Bamberg
Rettungsgasse

Kommentar: Trauer, Wut und wenig Wissen

Nach dem Horrorunfall auf der A9 stellt sich wieder die Frage: Warum werden Rettungskräfte immer wieder auf ihrem Weg zum Einsatz behindert? Ein Kommentar.
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Einsatzkräfte auf Autobahnen haben immer wieder mit nicht funktionierenden Rettungsgassen zu kämpfen. Zu viele Autofahrer wissen nicht genau, wie sie sich verhalten sollen. Foto: Archiv/Jan Woitas/dpa
Einsatzkräfte auf Autobahnen haben immer wieder mit nicht funktionierenden Rettungsgassen zu kämpfen. Zu viele Autofahrer wissen nicht genau, wie sie sich verhalten sollen. Foto: Archiv/Jan Woitas/dpa
Die Rettungsgasse? "Genauso schlecht wie sonst auch." Der Münchberger Kommandant Martin Schödel zeichnet ein übles Bild - von der Dummheit, vielleicht aber auch nur Ignoranz zu vieler Autofahrer in Deutschland. Es kann nur erahnt werden, wie viele Folgeschäden bis hin zum Tod alljährlich vermieden werden könnten, wenn nicht immer wieder Rettungskräfte von anderen Verkehrsteilnehmern behindert würden. Das macht traurig. Und wütend zugleich.

Oder war es gar Unwissenheit? Die Rettungsgasse. Sie erzählt nämlich auch die Geschichte von misslungener Aufklärung. Zumindest in Deutschland. Hier ein plakativer Hinweis an der Autobahnbrücke, dort ein Aufkleber auf der Heckscheibe des Wagens, der dem engagierten Feuerwehrmann gehört. Und immer das Blaulicht im imaginären Rückspiegel. Der eindringliche Appell aber, bei Staubildung sofort eine Rettungsgasse zu bilden, hat die Autofahrer hierzulande nicht wirklich erreicht. Nachweislich nicht dort, wo er Wirkung zeigt - im Kopf oder im Geldbeutel.

Bestenfalls waren wir Franken ja schon einmal in Österreich, dann sind wir vielleicht schlauer. Die Alpenrepublik schafft es nämlich, die Rettungsgasse plakativer zu bewerben - wenngleich die gesetzliche Einführung 2012 auch dort holprig verlaufen ist. Ergebnis: Zumindest auf zweispurigen Autobahnen funktioniert die Gasse meist tadellos. Mindestens das vorschnelle Beenden der Rettungsgasse aber bereitet den Einsatzkräften auch dort Probleme. Immerhin: Wer sich daneben benimmt, zahlt bis zu 2180 Euro. Dabei ist es doch überall so einfach: Geht es nur noch in Schrittgeschwindigkeit voran, steht so weit links wie möglich, wer auf der linken Spur war. Und alle anderen halten sich möglichst rechts.

Es braucht also weitere Kampagnen, um steuernde Köpfe zum Denken zu bringen, Vielleicht auch Warnsysteme im Auto? Denn: Besser eine schlechte Gasse als keine, jede Minute kann Leben retten. Zudem ist die Politik gefordert: 20 Euro Strafe für Behinderer von Rettungskräften sind lächerlich, hier kann dem Vorbild Österreich ruhig gefolgt werden. Wer sich noch dazu erdreistet, gaffend im Weg zu stehen oder egoistisch die Rettungsgasse für sich zu beanspruchen, um schneller voran zu kommen... für den ist möglicherweise eine Gefängnisstrafe der einzig heilbringende Appell ans bis dato nicht vorhandene Gewissen.
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