Küps
Abschied

Ein anderes Ruder lockt

23 erfüllte Jahre verbrachte Pfarrer Friedrich Seegenschmiedt in der evangelischen Kirchengemeinde Küps. Am 1. August geht er in den Ruhestand.
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Pfarrer Friedrich Seegenschmiedt als "Skipper" auf hoher See Foto: privat
Pfarrer Friedrich Seegenschmiedt als "Skipper" auf hoher See Foto: privat
Fast scheint es so, als könne es der Pfarrer selbst kaum glauben, wie schnell die 23 Jahre vorüber gingen: "Ich hatte hier interessante Aufgaben und konnte mich über mangelnde Arbeit nicht beklagen." Auch einige Großprojekte galt es zu stemmen. Fragt man den Pfarrer danach, wiegelt er ab: "Von einem Pfarrer soll in Erinnerung bleiben, wie er das Evangelium verkündet hat und was davon angekommen ist - Halt und Freude am Glauben und keine Bauprojekte". Damit wäre das geklärt. Gleich zu Beginn des Gespräches wird deutlich, dass er sich nicht als wichtige Person in den Mittelpunkt stellt. Deshalb will er auch keine Lobreden in der Kirche zu seiner Verabschiedung. "Die Kirche ist zur Ehre Gottes da und nicht für mich", sagt er.


Mit Ecken und Kanten

Friedrich Seegenschmiedt ist ein Pfarrer aus Leidenschaft. Er ist ein Mann der deutlichen Worte - beharrlich und ausdauernd, mitreißend und begeisternd, aber auch aufrüttelnd und nicht immer "bequem". Er nimmt kein Blatt vor den Mund und eckt mit seiner Art schon mal an - auch in Küps. Hier trat er am 15. September 1994 seinen Dienst an. Hier wurde er am 18. September durch Dekan Peter Hennings in sein Amt als Pfarrer eingeführt, das damals über ein Jahr frei gewesen war. Als eingefleischter Franke suchte Friedrich Seegenschmiedt eine Stelle in seiner Heimat. Am Sonntag Exaudi, 28. Mai, wird er aus dem aktiven Dienst verabschiedet. "Anfangs habe ich mir nicht vorstellen können, so lange in Küps zu bleiben", meint er. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten sei Küps jedoch die ideale Gemeinde für ihn gewesen. "Auch wenn die ersten Jahre nicht einfach waren und es in diesen 23 Jahren familiäre Schwierigkeiten zu bestehen gab, möchte ich kein Jahr missen", sagt der Pfarrer - keine Begegnung mit den Menschen, kein Jahr in der Begleitung der beiden evangelischen Kindertagesstätten und der Konfirmandengruppen, für die er verantwortlich zeichnete. Miteinander habe man schöne Gottesdienste und einmalige Jubiläen feiern können - beispielsweise "700 Jahre Jakobikirche" und "450 Jahre Küps evangelisch". Seelsorge geschehe - seiner Meinung nach - in vielen Bereichen, wozu auch passende äußere Rahmenbedingungen gehörten. "Lust-Projekte" von ihm waren die Renovierung der Küpser Kirche im Jahr 2000 sowie die Orgelrenovierung. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit legte er in die Kindergärten, die man dem Bedarf anpassen musste. Neue Konzepte mussten erstellt, Renovierungen vorgenommen werden. Das "Spatzennest Oberlangenstadt" zählt heute drei Regelgruppen und eine Krippe, die "St. Jakobi Strolche" Küps zwei Regelgruppen und eine Kleinkindgruppe. 2014 wurde die neu gestaltete Außenanlage des Küpser Kigas eingeweiht, was ihm ebenfalls ein Herzensanliegen war.


Ein Schiff namens "SY Sixtysix"

Nach 23 Jahren wird der Pfarrer ab Juni ein anderes "Schiff" steuern - seine "SY Sixtysix" und darauf vertrauen, dass auch dabei Gott immer mit im Boot sei. Mit strahlenden Augen erzählt er, dass er noch in der Nacht von Sonntag auf Montag mit dem Auto aufbrechen werde. Schließlich gehe bereits am Montag um 17.30 Uhr die Fähre in Ancona, bevor er im Ionischen Meer die deutsche Flagge an seinem Schiff hissen und die Schönheit Griechenlands entdecken wolle. Dass er sich einsam fühlen werde, glaube er nicht; gehe er doch auch immer wieder in den Häfen an Land. Vielmehr werde er die Ruhe genießen. Sein Schiff, das in etwa so lang wie ein Omnibus und knapp doppelt so breit sei, brauche für 40 Seemeilen - also 80 km - acht bis neun Stunden. "Das ist die totale Entschleunigung. Man kann alles abfallen lassen und den Augenblick viel stärker empfinden. Die Zeit spielt keine Rolle", schwärmt der Skipper, der - wie er einräumt - schon immer "Hummeln im Hintern" hatte. Er hofft, das Leben auf hoher See noch viele Jahre genießen zu können.


"Winterquartier" in Tüschnitz

Nach Küps zurückkehren wird er Ende Juni; seine Wohnung im Pfarrhaus wird Anfang August aufgelöst. Dann wird er sein "Winterquartier" - eine kleine Wohnung in Tüschnitz - beziehen. Hierfür wird er sich von so manch gutem Stück - insbesondere Bücher oder auch Andenken von seiner Zeit in Nigeria, wo er mit seiner Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn von 1988 bis 1994 gelebt hat - trennen. "Jetzt sind andere Dinge wichtig", sagt er. In Erinnerung bleiben wird ihm von seiner Zeit in Küps - neben den vielen Begegnungen - gerade auch das gute, vertrauensvolle Miteinander im Kirchenvorstand, ohne das vieles nicht möglich gewesen wäre. Ihm gilt sein besonderer Dank. "Die Verantwortung hat uns zusammengeschweißt. Wir konnten offen und vertraut miteinander reden. Freundschaften sind entstanden, die über meine Dienstzeit hinaus wohl bestehen bleiben", wünscht er sich. In seinen Dank schließt er die Mitarbeitenden im Pfarramt, Brigitte Schedel und Wolfgang Schiller, ein. Manches Schwere habe man gemeinsam getragen. Und: Wer auch immer sein Nachfolger werde, er werde sich in keinster Weise einmischen.



Am 28. Mai (14 Uhr) findet in der Jakobi-Kirche Küps der Abschiedsgottesdienst statt. Beim Kaffeetrinken mit Grußworten in der Turn- und Festhalle besteht die Möglichkeit, sich persönlich zu verabschieden.
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