Politik

Glasindustrie kämpft um Zukunft

Für die Unternehmen Heinz, Gerresheimer und Wiegand sind die hohen Energiekosten im internationalen Wettbewerb eine Last.
Umweltministerin Ulrike Scharf ließ sich von Bernd Hörauf (rechts) und Carl-August Heinz (Zweiter von rechts) über die Sorgen und Nöte der Glasindustrie informieren. Mit im Bild CSU-Landratskandidat Klaus Löffler.
 
von VERONIKA SCHADECK
Die Glasindustrie am Rennsteig ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region. In den vergangenen zehn Jahren haben die Glashütten Gerresheimer Tettau, Heinz Glas und Wiegand-Glas über 300 Millionen Euro in die Standorte am Rennsteig investiert. Dennoch plagen den Verantwortlichen einige Sorgen. Nicht zuletzt deshalb war am Dienstagvormittag die Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Ulrike Scharf, bei Gerresheimer Tettau, um sich vor Ort ein Bild zu machen, um die Glasproduktion live erleben zu können und um mit den Vertretern der drei Glashütten ins Gespräch zu kommen.

"Ich bin beeindruckt: Ich habe so etwas noch nie gesehen", staunte die Ministerin nach einem Rundgang durch die Glasflakonproduktion. Abschließend lud sie die Verantwortlichen der Glasindustrie zu Gesprächen nach München ein.

Zuvor hob der Geschäftsführer von Gerresheimer Tettau, Bernd Hörauf, die Bedeutung der Glasindustrie für die Rennsteig-Region hervor. Die drei Glashütten bieten 2500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Jeder fünfte Arbeitsplatz im Landkreis sei von der Glasindustrie abhängig. Pro Jahr, so erklärte Hörauf der Ministerin, investierten die drei Glashütten etwa 50 Millionen Euro in ihre Standorte in Tettau und Steinbach.

Der Präsident der Heinz-Holding, Carl-August Heinz, wies ergänzend auf das hohe Steueraufkommen und die Kaufkraft hin, die mit der Glasindustrie am Rennsteig verbunden sind. Es komme nicht von ungefähr, dass es im Landkreis mit Tettau und Steinbach nur zwei Gemeinden gebe, die keine Schlüsselzuweisungen bekommen.
Und in der Stimme von Bernd Hörauf schwang Stolz mit, als er sagte: "Die Glasindustrie ist das Herz der Region." Sowohl er als auch die Geschäftsführung von Wiegand-Glas und Heinz-Glas möchten, dass auch in 50 Jahren in der Region Glas produziert wird. Da müsse aber auch die Politik mitspielen, machte er deutlich. Hörauf sprach in diesem Zusammenhang von Herausforderungen, die die Unternehmen allein nicht stemmen können. Dabei sprach er vor allem die energieintensive Produktion der Glashütten an. In erster Linie geht es um wettbewerbsfähige Energiepreise und Versorgungssicherheit. Der Bau einer Glasschmelzwanne, die in der Regel eine Lebensdauer von zehn Jahren hat, sei beispielsweise mit Vorinvestitionen von zirka 20 Millionen Euro verbunden. Deshalb müssten gewisse Sicherheiten und Bedingungen vorhanden sein, um auch in Zukunft Glas produzieren zu können. "Es wäre deshalb schön, wenn wir mehr Mitstreiter hätten", sagte Hörauf in Richtung Ministerin.


Sichtbares Zeichen

Hörauf sprach auch davon, dass die Glasindustrie durchaus gewillt sei, ihren Beitrag zum Thema Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Entsprechend sei in neue Technologien investiert worden. Aber es könne nicht sein, dass nur Deutschland sich in diesen Bereichen engagiert. Ein sichtbares Zeichen für Umweltschutz sei das Tropenhaus "Klein Eden", in dem die Abwärme der Heinz-Glashütte für den Betrieb genutzt wird. Aber auch sonst unternähmen die Verantwortlichen viele Anstrengungen im Bereich Klimaschutz und Umwelt, die von außen nicht sichtbar sind.

Der Chef der Gerresheimer Tettau teilte der Ministerin mit, dass die deutsche Glasindustrie von der amerikanischen dominiert werde. Und er brachte unterm Strich zum Ausdruck, dass die Glasindustrie nicht gezwungen sei, in der Region ihr Glas zu produzieren. "Wir möchten dort sein, wo wir gewollt und nicht nur geduldet sind." Er appellierte an die Ministerin, dass bei den Verhandlungen in der Politik zum Thema Umwelt und Emission Leute mit eingebunden werden, die von der Praxis auch etwas verstehen. "In der Politik passiert manchmal so viel Mist, weil manche Leute nicht wissen, was man tut."

Ulrike Scharf nahm die Anregungen mit nach München. Sie sei begeistert von der Nachhaltigkeit, von der Art wie hier am Rennsteig Wirtschaftlichkeit und Ökologie miteinander verbunden sind. Und CSU-Landratskandidat Klaus Löffler sprach von einem klaren Bekenntnis der Glasindustrie zur Rennsteig-Region. Und deshalb, so ergänzte Hörauf, seien auch Netzwerke zwischen Politik und Wirtschaft wichtig, um gemeinsame Strukturen zum Erhalt von Arbeitsplätzen zu schaffen.
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