Besuch

"Haben Sie denn Patente?"

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner machte einen Abstecher zu World of medicine in Ludwigsstadt.
Ein Blick in die Ludwigsstadter WOM-Produktion  Foto: Archiv/WOM
 
von VERONIKA SCHADECK
Die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie und stellvertretende Ministerpräsidentin, Ilse Aigner (CSU), besuchte am Donnerstag World of medicine (WOM) in Ludwigsstadt.


Becker: TTIP hätte Vorteile

Dabei ging es im die Sicherung von Fachkräften, um Infrastrukturen und um das Freihandelsabkommen TTIP. Dabei kam anhand der Ausführungen des Vizepräsidenten der Firma, Stefan Becker, zum Ausdruck, dass TTIP für WOM mit Vorteilen verbunden wäre.
Stefan Becker erklärte der Wirtschaftsministerin, dass in Ludwigsstadt medizinische Geräte für die minimal-invasive Chirurgie produziert werden. Erst vor zwei Jahren wurde ein neues Produktionsgebäude eingeweiht, in dem aufgrund der hohen hygienischen Anforderungen in sogenannten Reinräumen Schlauchsets und Zubehörteile für die minimal-invasive Chirurgie produziert werden.
Mittlerweile reichen die Kapazitäten nicht mehr aus und WOM plant erneute Investitionen in Ludwigsstadt.
"Haben Sie denn Patente?" fragte Aigner. "Ganz viele, unser Unternehmen hat eine konstante Forschungs- und Entwicklungsquote von rund 15 Prozent." Diese Quote sei wichtig, so Becker, um auf dem internationalen Markt mithalten zu können. Angesiedelt ist die Entwicklungsabteilung am Standort in Berlin - ebenso wie die Forschung.
Über 50 Prozent der medizinischen Geräte, so erklärte Stefan Becker, werden in die USA exportiert. Rund sechs Monate müsse das Unternehmen warten, bis es eine Zulassung für die Produkte nach den Richtlinien der Food and Drug Administration (FDA) bekomme. Hinzu kommt die zollrechtliche Abwicklung, die mit einer enormer Papierflut, viel Zeitaufwand und vielen Kosten verbunden sei. Durch ein Freihandelsabkommen mit den USA könnte WOM aktiver werden, glaubt er.
Die Personalleiterin, Barbara Schöffel, ging auf die Entwicklung von WOM in Ludwigsstadt ein. Demnach wurde diese vor über 20 Jahren durch Peter P. Wiest gegründet. Rund fünf Millionen D-Mark investierte er in die ehemalige Schiefertafelfabrik. Wiest habe schnell erkannt, dass hier in Ludwigsstadt die Arbeitskräfte sehr motiviert seien und sich mit dem Unternehmen identifizierten. "Herr Wiest hatte unheimliches Zutrauen zu den Menschen", so Schöffel. Und weiter: "Unsere Aufgabe ist es, dass es so bleibt."


"Riesiges Bekenntnis zur Region"

Der CSU-Landratskandidat Klaus Löffler bezeichnete die jüngsten Investitionen als ein "riesiges Bekenntnis zur Region". Was die CSU anbieten könne, seien die Netzwerke und Gespräche. "Wir wollen herausfinden, wo die Politik auf kommunaler und Landesebene Unterstützungen anbieten könnte."
Barbara Schöffel sprach davon, dass die räumlichen Ressourcen von WOM in Ludwigsstadt begrenzt und die Parkplatzsituation problematisch sei.
Bedauern äußerte sie über den Wegfall der IC-Anbindung Saalfeld. Gerade für die Mitarbeiter und Führungskräfte von WOM habe diese Haltestelle in Saalfeld eine große Bedeutung, da diese oftmals zwischen Ludwigsstadt und Berlin hin- und herpendelten.
In diesem Zusammenhang betonte der Vizepräsident der IHK, Hans Rebhan, dass die IC-Halte Lichtenfels - Kronach - Ludwigsstadt - Jena bereits ab 2018, und nicht wie vorgesehen erst ab 2023 realisiert werden müssten. Letztendlich ergab sich bei dem Gespräch, dass noch viele Wünsche bezüglich Wirtschaftsfreundlichkeit offen sind. Es wurde aber auch deutlich, dass vieles in den letzten Jahren erreicht wurde, beispielsweise wie jetzt der Breitbandausbau. Stefan Becker ließ keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines schnellen Internets, denn nur so könnten Home-Office-Plätze effizient geschaffen werden.
"Eine große Herausforderung", so sagte Schöffel noch abschließend zur Ministerin, sei die Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden, vor allem im technischen Bereich. Schöffel sprach von 30 Bewerbungen für das Jahr 2017, davon seien 25 im kaufmännischen Bereich. Hier kam man überein, dass vor allem im technischen Bereich Imagekampagnen gestartet werden müssen. Begrüßt wurde von den Führungskräften von WOM die Entscheidung des bayerischen Kultusministeriums, auf "halbem Wege nur eine Realschule zu etablieren" (damit ist der Realschulstandort Pressig gemeint).
Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.