Ludwigsstadt
Kultur

Daniel Leistner tanzt auf drei Hochzeiten

Zum Abschluss der Shakespeare-Spiele 2016: Neun Tage lang "geludschdert". Und das heißt, Theater für "jemanden, ders Laam liebt".
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Daniel Leistner in der Hermann-Söllner-Halle mit den beiden Plakaten für die nächsten Projekte in Pegnitz und Marktrodach. Foto: Martin Modes
Daniel Leistner in der Hermann-Söllner-Halle mit den beiden Plakaten für die nächsten Projekte in Pegnitz und Marktrodach. Foto: Martin Modes
Nach dem Ende der Faust-Festspiele in Kronach im vergangenen Jahr gibt es in diesem Jahr wieder eine Art Faust-Festspiele, diesmal in Pegnitz: Im November zeigt Daniel Leistner im dortigen Gymnasium eine Preview für die Pegnitzer Bevölkerung - und im kommenden Sommer finden die Faust-Festspiele dann richtig auf dem Schlossberg statt. Der Theatermacher aus Ludwigsstadt hat damit nach dem Vertragsende in Kronach seit diesem Jahr gleich drei Spielstätten - in Ludwigsstadt, Pegnitz und Marktrodach.

Die diesjährigen Shakespeare-Spiele in Ludwigsstadt haben am Sonntag mit der neunten Aufführung und unter stehenden Ovationen ihr erfolgreiches Finale erlebt und etliche der Ludschter Schauspieler stehen in den Startlöchern für ihren Herbsturlaub. Für Intendant und Regisseur Daniel Leistner beginnt stattdessen die heiße Phase für sein neues Großprojekt: Vom 3. bis 6. November hebt er mit neuen Partnern die Faust-Festspiele Pegnitz aus der Taufe. "Für die Menschen in Pegnitz und für den Stadtrat ist das eine Preview, damit sie eine Vorstellung bekommen, was sie im nächsten Jahr bei den Festspielen auf dem Schlossberg erwartet." Für ihn hat es noch eine weitere historische und emotionale Dimension: Auch 2016 und 2017 wird seine Faust-I-Inszenierung gespielt, die somit seit 1995 kontinuierlich in jedem Jahr läuft - auch nach dem Aus in Kronach. Und seit 1995 ununterbrochen mit Daniel Leistner und Holger Lappe.


Werbemaschinerie angelaufen

Die Werbemaschinerie für Pegnitz ist längst angelaufen - auch am Ludwigsstädter Spielort in der Hermann-Söllner-Halle hingen bereits die Plakate, die auf den Wiedererkennungseffekt setzen: Im Layout und in der stilisierten Mephisto-Grafik erinnert das Logo an die früheren Kronacher Festspiele. Damit folgen Leistner und seine neuen Partner in Pegnitz einem Prinzip, das die Stadt Kronach in diesem Jahr mit ihren Rosenberg-Festspielen über Bord geworfen hatte - nämlich eine eingespielte Marke zu pflegen und weiter zu entwickeln.


Die treibende Kraft

Angekündigt ist auch schon das neue Stück in der Werkbühne, die im kommenden März am Spielort im Dreefs in Marktrodach in die zweite Saison startet - mit dem Komödienklassiker "Charleys Tante". Auch dieses Plakat zeigt eine Person: den Hauptdarsteller Uwe Vogel, der in Pegnitz zugleich Leistners Hauptpartner, Initiator und treibende Kraft für die neuen Faust-Festspiele ist - und außerdem der neue Pegnitzer Mephisto, "der wieder ein bösartiger, aber lustiger Schelm sein wird."

Leistner und seine Ludwigsstädter Truppe haben jetzt neun Aufführungen lang "geludschdert" - und das ist, wie er in seinem kabarettistischen und viel bekicherten Zwischenauftritt den Zuschauern jeden Abend erläutert hat, etwas, das der Seele und dem Gemüt gut tut. Seine Botschaft ist ganz einfach: Theater machen "für jemanden, der's Laam liebt", also das Leben liebt.


Die Botschaft funktioniert

Die Botschaft funktioniert ausgezeichnet dank des Ludschter Dialekts. Evi Heyder, Carlo Schwab, Max Heyder und Astrid Vetter zelebrieren und genießen ihre Dialekt-Auftritte. Mit ihren gekonnten komödiantischen Auftritten zeigen sie, dass allein schon dieser Dialekt das Nonplusultra an lustigen Momenten herauskitzelt.
Etwa 2000 Zuschauer dürften es in diesem sechsten Shakespeare-Jahr nach Leistners Einschätzung in Ludwigsstadt gewesen sein - der erwartete Erfolg. In kommenden Jahr geht es dann mit Hamlet weiter.

In Pegnitz muss hingegen noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Zumal die beiden Lokalzeitungen in Pegnitz seit Monaten praktisch wöchentlich über die neuen Faust-Festspiele in Pegnitz berichten - über die Anstrengungen, Vorbereitungen und Unterstützer ebenso wie über die Skeptiker und Gegenwind. Leistner sieht das gelassen. Weil sich viele nicht vorstellen können, was passieren wird oder Angst vor dem zusätzlichen kulturellen Angebot haben, will er den Pegnitzern im November mit der Preview zeigen, "was die Festspiele für die Stadt bedeuten."


Organisation läuft gut

Mit Blick auf seine früheren Festspiel-Erfahrungen stellt Leistner fest: "Es läuft richtig gut in der Organisation. Wir sind dabei, ein Parkleitsystem einzurichten, Shuttlebusse zu organisieren und die Vereine und Busunternehmen gezielt anzusprechen. Diese Erfahrung war in meinem Leben nicht immer selbstverständlich." Ganz konkret seien auch die Werbemaßnahmen geplant, die für die umliegenden Regionen, das Nürnberger Land, Bayreuth und die Fränkische Schweiz, umgesetzt werden sollen.

Uwe Vogel ist in Pegnitz der wichtigste Ansprechpartner. Den Amateurschauspieler kennt Leistner vom Troschenreuther Mundarttheater, wo er in den vergangenen Jahren beratend tätig war. 2015 war Uwe Vogel auch Mitglied beim Ensemble der Kronacher Faust-Festspiele. "Die Leute, die jetzt in Pegnitz oder wie die Gräbners in Marktrodach spielen, gehören seit Jahren zu meiner Truppe - wir haben nur die Spielorte gewechselt", betont Leistner. Beim Faust I und bei der zweiten geplanten Festspiel-Produktion, "Die Schule der Frauen" von Moliere, sind daher im Sommer 2017 in Pegnitz neben Holger Lappe außerdem weitere bekannte Gesichter dabei - wie Sven Schenke, Melina Rost oder Caroline Horn. Zu Leistners Wegbegleitern von den Kronacher Faust-Festspielen zählt in Pegnitz auch Julia Knauer, die als einzige Schauspielerin bei allen drei Leistner-Ensembles in Ludwigsstadt, Marktrodach und Pegnitz mitspielt.

Weitere Infos zu den Faust-Festspielen in Pegnitz gibt es im Internet unter www.faust-festspiele-pegnitz.de.
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