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Schlosskonzerte

Eine Künstlerin im Schatten

Christoph Soldan eröffnet die Veranstaltungsserie mit einem literarisch-musikalischen Abend. Er entführt in die Welt der Fanny Hensel-Mendelssohn.
Christoph Soldan in seinem Element Foto: Nicole Julien-Mann
 
"Für einen wunderbaren Ort suchen wir immer etwas wunderbares aus", erläutert Kreiskulturreferentin Gisela Lang ihr Konzept bei der Eröffnung der Mitwitzer Schlosskonzerte 2017. Sie verspricht einen anspruchsvollen und niveauvollen, dabei unterhaltenden Abend, und sie hält Wort. Im Mittelpunkt steht das Leben von Fanny Hensel, die zeitlebens im Schatten ihres jüngeren Bruders, Felix Mendelssohn-Bartholdy, stand. Der renommierte Pianist Christoph Soldan holt sie daraus hervor und entführt die Zuhörerinnen und Zuhörer im Weißen Saal des Wasserschlosses in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts. Er spielt Hensels Musik und liest aus der Roman-Biografie "Geliebte Fenchel! Das Leben der Fanny Hensel-Mendelssohn in Etüden und Intermezzi" seines Freundes, dem Schriftsteller Peter Härtling.
Analog zum Musikjargon bezeichnet Härtling die Kapitel als Etüden und Intermezzi, also Übungen und Zwischenspiele.
Ein solches Zwischenspiel bestand für Fanny Hensel aus einem einjährigen Aufenthalt in Rom, den sie in einen Jahreszyklus packte. Heraus kamen zwölf Charakterstücke, nach Monaten benannt, und ein Epilog mit Anklängen an Luthers Choral "das alte Jahr vergangen ist". Christoph Soldan umrahmte die Stücke mit den Texten Härtlings. Er las und interpretierte die Texte genauso ausdrucksvoll, wie er die Musik am Klavier spielte. Mit seinem Vortrag machte er die Welt der Fanny Hensel lebendig. Familie und Zeitgenossen erwachten zum Leben und so erweiterte sich das Konzert über die Dimension des reinen Hörens hinaus.
Der Stutzflügel im Weißen Saal machte seinem Namen übrigens alle Ehre, denn er erwies sich dem virtuosen Spiel Soldans klanglich nicht gewachsen. Doch darüber hörte das Publikum großzügig hinweg und machte lieber Bekanntschaft mit Fannys strenger Großmutter, die "heute noch unbeirrt am Glauben der Alten Väter festhalte" und die Konversion des jüdischen Mendelssohns zum Protestantismus äußerst missbilligte. Es war die gemeinsame Liebe zur Musik Johann Sebastian Bachs, ebenfalls einem Protestanten, die sich über die Glaubensbarrieren hinwegsetzte und die Familie einte. So soll die Großmutter über Fannys Bach-Spiel so gerührt gewesen sein, dass sie sogar ihrem abtrünnigen Sohn verzieh.


Ideenreich und vielfältig

Auslöser für einen enormen kreativen Schub erwies sich Fanny Hensels Jahr in Rom mit ihrem Mann und ihrem Sohn. Italien war ein typischer Sehnsuchtsort in der Romantik, aber erst dort fand sie endlich die musikalische Anerkennung bei Musikerkollegen, die sie sich gewünscht hatte und die sie auch verdiente. Den Jahreszyklus schrieb sie wieder zuhause in Berlin, als eine Art musikalisches Tagebuch.
Die Stücke, nach den Monaten benannt, erklingen entsprechend ideenreich und vielfältig. Der Januar scheint noch im Winter zu erstarren, während der Februar sich stürmisch tempermentvoll präsentiert, angeblich hatte sie den Karneval in Venedig im Sinn. Am heitersten mutet der Mai an, die linke Hand ziseliert glöckchenartig die ersten Frühlingsblumen. Die Grundstimmung der Stücke allerdings ist melancholisch. Im Juli entladen sich Sommergewitter, der August schöpft aus den Vollen. Was die Künstlerin sich im Einzelnen gedacht hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. Aber offensichtlich hat sie in ihre Stücke lustvoll alles gepackt, was sie kompositorisch und virtuos zu leisten vermochte. Bevor Soldan die Wintermonate November und Dezember sowie den Epilog spielt, liest er die Etüde von Fannys überraschendem Tod.
Die Einordnung der Stücke in diese historische Perspektive verleiht der Musik eine besondere traurige Ausdruckskraft.
Fanny Hensel wurde nur 42 Jahre alt. "Für sie war es kein Problem, eine Frau zu sein", resümierte Soldan, "vielmehr war es ihr Problem, kein Mann zu sein". Es ist bezeichnend, dass die Noten des wunderbaren Jahreszyklus erstmals 1989 verlegt worden sind.
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