IPHOFEN

Wein und Bier in einer Flasche

Nicolas Olinger hat Spaß an Experimenten. Also braut er zusammen mit einem Nürnberger Spezialisten ein Grapeale.
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Wohl bekomm's: Nicolas Olinger und seine Schwester Christina schenken sich ein Grapeale ein.
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Bier und Wein? In einer Flasche? Nicolas Olinger nickt. Zusammen mit dem Nürnberger Brauer Felix vom Endt hat der Iphöfer Winzer ein Craft-Beer entwickelt. Der Name: Grapeale.

Die Bahnhofstraße in Iphofen: Gegenüber dem Zehntkeller steht ein schmuckes Ensemble. Die Gebrüder Müller haben es vor rund 60 Jahren übernommen und mit dem Weinhandel begonnen. Der 29-jährige Nicolas Olinger führt den Betrieb in dritter Generation. Dass ihr Enkel einmal Bier und Wein in einem Getränk vereint, hätten sich die Großeltern wohl nicht einmal im Traum einfallen lassen. Es schäumt ganz ordentlich im Glas. Das Grapeale hat eine goldene Farbe. „Es schmeckt ein wenig wie Sauerbier“, sagt Nicolas Olinger. Und tatsächlich: Lieblich ist das Grapeale nicht. Hefe schmeckt man, erst im Abgang kommt der Weingeschmack zur Geltung. „So soll es auch sein“, sagt Nicolas Olinger.

Nach dem Abitur hat er seine Winzerausbildung gemacht, war ein Vierteljahr in Neuseeland, hat eine Sommelier-Ausbildung in Berlin absolviert und steht jetzt kurz vor seinem Abschluss des Weinwirtschaftsstudiums in Geisenheim. Die Idee fürs Grapeale ist ihm zum ersten Mal in Hamburg gekommen. Während eines neunwöchigen Praktikums hat er bei einem Bierhändler gewohnt, ist immer wieder mal zu Verkostungen eingeladen worden. Zurück in Iphofen war die Idee geboren: Bier und Wein in einer Flasche. Es fehlte nur noch der richtige Partner.

Über die sozialen Netzwerke hat Nicolas Olinger den Nürnberger Brauer Felix vom Endt kennengelernt. „Er war von der Idee gleich angetan“, erinnert sich der Iphöfer. Ein erstes Treffen, ein schneller Entschluss. Die Weinlese 2017 sollte den Grundstock für das erste Grapeale legen. Für Nicolas Olinger kam nur der Silvaner als Grundlage in Betracht. Abstriche in der Traubenqualität wollte er auch für das Wein-Bier-Getränk nicht eingehen. Die Trauben sollten vollkommen gesund und ausgereift in den Brausud kommen.

Mitte Oktober reiste der Nürnberger Brauer nach Unterfranken, um bei der Handlese zu helfen. Das Stilgerüst wurde entfernt, die Trauben nochmals selektioniert und erst dann dem Brausud zugegeben. „Ich wollte die echten Silvaner-Aromen zugeben“, erklärt der 29-Jährige.

Drei Monate reifte der Sud, dann konnten die ersten Flaschen abgefüllt werden. Ihren Freunden und Bekannten haben der Winzer und der Braumeister das Grapale zuerst kredenzt. Die Reaktionen? „Spannend“, sagt Nicolas Olinger, und seine Schwester Christina, die Marken- und Medienmanagement studiert hat und ihren Bruder im Marketing unterstützt, ergänzt: „Man sollte schon ein Fan von Craft-Beer sein, um das Grapeale richtig genießen zu können.“

Ein paar Anfragen aus der Würzburger Gastronomie lägen bereits vor, erzählt der 29-Jährige. In seinem Weingut kann das Craft-Beer ab sofort gekauft werden. Zehn Euro kostet die 0,75-Literflasche.

Nicolas Olinger will das Projekt im kommenden Jahr auf jeden Fall weiterführen. Eventuell versucht er es dann mit einer anderen Rebsorte als Basis. Einem fruchtigen Bacchus oder einem eleganten Riesling. Sorgen um seinen guten Ruf als Winzer hat er nicht. „Wir sind ein Weinbaubetrieb und bleiben auch einer“, sagt er. „Aber es macht Spaß, auch mal was Neues auszuprobieren.“

Bezeichnung: Laut deutschem Lebensmittelrecht darf Bier nur als Bier bezeichnet werden, wenn die Grundzutaten Malz, Wasser, Hefe und Hopfen enthalten sind. Da Trauben in der Gärung verwendet wurden, ist das Grapeale laut Lebensmittelrecht kein Bier mehr. Es handelt sich vielmehr um ein alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk auf Malzbasis mit Trauben.

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