KITZINGEN

Weit mehr als nur Theorie

Schneiden mit dem C02-Laser, Qualitätskontrolle mit dem digitalen Auflichtmikroskop, zerstörungsfreie Materialuntersuchung, CAD-Konstruktion und 3D-Drucker: Das neues Schülerlabor am Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen schlägt Brücken zu Wirtschaft und Forschung.
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Yannik Litschko arbeitet am Schweißgerät. Bei seinem Praktikum bei Franken-Guss waren seine Vorkenntnisse aus dem Gituma-Kurs ein klarer Vorteil.
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Benjamin Guth hat schon Routine. Ein paar Tastendrucke, dann ist die Programmierung erledigt. Der CO2-Laser setzt sich in Bewegung, brennt das Wörtchen „Test“ in eine Sperrholzplatte. Eine kleine technische Vorführung, wie man sie in einem Betrieb erwarten würde. Tatsächlich aber findet sie im Schülerlabor des Armin-Knab-Gymnasiums statt.

Gituma heißt das neue Schülerlabor am AKG, das am 24. Juli feierlich eröffnet wird. Damit ist aus einer Idee, die Lehrer Martin Schwab vor etwa zehn Jahren hatte, eine wegweisende Einrichtung geworden. Gituma verbindet das Gymnasium mit der Welt der Technik und Forschung, mit Betrieben vor Ort und mit anderen Schulen. Schon immer waren Schüler sehr eng eingebunden, so Simon-Rene Beier, der seit der 7. Klasse mit dabei ist und jetzt, nach seinem Abitur, die Gruppe mit leitet.

Die Abkürzung „Gituma“ steht für Gießereitechnik und Metallverarbeitung. Während es anfangs beim Wahlkurs vor allem um traditionelle Gießereitechnik ging, ist das Arbeitsfeld inzwischen stark angewachsen. „Da gibt es viele Anknüpfungspunkte“, sagt Chemielehrer Martin Schwab. Die Modellherstellung, zum Beispiel. Das Gießen der Form in Silikon über mehrere Schritte ist der eine Weg. „Der 3D-Drucker ist die moderne Variante.“ Ein solcher steht, neben zahlreichen anderen Geräten, in den Räumen des Schülerlabors. Das Modell ist schon etwas älter, doch die Ausschreibung für ein hochmodernes läuft bereits.

Die Gituma-Räume wirken nicht wie Klassenzimmer, und das ist wenig verwunderlich. Denn hier geht es nicht um Unterricht mit Beamer oder Whiteboards. Es geht um zerstörungsfreie Materialuntersuchung. Temperaturmessung bis 2000 Grad Celsius. Qualitätskontrolle durch ein digitales Auflichtmikroskop mit Messeinrichtung. Schneiden und Markieren verschiedenster Materialien durch Einsatz eines CO2-Lasers. Hochmoderne Technik ist es, die in die Räume des Schülerlabors am AKG eingezogen ist beziehungsweise noch einzieht. Finanziert über wichtige Stiftungen (Wilhelm und Ilse Heraeus-Stiftung, Hanau, und Rütgers-Stiftung, Castrop-Rauxel) und Sponsoren, aber auch über die Leader-Plus-Förderung der EU. Insgesamt wurden und werden in naher Zukunft 120 000 Euro investiert.

Kooperation mit anderen Schulen

Die Geldgeber und Vertreter der regionalen Wirtschaft werden bei der offiziellen Eröffnung natürlich dabei sein, aber auch Vertreter anderer Schulen. Denn das neue Schülerlabor ist nicht ausschließlich für das AKG gedacht. Andere Schulen können es in freiwilligen Kursen am Nachmittag nutzen. Die Staatliche Realschule Kitzingen hat in dieser Woche den Anfang gemacht, auch mit der Mittelschule Siedlung und der Berufsschule Neustadt/Aisch gibt es bereits eine Partnerschaft.

Durch Gituma kommen die Schüler nicht nur mit der Technik in Kontakt. „Natürlich erkläre ich als Lehrer die chemischen und physikalischen Hintergründe“, so Martin Schwab. Die Schüler erfahren nicht nur, dass ein CO2-Laser schneidet oder mit Hilfe von Induktion Metall geschmolzen werden kann, sondern auch warum und wie das funktioniert. Schwab übernimmt die Theorie und die Gefahreneinweisung, die Mitglieder der Gituma-Gruppe arbeiten praktisch mit den Schülern der anderen Schulen.

Schon alleine das zeigt, dass das Engagement der Gituma-Gruppe weit über die offiziell angesetzten zwei Wochenstunden hinaus geht. „Wir sind viel öfter hier“, sagt Melissa Ölschläger, „oft sogar abends oder nachts“. Zum Beispiel, wenn Projekte oder Vorführungen wie die „Nacht der Metalle“ vorbereitet werden.

Melissas Spezialgebiet ist das Elektronenmikroskop. Was auf dem Computerbildschirm wie ein Netz aus unzähligen ungeordneten Linien erscheint, ist ein pilzbefallenes Erdbeerblatt. Riesig ist der winzige Knoten in einem einzelnen Haar zu sehen. Komplex die Struktur des getrockneten Salbeis. „Das Elektronenmikroskop kann man in die Gießerei einbinden, indem man schaut, was mit den Materialien passiert oder wie sie aufgebaut sind“, erklärt Melissa, die seit einem Jahr bei Gituma mitmacht.

Yannik Litschko ist schon viel länger dabei. Gemeinsam mit Fabian Ekrutt, Simon-Rene Beier, Tobias Reichert und Benjamin Guth zeigt er, welche Schritte nötig sind, um eine Muschel anhand einer Vorlage aus der Natur in Metall zu gießen. „Brille auf“, sagt er zu den Umstehenden, bevor er sich ans kleine Schweißgerät setzt, um eine Öse an der Metallmuschel zu befestigen. Bei der Arbeit Vorsicht walten zu lassen, ist für die Schüler selbstverständlich. Deshalb traut Martin Schwab ihnen auch zu, mit 500 Grad heißem Zinn zu arbeiten. „Die können das.“

Dass sie bei Gituma schon viel gelernt haben, hat sich für Yannik und Tobias beim Pflichtpraktikum ausgezahlt, das sie in diesem Jahr absolvieren durften. Beide haben bei Frankenguss gearbeitet, einem langjährigen Partner des Schülerlabors, und konnten dort weit mehr machen, als andere Praktikanten ohne Vorkenntnisse. Yannik kann sich durchaus vorstellen, Gießereitechnik zu studieren. Simon-Rene Beier hat sich bereits für diesen Studiengang entschieden.

Für viele Bereiche nützlich

Aus Gesprächen mit der Firmenleitung weiß Elternbeiratsvorsitzenden Ralf C. Meier, dass Frankenguss das Engagement der Schule in Sachen Gießerei und Metallverarbeitung sehr begrüßt. Für ihn ist das ein klares Zeichen, dass das Schülerlabor tatsächlich eine Brücke zur regionalen Wirtschaft schlägt. „Normalerweise wird den Gymnasien ja immer vorgeworfen, sie seien zu theoretisch“, sagt er. „Hier wird praktisch gearbeitet. Und man sieht die Begeisterung der Schüler dabei.“ Das Schülerlabor biete Möglichkeiten, die es sonst in der Schule nicht gibt. Man lerne Techniken kennen, die in vielen Bereichen benötigt werden, „egal ob Maschinenbau oder Architektur“.

Dass die finanzielle Unterstützung von Sponsoren, Stiftungen und Leader-Plus die erweiterte und verbesserte Ausstattung des Labors möglich gemacht hat, freut Martin Schwab und Ralf Meier natürlich. Trotzdem hoffen beide auf weitere Partnerschaften mit Sponsoren und örtlichen Firmen. Vielleicht wird diese Hoffnung schon bei der Eröffnung am 24. Juli erfüllt.

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