Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Konzert

Chris Karrer begeisterte in St. Pankratius

Ein einmaliges Erlebnis war das Konzert von Chris Karrer. Unter dem Titel "Bolero Moro" verzückte der legendäre Musiker das Publikum mit Gitarre und Oud.
Ein einmaliges Erlebnis war das Konzert von Chris Karrer am Sonntag in der Alten Pfarrkirche St. Pankratius Steinberg.  Foto: Heike Schülein
 
von HEIKE SCHÜLEIN
Zurücklehnen und die Klarheit und Tiefgründigkeit des Klanges angezupfter Saiten auf sich wirken lassen. Es ist eine Musik des Südens, ein Lebensgefühl: Ausdruck von Freude wie auch Trauer, in Töne gesetzte Gefühle - gleichermaßen wie ein Spaziergang durch die Seelenlandschaft, auf die der Gitarrenvirtuose sein Publikum in der wunderschönen Schlosskirche mitnahm. Schon mit den ersten wehmutsvollen Klängen meinte man, sie vor sich zu sehen: Die Schönheit Spaniens mit ihren wilden Küsten, romantischen Fischerdörfern, die atemberaubende Landschaft - ein geradezu musikalisches Naturereignis!


Einfühlsame Methodik und Fingerfertigkeit

Auf Einladung des Heimat- und Kulturvereins Steinberg begeisterte der Weltmusiker bei seinem Konzert in Steinberg mit einfühlsamer Methodik, hohem technischen Niveau und beeindruckenden Fingerfertigkeit. Mühelos entführte er die Gäste in die herrliche Welt der Gitarrenmusik. Sein nuancenreiches Spiel auf der Gitarre sowie auf der orientalische Laute, der Oud - eine bundlose Kurzhalsknicklaute, Vorgängerin und Namensgeberin unserer Renaissance-Laute - drang bis in die letzen Winkel des über eine einzigartige Akustik verfügenden Gotteshauses. Fast verloren in gedanklicher Konzentration nahm der Saitenvirtuose seine Instrumente in die Hand, um sie mal sanft und gefühlvoll zu bearbeiten; bisweilen aber auch, um im temperamentvolles Spiel auszubrechen. Immer ist da eine tiefe und harmonische Innigkeit zwischen ihm und seinen Instrumenten spürbar. Fast schien er die Welt um sich vergessen. Nicht anders erging es dem Publikum. Staunend ließ es sich vom feurig-tänzerischen bis zart-verklärenden Spiel des legendären Musikers, der überwiegend eigene Interpretationen spanischer und orientalischer Prägung erklingen ließ, gefangen nehmen. In der Tat sind die Gitarre und die Oud - wie kaum andere Instrumente - fähig, Wärme und Klangfarbenreichtum auf sinnlich schöne und nahegehende Art und Weise zur Entfaltung zu bringen. Karrer kostete dabei das Klangspektrum seiner beiden Instrumente in atemberaubender Virtuosität voll aus. Die Hände flatterten mit unglaublicher Leichtigkeit und Tempo von Saite zu Saite. Mit dem Klopfen des Takts auf den Gitarrenkorpus schuf er in Töne gesetzte Gefühle - einzigartig, phänomenal!


Mitglied von Amon Düül 2

Der künstlerische und musikalische Werdegang Karrers begann in Marktoberdorf als Gründungsmitglied der mittlerweile legendären Teutonic-Rock-Formation Amon Düül 2, die unter anderem aus gefeuerten Internatsschülern bestand. "Als ,Freigänger' gründeten wir eine Avantgarde-Jazzgruppe. Bereits damals war ich so etwas wie ein Musiknomade und Reisender in Sachen Subkultur", erinnerte er sich. In den Achtzigern war erstmals Pause bei den Düüls und er schloss sich der Weltmusik-Combo Embryo an, nachdem er sich schon seit einigen Jahren dem "Blues der Weißen" - dem Flamenco - verschrieben hatte. "Schon damals reizte mich als Gitarrist diese komplexe Technik, die aus Arpeggios, Tremoli und Pasqueados besteht. Ich wollte eine musikalische Weiterentwicklung und nicht als Rock'n'Roll-Opa enden. Mit feinstofflicher Filigranmusik würdig altern - Das war und ist eines meiner Ziele", so der mittlerweile 69-Jährige. Dann entdeckte er die orientalische Laute, die Oud. Diese ermöglichte es ihm, die komplizierten Tonfolgen der arabisch-türkischen Musik zu spielen. Durch sein Geigenspiel vorbelastet und von den Meistern vor Ort inspiriert, sei es ihm relativ leicht gefallen, eigene Melodien zu erfinden. Dieser westöstliche Diwan Stil floss in mehrere Soloprojekte mit ein. In den Neunzigern entstanden so Produktionen wie "Derwish Kiss", "Sophisticated", "The Mask" und "Grandezzo Mora". 1986 traf er den Miterfinder des "Fantastischen Realismus der Weiner Schule", den Malerfürst Prof. Ernst Fuchs, der in ihm wohl einen Seelenverwandten sah und als Sänger und Texter mit ihm zwei CDs produzierte: "Mystische Gesänge" und - noch unveröffentlicht - "Im Bann des Pfauenauges". "Ich hatte ein Kunststudium absolviert und wurde, vom "Ernstl" inspiriert, wieder zum Maler und Covergestalter", so Karrer. 2008, etwas zur Ruhe gekommen, zog dieser von München ins - wie er sagte - "wunderschöne Frankenland nach Kronach". Hier lebt er mit seiner Lebensgefährtin und Tochter. Obwohl Kronach seine neue Heimat wurde, ist er noch immer mit den Düüls unterwegs. Erst 2015 absolvierten diese ihre letzte Europatour. Höhepunkt 2016 war ein Kultfestival im Odenwald mit Kraraan und Guru Guru - - für Musikkenner auch heute noch ein Begriff.


Langer Applaus

Losgelöst, weltenrückt, berührt - so fühlte sich das Publikum, als es sich mit langanhaltenden Applaus für die vielen zauberhaften Momente des großartigen Konzerts bedankte. Der Dank des Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Steinberg, Wolfgang Förtsch, galt allen, die zur Realisation des einmaligen Erlebnisses beigetragen hatten. Man fühle sich sehr geehrt und sei sehr dankbar, dass eine solch zeitgeschichtliche Persönlichkeit, die die musikalische Entwicklung in Deutschland mitgeprägt und TV-Auftritte beispielsweise in Musiksendungen wie Musikladen oder im Beat Club gehabt habe, in Steinberg aufgetreten sei. "Jede Sekunde war spannend. Man konnte gar nicht so schnell schauen, wie sich seine Finger bewegten", zeigte sich Förtsch beeindruckt. Er dankte auch Werner Olgemöller vom Fotostudio Thron, der den Kontakt zum Künstler hergestellt und die Idee des Konzerts mitentwickelt hatte. Dessen Erlöse kommen vollumfänglich der historischen Schlosskirche zugute. Das Konzert wurde mitgeschnitten und wird als DVD voraussichtlich bis Weihnachten dieses Jahres produziert und angeboten.
Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.