Bamberg
Schüleraustausch

Warum ausgerechnet nach Tschechien?

Diese Frage haben sich drei Schülerinnen des Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasiums gestellt - bevor sie Land und Leute kennen und lieben gelernt haben.
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Die Bambergerinnen hatten viel Spaß mit ihren Gastgeschwistern in Mnichovo Hradište (Münchengrätz) in Tschechien. Foto: Franz-Ludwig-Gymnasium
Die Bambergerinnen hatten viel Spaß mit ihren Gastgeschwistern in Mnichovo Hradište (Münchengrätz) in Tschechien. Foto: Franz-Ludwig-Gymnasium
"Wie gefällt euch Bamberg eigentlich?" - "Ja genau!" ...
Man fragt sich jetzt wahrscheinlich, was dieser seltsame Dialog mit einem Schüleraustausch zu tun hat. Ziemlich viel sogar, denn diese irritierende Antwort haben wir oft gehört (meistens verbunden mit einem breiten Grinsen...).
Nicht alle Tschechen, die sich am Austausch beteiligt haben, lernen in der Schule Deutsch. Aber wir lernen ja auch kein Tschechisch. So war die Kommunikation nicht immer ganz leicht. Aber das hat der Stimmung überhaupt keinen Abbruch getan.


Ja genau! Ein echter Insider

So haben die Tschechen oft auf unsere Fragen mit "Ja genau!" oder "Ja freilich" geantwortet, obwohl sie eigentlich gar nicht wussten, worum es geht. Das hat sich dann irgendwann zu einem richtigen Insider entwickelt ...
Und das zeigt schon, dass ein solcher Austausch auch dann ein ganz besonderes Erlebnis sein kann, wenn nicht das Erlernen der jeweiligen Sprache im Vordergrund steht. Hier geht es um ein Kennenlernen von Nachbarn, die uns eigentlich ganz nah, aber irgendwie dann doch wieder sehr fern sind. Und darum, die tschechische Kultur, Natur, Herzlichkeit und Mentalität direkt vor Ort zu erfahren!
Doch das wussten wir natürlich noch nicht, als wir uns eine Woche vor den Osterferien mit dem Bus nach Münchengrätz (Mnichovo Hradišt e) in Tschechien aufgemacht haben. Dieser Ort liegt etwa eine Stunde nördlich von Prag. Wir hatten zwar vorher schon Kontakt mit unseren Austauschpartnern und hatten auch schon Bilder von ihnen gesehen, aber irgendwie waren wir alle beim Aussteigen aus dem Bus noch ziemlich schüchtern und wussten nicht so recht, was uns erwartet und wie wir ein Gespräch beginnen sollen.
Doch für viel Schüchternheit blieb eigentlich keine Zeit, denn die Tschechen haben sich für die Woche ganz schön viel überlegt: Gemeinsame Treffen im Pub, Lasertag, Bowlen ... Es wurde also niemals langweilig und dazu kam ja auch noch das Programm, das von schulischer Seite organisiert wurde: Werksbesichtigung bei Skoda, Besuche in Prag mit Stadtführung und Theater, Wandern im Böhmischen Paradies und vieles mehr.
Ehrlich gesagt hatten wir schon Angst, dass wir abends viel in den Familien sitzen werden und die Zeit nicht vergeht, aber wir haben schnell gemerkt, dass diese Befürchtungen völlig unbegründet waren.


Prag kennt man, aber sonst?

Wahrscheinlich denken sich manche Schüler: Was will ich denn in Tschechien? Es gibt doch viel spannendere Länder, die man besuchen kann! Wisst ihr, Tschechien liegt zwar genau neben Deutschland, aber irgendwie kennt man Prag ... und dann hört es auch schon auf. Aber dieses Land hat auch außerhalb von Prag Einiges zu bieten: blubbernden Boden in Soos (hier kann man gut beobachten, dass die Erde ständig in Bewegung ist), viel leckeres Essen (Oblaten, Trdelnik = traditionelles Zuckergebäck, das eigentlich aus der Slowakei kommt und in Tschechien an allen Ecken gefüllt mit Eis, Schokolade und mehr zu kaufen ist, mit Pflaumen gefüllte Buchteln) ...
Und all das eingebettet in eine unglaubliche Herzlichkeit, mit der wir nicht gerechnet hätten. Jeden Tag haben wir von unseren Gasteltern ein Lunchpaket bekommen, das eigentlich auch für vier Tage gereicht hätte.
Man hat gemerkt, dass die Tschechen wirklich und aufrichtig an uns, unserer Kultur und unserem Leben interessiert sind. Wir mussten zu unserer Schande gestehen, dass wir weitaus nicht alle Fragen, die sie zu Bamberg und seinen Sehenswürdigkeiten hatten, beantworten konnten.


Busfahrer Alois kennt sich aus

So haben sich schon in dieser einen Woche enge Freundschaften entwickelt und die Abfahrt mit unserem Busfahrer Alois (der den Austausch seit 25 Jahren fährt und Tschechien "kennt wie seine Westentasche") fiel uns ganz schön schwer. Aber wir konnten uns darauf freuen, dass ja schon ein paar Wochen später unsere tschechischen Austauschpartner zu uns nach Bamberg kommen.


Gemeinsames Vierteljahrhundert

Übrigens war es in diesem Jahr schon das 25. Mal, dass der Austausch stattfindet und wir hoffen, dass es mindestens noch 25 Jahre weitergeht!
Also habt keine Scheu, wenn ihr die Möglichkeit habt, bei einem Austausch mit einem Land mitzumachen, das im ersten Moment gar nicht so reizvoll auf euch wirkt. Sondern lasst es auf euch zukommen, und wir versprechen euch: Es lohnt sich!
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