GROßLANGHEIM

Wie Polizeihunde die Verbrecherjagd üben

Die speziell ausgebildeten Spürnasen sind bei bestimmten Einsätzen unersetzlich. Aber nur eine gründliche Ausbildung ermöglicht Erfolge.
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Florian Ehbets (im Vordergrund) hat seinen Diensthund losgelassen, damit er den Täter überwältigt. In diesem Fall handelt es sich allerdings um eine Übung, der „Täter“ ist ein Polizist.
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Eine Polizeistreife will nach einem Einbruch ein verdächtiges Fahrzeug kontrollieren. Der Fahrer gibt Gas und flüchtet mit seinem Auto über Feldwege in ein angrenzendes Waldstück: So etwas ist Polizeialltag, passiert jeden Tag irgendwo im Land.

Als die Streife im Wald ankommt, stehen an dem Auto die Türen offen; die Insassen sind zu Fuß in den Wald geflüchtet. Wenig später lässt ein Diensthundeführer seinen Kollegen auf vier Pfoten los, der Witterung im und am Auto aufnimmt und zielstrebig auf eine Lichtung zuläuft.

Unterwegs macht der Hund auf einen Rucksack aufmerksam, indem er sich daneben legt. Der Rucksack ist ein Teil der Beute, die die Einbrecher weggeworfen haben. Damit weiß der Diensthundeführer, dass die Polizisten auf dem richtigen Weg sind. Mehrere Beamte folgen dem Hund, der in einem Dickicht zwei Personen aufspürt und anbellt.

Hunde finden Geld und Drogen

Perfekt – die Übung ist zu Ende. Michael Dahm, Leiter der Diensthundeführergruppe Würzburg, ist zufrieden mit dem Ergebnis. Dahm stehen mit Bernd Geisel und Thorsten Pfister zwei Ausbilder zur Verfügung, die sich um die 13 Diensthundeführer kümmern.

Die Ausbildung ist hart: Woche für Woche wird für besondere Einsätze trainiert. Heute ist Taktikschulung im Wald bei Großlangheim. Dort darf die Polizei den Übungsplatz des örtlichen Schäferhundevereines nutzen. Das Einsatzgebiet dieser Sondereinheit ist groß: Es reicht vom Landkreis Kitzingen über Stadt- und Landkreis Würzburg bis in den Spessart.

Genauso vielfältig sind die Aufgaben, die auf die Hunde und ihre Führer zukommen. Im Mai 2017 war die Gruppe erfolgreich an der Lösung eines großen Rauschgiftfalls im Landkreis Kitzingen beteiligt, wo mehrere Personen festgenommen worden sind. Es gab Hinweise auf einen Rauschgiftring, mehrere Wohnungen wurden durchsucht: Neben Rauschgift im Kilobereich wurde bei einem Dealer knapp 500 000 Euro Bargeld sichergestellt.

Der Drogenfund und die Sicherstellung des Bargeldes, das unter dem Fußboden versteckt war, ist auch den ausgezeichneten Nasen der Spürhunde zu verdanken. „Unsere Rauschgifthunde werden mittlerweile auch auf das Erkennen von Bargeld trainiert“, erklärt Dahm, „denn häufig werden die Gewinne aus Rauschgiftgeschäften, wie in diesem Fall, im privaten Umfeld versteckt.“

Zwischenzeitlich haben die Ausbilder eine weitere Übung vorbereitet: Ein im Wald gestellter „Einbrecher“, ein in einen dicken Schutzanzug eingepackter Polizeibeamter, will sich nicht ergeben. Er schwingt ein Holzbeil und bedroht seine Verfolger.

Florian Ehbets ruft den Mann laut an: „Polizei! Lassen Sie die Waffe fallen und setzen sie sich auf den Boden. Oder ich lasse den Hund los!“ Unbeirrt geht der Täter weiter auf die Beamten zu. Drohend schwingt er dabei das Beil.

Biss in den waffenführenden Arm

Jetzt lässt der Hundeführer seinen Vierbeiner von der Leine und gibt ein Kommando. Sofort ist dieser bei der Person, springt hoch, verbeißt sich in den waffenführenden Arm und reißt den Täter zu Boden. Die Aktion dauert nur Sekunden und ist Teil eines jahrelangen, immerwährenden Übens, wie Ausbilder Bernd Geisel erklärt.

„Jeder Erfolg ist eine Teamleistung von Herr und Hund. Der Beamte muss aus dem Verhalten seines Hundes lesen können, was dieser im nächsten Moment vorhat. Jeden Blick, jedes Bellen muss er sofort interpretieren und entsprechend reagieren“, so Geisel weiter. „Das ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Thorsten Pfister geht auf das besondere Verhältnis zwischen Tier und Mensch ein: „Jeder von uns hat seinen Diensthund immer bei sich, auch zum Feierabend. Der Hund wohnt mit im privaten Umfeld, ist Teil der Familie.“

Ruhestand mit Nachfolger

Chef Michael Dahm ergänzt: „Ein Diensthund geht im elften oder zwölften Lebensjahr in Pension. Laut Vorschrift gilt er dann als dienstuntauglich“. Dennoch bleibt der Hund bei seinem Herrchen, verbringt seine letzten Jahre in gewohnter Umgebung.

Laut Dahm bekommt der Hundeführer dann einen neuen, jungen Diensthund. Und der könne im Idealfall ein wenig von der Erfahrung seines Vorgängers profitieren.

Polizeihunde in der Region

Das Polizeipräsidium Unterfranken hat drei „Operative Ergänzungsdienste (OED)“, die in Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg stationiert sind und die Dienststellen bei besonderen Einsätzen unterstützen. Jede der drei Stationen hat neben weiteren Spezialeinheiten auch eine Diensthundegruppe.

Die Polizeihunde haben neben einer normalen Schutzhundeausbildung noch Spezialausbildungen wie Rauschgift- und Bargeldspürhund, Sprengstoffhund, Brandmittelspürhund, Leichen-/Wasserleichensuchhund und Hunde für besondere Einsätze (SEK Hunde). In Südbayern gibt es noch Alpinhunde. Polizeihunde sind in Bayern fast ausschließlich Schäferhunde beziehungsweise Belgische Schäferhunde.

 
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