KITZINGEN

Wolfgang Bosbach und sein Irrweg zur Fliegerklause

Das neue Schlappmaul reihte in Kitzingen Anekdote an Anekdote – in freie Rede voller Charme und Witz. Selten hat man einem Politiker so gerne zugehört.
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Kitzingen Helau; KiKaG Helau, Kölle Alaaf: Das neue Schlappmaul Wolfgang Bosbach (Bildmitte), Laudatorin Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger (links daneben) sowie das neue Moderatoren-Duo Rainer Müller (links) und Michael Schlander (rechts) ließen sich vom Publikum im Dekanatszentrum ausgiebig feiern.
Wann er politisch einer Meinung war mit Laudatorin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger von der FDP – da ist dem neuen Kitzinger Schlappmaul Wolfgang Bosbach auch bei intensivem Nachdenken nichts eingefallen. „Aber wir arbeiten auf der gleichen Baustelle: Für die Demokratie in unserem Land.“

Selten hat man einem Mann im Dekanatszentrum so gerne zugehört wie dem CDU-Politiker: Freie Rede voller Charme und Witz, Nachdenkliches gekonnt eingestreut, Anekdote auf Anekdote. Man konnte förmlich spüren, dass die Meisten nicht genug davon bekommen konnten. Gerade in schweren Zeiten müsse man feiern, unterstrich der 64-Jährige. „Und wählt bitte nie jemand, der nicht lachen kann. Sonst habt ihr hinterher nichts zu lachen.“

Gift in den Tee

Wie gut Humor und Politik zusammenpassen, erläutert Bosbach anhand von Winston Churchill: Eine Abgeordnete habe dem britischen Premier einst im Unterhaus zugerufen: „Wenn Sie mein Mann wären, würden ich Ihnen Gift in den Tee mischen.“ Er habe daraufhin ruhig entgegnet: „Wenn Sie meine Frau wären, würde ich ihn trinken.“

Die schrägste Geschichte jedoch war jene einer Irrfahrt zum Flughafen Münster-Osnabrück: Bosbach musste eilig zu einer Talkshow nach Berlin, ein Freund mit nagelneuem Mercedes und Navi sollte ihn zum Privatflieger bringen. Statt am Flughafen landete das Duo irgendwo im Wald: Vor ihnen die „Fliegerklause“, in der ein Chor probte, gegenüber eine alte Rollbahn hinter Zaun und Stacheldraht. „Der Letzte, der hier abgeflogen ist, war Göring“, habe einer der Sänger lachend kundgetan.

Ein Navi aus dem Dritten Reich

Und jetzt kommt Oliver Tissot ins Spiel, der sich bei seiner scharfzüngig-hintersinnigen Rede zu später Stunde über zwei Dinge an Bosbachs Geschichte wunderte: „Man fragt sich, von welchen Freunden lässt sich der Mann fahren? Und auch, warum ein neuer Mercedes ein Navi mit Karten aus dem Dritten Reich hat.“

Bosbach und Tissot, das waren die Abräumer bei der rundum gelungenen, erst weit nach Mitternacht beendeten Rosenmontagssitzung. Angefangen vom neuen Schlappmaulsong (Melodie: „Wenn et Trömmelche jeht“) über die tollen Garden und Büttenredner bis zum neuen Moderatoren-Duo – selbst der Rheinländer Bosbach kam aus dem Staunen nicht heraus: „Ein Riesenkompliment. Köln und Umgebung halten sich ja immer für den Mittelpunkt der Welt. Doch Kitzingen ist mindestens auf Augenhöhe.“

Fränkische Sprache beeindruckt

Einen Elferrat mit 15 Personen (vier Wiesentheider Gäste waren mit von der Partie) habe nicht mal Köln zu bieten. „Bei uns im Rheinland ist der Karneval von der Musik dominiert. Hier hat mich die Sprache beeindruckt, das Fränkische.“

Das dürfte insbesondere dem Steigerwälder Indianer Oti Schmelzer gegolten haben, der das neue Schlappmaul „als Merkels Quälgeist“ bezeichnete und seinen alten Spruch „Gott schütze unser Land, vor Pfarrerstöchtern aus Ostdeutschland“ hinterher schob.

Bosbach lachte herzlich, als sich der erst 16-jährige Marco Breitenbach über die Tücken seines Tanzkurses ausließ, und zur Krönung des Ganzen auch noch einen Walzer mit Bosbachs Bundestags-Kollegin Anja Weisgerber auf der Bühne hinlegen „durfte“.

„Witzig, originell, attraktiv“ sei der Abend gewesen, so Bosbach. Und bei Letzterem outet sich der Charmeur als Fan von Christina Schneider aus Nordheim. „Gerade sucht Heidi Klum wieder 'Germanys next Topmodel'. Ich rate ihr: Schau dir die Fränkische Weinkönigin an, und du hast dein Model gefunden.“

Chlodwig und die Römer

Das kam an, während die Reaktionen auf die Laudatio von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ziemlich verhalten waren: Pfiffig war die Idee zweifelsohne, Schlappmaul Bosbach zu einem Franken zu machen, dafür Römer, Alemannen, Franken-König Chlodwig sowie eine Schlacht bei Zülpich als Beleg anzuführen.

Indes fiel es den Zuhörern nicht eben leicht, den Rochaden der FDP-Politikerin zu folgen, die ihren ausgeklügelten Vortrag im Urlaub auf Lanzarote erarbeitet hatte. Jedoch: Frenetisch bejubelt wurde ihr Satz, dass sie verwundert sei, wieso Bosbach erst jetzt zum Schlappmaul gekürt worden ist. „Er kommt bei jeder Wahl auf über 60 Prozent Stimmen. Ich nur auf vier bis sieben.“

Als Mensch und Karnevalist

Im Herbst tritt Bosbach nicht mehr zur Bundestagswahl an, hört als Abgeordneter auf. Es habe ihn sehr gefreut, weniger als Politiker, sondern als Mensch und Karnevalist zum Schlappmaul gekürt worden zu sein. „Sicher ist: Die letzte Plenarsitzung wird einfacher für mich werden als die letzte Karnevals-Sitzung.“ Das macht Lust auf seine Laudatio 2018.

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