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Geschichte

Flößer im Frankenwald: Überlebenskampf im Eiswasser

Die Flößerei im Frankenwald war besonders im Winter bei Schnee und Eis ein gefährlicher und harter Job, bei dem "Weicheier" chancenlos waren.
Dieses aussagestarke Bild, etwa um 1920 am Doberbach unterhalb von Tschirn bei der beginnenden Schneeschmelze aufgenommen, dokumentiert eindrucksvoll die einst problematischen Fahrten der Floßknechte auf ihren Kuppeln. Bei diesen akrobatischen Einsätzen waren die Männer gnadenlos Kälte und Nässe ausgesetzt. Repro: Gerd Fleischmann
 
von GERD FLEISCHMANN
Zu allen Zeiten war das Flößen im Frankenwald ein Knochenjob, der von den Männern alles abverlangte. Diese Beschäftigung glich mehr oder weniger einem gnadenlosen Überlebenskampf. Schließlich war das Leben der Flößer alles andere als lustig, denn die Wirklichkeit bot wenig Spielraum für Romantik.

Ohne Rücksicht auf die Jahreszeiten verrichteten die Floßknechte - oft bei klirrender Kälte - ihre gefährliche Arbeit. Niemand fragte nach Eis und Schnee und "Weicheier" hatten da überhaupt keine Chance. Der Holztransport in den oberen Talgründen zu den Flößerdörfern musste vor allem bei ausreichendem Wasser der Frankenwaldbäche erfolgen. Dagegen durfte in den unteren Talgründen erst nach dem 1. März geflößt werden.

Der eigentliche Transport der Stämme aus den Wäldern heraus zu den Bächen konnte nur auf gefrorenem Boden - vor allem auf Schnee - erfolgen. Und das war für Mensch und Tier eine richtige Schinderei. Oft ging der Fußmarsch durch knietiefen Schnee und vier bis fünf Stunden brauchten die Männer, um an ihren eigentlichen Arbeitsplatz zu kommen.


Ein "Keiler" Brot in der Jacke

Ihre "Verpflegung" bestand aus einem "Keiler" Brot, den sie blank in der Joppentasche trugen. Es ging halt in alter Zeit bescheiden zu. Jeder war zufrieden, wenn er arbeiten konnte und durfte. Nur wer arbeitete, sicherte sich ein Existenzminium. Denn bei einem Unfall oder bei Krankheit gerieten die Floßknechte schnell in eine wirtschaftliche Isolierung beziehungsweise Schieflage.

Die Flößerunterstützungskasse in Neuses - ein soziales Dokument von enormer Bedeutung - spricht Bände, informiert über menschliche Katastrophen. Diese Zeiten, geprägt von sozialer Unsicherheit, kann sich heute bei der staatlichen Absicherung kaum jemand mehr vorstellen.
Am Lagerplatz in einer der oberen Talgründe wurden die Stämme zu Kuppeln zusammengefügt. In der Mitte lagen die längeren, fächerförmig nach außen die kürzeren Stämme. Die Giebel kamen nach vorne, wurden gerade ausgerichtet, das Joch darauf gelegt und mit den Schnallen und Spannkeilen verspannt. Die dicken Enden der Stämme wurden mit einer "Wieh" (gewundenes Fichtenstämmchen) lose zusammengehalten. Aufgrund der Bachenge war dies unbedingt erforderlich.

Im eiskalten Wasser, oft bis an den Bauch stehend, lenkten die Männer mit Geschick und Mut die Kuppeln zu Tal, führten sie durch die Wehre, verhinderten, dass sie an die Uferwände prallten. Und im Heimatort wurden die Stämme festgemacht.


Eiszapfen am Schnurrbart

Die Floßknechte gingen dann abgekämpft heim, um sich ein paar Stunden Ruhe zu gönnen, denn am nächsten Tag musste wieder frühzeitig aufgebrochen werden, um weitere Hölzer zu holen. Das dauerte mehrere Tage lang, bis alles daheim war.

Mancher musste sich die Eiszapfen aus dem Schnurrbart brechen, oder sich mit den nassen und gefrorenen Kleidern erst ein bisschen an den Ofen stellen, um sie aufzutauen, damit er sie ausziehen konnte. An den Aufhängern wurden sie dann getrocknet. Und wenn ein Schuh vielleicht die Sohle verloren hatte, dann wurde der Schuster aus dem Bett geholt.

War eine Zeitlang geflößt worden und alles Holz, das im Grund lagerte, daheim im Dorfwehr, dann ging es ans "Ausschleifen". Die Kuppeln wurden mit Hilfe von Ochsen oder Pferden aus dem Bach gezogen, auf dem Anger aufgestapelt und zu "Böden" verarbeitet. Die dicken Stammenden bearbeiteten die Floßknechte mit dem Breitbeil, damit man das Holz möglichst lückenlos zusammen spannen konnte.

Die Stämme wurden nach Stärke und Länge sortiert und die "Böden" bekamen vorn und hinten ein Joch aufgesetzt, das verbohrt und festgekeilt wurde. Nun konnte die Floßfahrt - möglichst bei Freiwasser - mit unterschiedlichster Oberlast - von Weinbergpfählen bis zu Stockheimer Kohle - auf Rodach und Main beginnen.

Schließlich mussten die Wiesen bis zum 1. Mai geräumt sein, es sei denn, es gab eine Sonderregelung mit dem Grundstückseigentümer.


Floßfahrt auf der Wilden Rodach


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