KITZINGEN

Von schweren Schäden verschont

Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume: Das Sturmtief Burglind wütet auch in Franken. Der Landkreis Kitzingen kommt glimpflich davon. Die Pegel des Mains und der Bäche aber steigen.
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Der Blick durch die Windschutzscheibe war alles andere als klar: Der starke Regen am Mittwochfrüh erschwerte die Fahrt zur Arbeit.
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Was für ein unpassender Name. Burg steht für Zufluchtsstätte und Schutz, lind für milde, freundlich, sanft und weich. All das war das Sturmtief Burglind nicht, das gestern über das Land fegte, Dächer abdeckte, Bäume umriss und Überschwemmungen mit sich brachte. Der Landkreis Kitzingen kam mit einem blauen Auge davon.

Die Wischblätter im Auto kamen selbst auf höchster Stufe nicht gegen die Wassermassen an, die am Mittwoch viele auf der Fahrt zur Arbeit begleiteten: Zwischen 8 und 9 Uhr schlug das erste Sturmtief des Jahres 2018 auch im Landkreis Kitzingen zu. Heftige Windböen fegten über die Landschaft. Größere Schäden waren allerdings nicht zu beklagen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte zuvor mehrfach gewarnt, zunächst vor schweren Sturmböen, dann vor schwerem Gewitter und sogar vor Orkanböen. Die Bürger wurden aufgefordert, Fenster und Türen zu schließen, sich von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen entfernt zu halten und wenn möglich den Aufenthalt im Freien zu vermeiden. Am Spätnachmittag wurde erneut vor schweren Gewittern gewarnt.

Ab 7.45 Uhr gingen bei der Einsatzzentrale der Unterfränkischen Polizei nahezu im Minutentakt Meldungen über umgestürzte Bäume und Verkehrsbehinderungen ein, meldete Pressesprecher Michael Zimmer. Bei den knapp 50 Einsätzen ging es vor allem um umgestürzte Bäume und herabgefallene Dachziegel im Raum Aschaffenburg und im Landkreis Main-Spessart. Auf Höhe der Anschlussstelle Bessenbach/Waldaschaff stürzte ein entwurzelter Baum auf die A3. Ein Lkw-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte mit seinem mit 15 Tonnen Metallrohren beladenen Sattelzug gegen das Geäst. Der Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt. Der Lastzug musste abgeschleppt werden. Die Feuerwehr kümmerte sich unter anderem um das Entfernen des Baumes von der Fahrbahn.

Im Landkreis Bamberg sorgte eine Windhose für schwere Schäden. Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt, eine Scheune in einem Pommersfeldener Ortsteil komplett zerstört.

Die Feuerwehren im Landkreis Kitzingen dagegen blieben von Einsätzen verschont. „Mein Piepser hat geschwiegen“, meldete Kreisbrandrat Roland Eckert erfreut und auch Matthias Gernert, stellvertretender Kommandant der Kitzinger Feuerwehr, bestätigte: „Es blieb alles ruhig. Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

Die Kitzinger Polizei hatte nur wenige Vorfälle zu verzeichnen, die mit dem Sturmtief Burglind in Zusammenhang standen. Eine Straße wurde kurzzeitig leicht überschwemmt, Äste lagen auf einer Straße und zwischen Prichsenstadt und Geesdorf stürzte ein Baum um und blockierte die Straße halbseitig. Zu Schaden kam dabei niemand, wie Polizeihauptkommissar Helmut Dürr von der PI Kitzingen mitteilte.

Verbunden waren die Sturmböen mit zum Teil heftigen Niederschlägen. In der Rhön kam es aufgrund großer Niederschlagsmengen zu überschwemmten Straßen und Gehwegen. Der Main trat zwar noch nicht über die Ufer, doch der Wasserspiegel stieg deutlich an. „Die Tendenz geht nach oben“, sagte Ulrich Popp, der für den Landkreis Kitzingen zuständige Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt. Es könne durchaus sein, dass sich ein „häufiges“ Hochwasser aufbaue, also ein Pegel, wie er etwa alle fünf Jahre vorkommt. Von einer „dramatischen“ Situation wollte Popp gestern aber nicht sprechen. Die Entwicklung hängt davon ab, ob und wie stark es weiterhin regnet. „Das ist schwer zu sagen.“

Auf die Schifffahrt hat der Wasserstand des Mains allerdings wohl schon am Donnerstag Auswirkungen: Das Wasser- und Schifffahrtsamt rechnet damit, dass der Schiffsverkehr im Lauf des Tages eingestellt werden muss. Einige Fähren fuhren bereits am Mittwoch nicht mehr.

Nicht nur am Main waren steigende Pegel zu verzeichnen, sondern auch bei den Zuläufen wie der Schwarzach und dem Castellbach. Beide fließen durch das Gebiet der Dorfschätze-Gemeinden, die am 31. Mai 2013 massiv von Hochwasser betroffen waren. Alfons Saugel, 2. Bürgermeister von Prichsenstadt, hat sich gestern Vormittag ein Bild von der Lage im Raum Prichsenstadt gemacht. Probleme habe es nur an einer Stelle gegeben, nämlich wo die Schwarzach die Kreisstraße bei Neuses am Sand quert. Der Kreisbauhof sei vor Ort gewesen. „Wir sind in Bereitschaft“, sagt der 2. Bürgermeister, doch so schlimm wie 2013 werde es nicht werden.

Fakt ist, dass die Böden derzeit durchnässt sind. Schon im Dezember hätten teils Pfützen auf den Flächen gestanden, informiert Thomas Karl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Zu hoch hängen will Karl das nicht, „das hat es schon immer gegeben“. Falls es aber weiterregnet und diese Woche tatsächlich, wie von den Meteorologen gemeldet, 50 Liter Niederschlag zu verzeichnen sind, wäre das mehr als der Schnitt eines normalen Januars. „Dann kann es schon zu Nässe oder einem leichten Hochwasser kommen.“

Für die Landwirtschaft sei das aber kein großes Problem, da derzeit die Vegetation ruhe und die Felder nicht befahren werden. Lehmböden wie in Euerfeld und Willanzheim, sowie Sandböden wie beispielsweise in Prichsenstadt, mache der Niederschlag nichts aus. Die meisten Böden im Landkreis Kitzingen würden die Niederschläge gut verkraften. „Außerdem haben wir ja immer noch einen relativ niedrigen Grundwasserstand“, gibt Karl zu bedenken. Wenn es gemäßigt weiter regne und nicht so heftig wie am Mittwochfrüh, könne das Wasser gut in die Böden einziehen. Nur wo der Boden stark verdichtet oder der Tongehalt hoch sei, wie beispielsweise bei Geiselwind oder Abtswind, könne es eventuell vorkommen, dass bereits stehendes Getreide „absaufe“.

Über Schäden spekulieren will Karl nicht, dazu sei es zu früh. „Sicher gibt es die eine oder andere Fläche, auf der das Wasser steht. Aber so ein Problem wie die Menschen im Norden haben wir längst nicht.“

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