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Kommentar: Die Formel 1 ohne Grid-Girls - jetzt erst?

Die Formel 1 schafft die Grid Girls ab und für manche bricht eine Welt zusammen. Frauen als Objekte sind ihnen einfach eine liebgewonnene Tradition.
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Die Formel 1 schafft die Grid Girls ab und für manche bricht eine Welt zusammen. Frauen als Objekte sind ihnen einfach eine liebgewonnene Tradition. Foto: Ronald Zak/AP/dpa
Die Formel 1 schafft die Grid Girls ab und für manche bricht eine Welt zusammen. Frauen als Objekte sind ihnen einfach eine liebgewonnene Tradition. Foto: Ronald Zak/AP/dpa
Es wäre wohl etwas überzogen zu behaupten, die Formel 1 wäre im 21. Jahrhundert angekommen mit der Entscheidung, keine Grid Girls mehr in den Boxen auszustellen. Es ist immer noch ein Sport, bei dem Superreiche damit beschäftigt sind, treibstoffintensiv im Kreis um die Wette zu fahren. Aber immerhin etwa im 20. Jahrhundert ist der Rennsport angekommen. Das ist ja schon mal was.

Für Manche bricht dabei aber eine Welt zusammen. Autos beim Fahren zusehen, ohne gleichzeitig leicht bekleidete Frauen betrachten zu können. Ein Skandal. Ein paar Stunden weniger pro Woche werden Frauen zu Sexobjekten gemacht.

Denn genau das sind die Frauen, die - vielsagend - auch gerne als "Boxenluder" bezeichnet werden: Objekte männlicher Begierde. Menschen sind aber nun mal keine Dekoration, sondern eigenständige Wesen mit Kontrolle über sich und ihren Körper. Die Grid Girls waren aber niemals Akteurinnen im Rennsport, sondern bloße Dekoration. Sie sollten eine Funktion ausführen, die seit Jahrhunderten von ihnen eingefordert wird: Männern gefallen. Hübsch aussehen, aber bitte ansonsten nicht viel tun.


Wo sind die Vorbilder?


Es gibt wenige weibliche Rennfahrerinnen - welche Vorbilder sollen autointeressierte Mädchen auch haben, wenn ihnen vorgelebt wird, dass starke, aktive Männer um die Wette fahren, während nett lächelnde Frauen - die bitte sehr auch gesellschaftlichen Schönheitsbildern zu entsprechen haben - auf sie warten.

Immerhin kann niemand behaupten, dass die Formel 1 bisher ein völlig absurdes Bild abseits jeglicher gesellschaftlicher Realität gezeichnet hätte. Von Frauen wird erwartet, dass sie hauptsächlich äußerlichen Erwartungen entsprechen. Sie werden an ihrem Aussehen gemessen. Sportlerinnen, Politikerinnen, Schauspielerinnen: Wie oft wird über ihre Kleidung, ihr Gewicht, ihre sexuelle Anziehungskraft geschrieben anstatt über ihre eigentliche Tätigkeit?

Da ziehen nicht nur unlustige, sich vergaloppierende Komödianten über das Äußere einer Frau her: Große Medien machen es ja vor, indem sie Frauen wie Brigitte Macron auf widerliche Art und Weise abwerten. Frauen werden danach beurteilt, ob sie "fuckable" sind und werden in großen Überschriften als Eroberungen herumgezeigt ("Diese Nerds haben die heißesten Frauen abbekommen") oder werden nicht einmal mehr namentlich genannt, sondern sind nur "die Neue von...".


Der alltägliche und erlernte Sexismus

Sexismus ist nun einmal so viel mehr als sexualisierte Gewalt - er zeigt sich in so vielem: Er zeigt sich darin, dass kleine Mädchen sich sehr früh darüber Sorgen machen, ob sie schön sind. Dass sie sehr früh begreifen, dass Schönheit eine Währung ist, mit der sie bezahlen können. Dass sie ein Gut ist, für das sie Geld ausgeben, Zeit aufwenden. Denn sie wollen ja nicht unrasiert sein, nicht zu dick, aber bitte auch nicht zu dünn.

Dies ist kein Plädoyer gegen Frauen, die sich und ihren Körper präsentieren. Es geht dabei aber immer darum, wer letztlich der aktive Part ist, wer die Macht innehat. Schaut man in die Boxen früherer Formel-1-Saisons, sind die Grid Girls eben nicht die Aktiven, sondern eben - wie gesagt - bloße Deko.

Werden Frauen aktiv und erringen die Macht über sich und ihren Körper, setzen ihn gezielt ein, wann sie es möchten und nicht zu dem Zweck, Männern zu gefallen, werden sie abgewertet. Worte wie "Luder", "Schlampe" und andere fallen da schnell.

Nach Jahrhunderten der Gewöhnung ist es vielleicht schmerzhaft für Männer, sich umzustellen. Ihnen wurde anderes versprochen, als sie sozialisiert wurden. Aber zum Glück ändern sich viele Dinge. Nun also auch diese Kleinigkeit.
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