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Eine Frage von Glück und Schicksal

Gefühle eines Vaters, der mit seiner Familie vor ein paar Tagen am Tatort war.
Bilder des Grauens: Der Lkw hat eine Spur der Verwüstung auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche hinterlassen. Foto: Maurizio Gambarini, dpa
 
von ADRIAN GRODEL

Es sind immer wieder die Augen meines Sohnes, die mir in den Sinn kommen. Diese leuchtenden Augen, wie sie nur Kinder haben können, wenn sie sich über etwas besonders freuen. Mein Sohn läuft mit Begeisterung durch die illuminierte Weihnachtskugel hin und her, die ganz nahe an der Budapester Straße auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche steht.

Das ist gerade mal zwei Wochen her. Jetzt ist diese Weihnachtskugel völlig zerstört, nachdem am Montagabend ein mutmaßlicher Terrorist dort ein Blutbad mit einem Lkw hinterlassen hat. Und seitdem quält mich diese eine Frage: Hatte ein anderes Kind auch gerade dieses Leuchten in den Augen, als das tonnenschwere, todbringende Geschoss herangerast kam? Ich hoffe und bete, dass es nicht so war. Aber gleichzeitig wird mir so klar wie nie zuvor: Mein Sohn, meine Frau und mich hätte es vor ein paar Tagen genauso erwischen können wie die zahlreichen Menschen am Montagabend. Sie waren schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort. Wenn Terroristen zuschlagen, dann ist es eine Frage von Glück und Schicksal, ob man Opfer ihrer perfiden Taten wird oder nicht.

Und plötzlich brechen die Emotionen durch: Nizza, Würzburg, Ansbach. Der 17-jährige afghanische Flüchtling, der in Freiburg mutmaßlich eine Studentin vergewaltigt und getötet hat. Die drastische Zunahme an Autoaufbrüchen und Diebstählen von Nordafrikanern in meiner Heimat Bamberg-Ost, seit dort eine zentrale Abschiebeeinrichtung installiert worden ist. Und jetzt Berlin. Ich fühle eine Mischung aus Wut, Resignation und Furcht. Angst essen Seele auf: Schon wieder ein Asylbewerber? Schon wieder ein Islamist? Meine christliche Prägung bekommt einen Treffer. Mein Bauch ist auf Krawall gegen die vielen muslimischen Migranten in unserem Land gebürstet. Gott sei Dank kommt die Nacht.

Am nächsten Morgen hat mein Verstand wieder die Oberhand gewonnen: kein Generalverdacht. In allen Fällen waren es die Taten von Einzelnen, wenn auch motiviert von einer perversen Ideologie. Die große Mehrheit der Muslime in unserm Land will friedlich mit uns zusammen leben. Ich will das auch. Für mich und meine Familie. Ich will die Augen meines Sohnes noch so oft leuchten sehen. Und deshalb hoffe ich, dass mein Verstand künftig nicht zu oft auf die Probe gestellt wird.

zum Thema "Terroranschlag Weihnachtsmarkt Berlin"



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