Gericht

Ein Schritt zu mehr Sicherheit

Ein Jahr dauerte der Umbau des Eingangsbereichs des Kronacher Amtsgerichts, am Donnerstag eingeweiht wurde. Die neue Technik hat einen ersten Hintergrund.
Da kommt's hin: Amtsgerichtsdirektor Jürgen Fehn (links) zeigte Justizminister Winfried Bausback (CSU) gleich, wo er im neuen Eingangsbereich des Kronacher Amtsgerichts die gerade verliehene Plakette "Bayern barrierefrei" befestigen lassen wird. Foto: Marian Hamacher
 
von MARIAN HAMACHER
Ausgerechnet an ihrem großen Tag darf sie nicht zeigen, was sie kann: Die neue Sicherheitsschleuse im Kronacher Amtsgericht ist ausgeschaltet. Was gleich ausgenutzt wird. Munter wandert ein Besucher nach dem anderen zwischen den beiden Seiten der kugelsicheren Glaswand hin und her. Die zwei Türen der sogenannten Vereinzelungsanlage bleiben einfach geöffnet.

Doch selten war wohl weder sie noch der nur einige Meter entfernt stehende Metalldetektor so überflüssig wie am Donnerstag. Denn zur Einweihung des rund 750 000 Euro teuren neuen Eingangsbereichs hatte sich auch der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) angekündigt - samt dazugehörendem Sicherheitspersonal. "Heute kann man wahrscheinlich nicht Luft holen, ohne, dass es auffällt", scherzte daher eine Mitarbeiterin des Amtsgerichts.

Gut aufgelegt zeigte sich nach einem Jahr Bauzeit auch Amtsgerichtsdirektor Jürgen Fehn, der seine Gäste zur großen Erheiterung im natürlich "schönsten Amtsgericht Bayerns" begrüßte. Doch der Direktor und Richter wirkte ebenso gelöst wie stolz. "Der heutige Tag wird einer der bedeutendsten während meiner Amtszeit werden. Denn jetzt können wir höchste Sicherheit und Barrierefreiheit gewährleisten", erklärte er. Da im Eingangsbereich durch die Umbaumaßnahmen auch die letzten Stufen verschwunden sind und jede Etage über einen Aufzug zu erreichen ist, überreichte Bausback Fehn die Plakette "Bayern barrierefrei".

Die Sicherheit und Barrierefreiheit zu verbessern, sei ihm ein persönliches Anliegen, erklärte der Minister in seiner Rede. Barrierefreiheit sei nicht nur für Menschen mit einer Behinderung wichtig, sondern auch für Familien mit Kindern: "Etwa, wenn ein Kinderwagen durch ein Gebäude geschoben werden muss." Niemand solle durch unnötige Barrieren aufgehalten werden.


Nicht zum Nulltarif

Der Besuch des Ministers zeige, dass ihm auch kleine Amtsgerichte wichtig sind, sagte Anton Lohneis, Präsident des Landgerichts Coburg. "Denn die Größe des Standorts darf keinen Unterschied in Fragen der Sicherheit machen. Und Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Hier wurde Geld in die Sicherheit der Menschen investiert und daher gut angelegt", sagte Lohneis und sprach Bausback damit wohl aus der Seele.

Die verwendeten Gelder seien "für die bayerische Justiz keineswegs Peanuts, aber es ist absolut richtig angelegt". Der Standort Kronach sei für ihn genauso wichtig wie etwa das Oberlandesgericht. "Es ist unsere Aufgabe und Pflicht, dass Gerichtssäle frei von Waffen sind und dort nur mit Worten gestritten wird", betonte Bausback.
Seit 2012 werden in den bayerischen Justizgebäuden Einlasskontrollen immer weiter verschärft und verbessert. Der Grund: Im Januar 2012 erschoss ein Angeklagter im Amtsgericht Dachau während der Sitzung einen jungen Staatsanwalt und versuchte auch, den Richter, seine Anwältin und den Protokollführer zu töten. Es war der Start einer großen Debatte.

Nun seien in Kronach mit einer Vereinzelungsanlage, Videoüberwachung und einem Metalldetektor die neuesten technischen Anforderungen erfüllt und so optimale Arbeitsbedingungen geschaffen worden, sagte der Justizminister.

Die eingebaute Technik stammt von der Firma Sitec aus dem nur wenige Kilometer entfernten Hummendorf. "Ich bin froh, dass sie es geworden ist", sagte Fehn. "Es war eine europaweite Ausschreibung, aber sie haben das günstigste Angebot abgegeben."

Der Metalldetektor wurde 2012 gleich nach der Tragödie in Dachau angeschafft und hat sich offenbar schon bewährt. "Damit haben wir schon diverse Messer oder Schlagringe festgestellt", sagte Fehn. Doch auch so mancher skurrile Gegenstand brachte den Detektor dazu, Alarm zu schlagen - wie zum Beispiel die Gartenschere, die eine Besucherin mit in den Sitzungssaal nehmen wollte.
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