auch wenn er seinen Beruf als technischer Angestellter inzwischen aufgeben musste. "Es ging aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht mehr", sagt er und bedauert es.

Josef Bayer hat anfangs versucht, mit Igelbällen den Tremor in Griff zu halten und seine Motorik zu schulen. "Aber das war irgendwie nicht meine Sache, ich wollte etwas Richtiges machen", erzählt Bayer. Und dann erinnerte er sich an einen Holzschnitzer, den er viele Jahre zuvor in den Bergen beobachtet hatte. Der schnitzte aus Holzstecken Edelweiß. "Der hat immer fünf Blütenblätter hingekriegt. Langsam habe ich versucht, die Blumen nach zu machen", erklärt Bayer. Und inzwischen hat er eine Technik entwickelt, wie er filigrane Blüten innerhalb weniger Minuten schnitzen kann. Blüten mit vielen Blütenblättern. Manchmal, an guten Tagen, führt er seine Kunst auf Märkten oder Gartenmessen vor.

"Aber der Hauptantrieb ist eigentlich die Jagd. Ich gehe immer noch und habe soeben meine 92. Sau geschossen", berichtet Bayer und lacht dabei. Außerdem war er gerade beim Tontaubenschießen: Von 139 Startern ist Josef Bayer auf Platz 94 gekommen. "Das war für mich schon eine Spitzenleistung", ist Bayer stolz. Die Jagd war schon immer seine Passion.

"Ich kann alles, was andere auch können", macht er sich selbst Mut. "Natürlich bin ich schon manches Mal auf dem Hochsitz gesessen und die Sau oder das Rehwild stand vor mir, aber ich konnte nicht schießen, weil ich mich nicht bewegen konnte", sagt Bayer. Der Parkinson-Patient hat allerdings schon lange aufgehört, sich über solche Momente zu ärgern. Er versucht, das Beste daraus zu machen und wenigstens den Naturgenuss mit nach Hause zu nehmen.

Und die Jagd beschert Josef Bayer auch zu Hause jede Menge Beschäftigung: Denn er bindet für seine Kollegen und Freunde Saubärte. Er reinigt die Borsten, bindet sie mit Draht zusammen, verleimt sie in Hirschhorn und verziert dann die Saubärte, die ein bisschen an Gamsbärte erinnern, mit Fuchszähnen, Grandeln oder Silberbeschlägen. "Jeder, der hier eine Sau schießt, trägt auch einen Saubart am Hut", freut sich Bayer über seine Fingerfertigkeit.

Außerdem hat Bayer - seitdem er erkrankt ist - ein neues Betätigungsfeld gefunden: Holz. "Das Holz bekomme ich immer vom Daniel Gerstner", erzählt Bayer und ist froh über den Lieferanten. Mit der Kettensäge fertigt er Stühle und Dekoobjekte. Sein neuestes Projekt ist ein gigantischer Schaukelstuhl. Josef Bayer sägt kleine Herz-Kettenanhänger aus und schleift sie zu Kunstwerken. Auch aus Hirschhorn feilt er Kettenanhänger, verziert sie teils mit Swarowskisteinen - so entstehen bildschöne Unikate.

Und zwischendurch brennt er in winzig kleine Stammteile mit dem Lötkolben filigrane Bildchen von Bäumen, Blumen - einfach als hübsche Tischdeko. "Die kleinen Sachen sind gut, um die Motorik zu schulen und um ruhig zu bleiben", erklärt Bayer seine ganz persönliche Therapiemethode.

Die groben Arbeiten mit der Motorsäge kann er natürlich nur in guten Momenten fertigen. "Ich merke, wenn ich Ausfälle bekomme - dann lege ich die Säge sofort weg. Ich passe schon auf", sagt Bayer und ist froh, dass er noch so viel tun kann. Denn die Arbeit vermittelt ihm Lebensfreude. "Ich gehe auch immer joggen und mache regelmäßig meine Liegestützen", erzählt der Parkinson-Patient.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen Josef Bayer fast bewegungsunfähig ist: Morgens zum Beispiel. "Ich wache um 4 Uhr morgens auf und kann mich fast nicht bewegen - so bis um 6 Uhr bin ich dann bewegungsfähig", erklärt er die Wirkung der Tabletten und nennt sie "seine Startpiloten".

Josef Bayer ist auch in Sachen Ernährung sehr diszipliniert: So weiß er, dass tierisches Eiweiß nicht optimal für ihn ist. Und auch das Jagd-Schnäpschen verkneift er sich fast immer. Nur auf eines kann und will der Parkinsonpatient nicht verzichten: auf seine Leibspeise Eis - aber die ist auch harmlos. "Ich kann als Mittagessen eine 1000 ml-Packung Eis einfach so weglöffeln, das war schon immer so und das ist auch heute noch so. Das ist für mich besser als Fleisch und Klöße", schwärmt Josef Bayer und schwört vor allem auf Vanilleeis.

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