DIE WOCHE

Von gefühlten und von echten Krisen

Natürlich kommt diese Woche nicht ohne das Theater bei Bayern Kitzingen aus. Unser Autor blickt vor und hinter die Kulissen – und entdeckt dabei eine Reihe Kuriositäten.
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Es brennt also wieder mal der Baum bei den Bayern. Keine Einheit auf dem Platz, von divenhaften Ausrastern ist da zu lesen, von Respekt- und Disziplinlosigkeiten. Und dann der Satz „Wir müssen uns alle hinterfragen.“ Das ist das Vokabular der Krise, und mancher fragt sich zu Recht: Von wem ist da eigentlich die Rede? Tatsächlich von jenen Bayern, die am Dienstag in der Champions League mit 3:0 gegen Anderlecht gewonnen haben? Der Befund könnte ebenso gut zu den Bayern aus Kitzingen passen.

Als ich am Donnerstag in dieser Zeitung den Bericht über den FC Bayern las, musste ich an das Gespräch denken, das ich am Vorabend mit Kabil Jabiri geführt hatte. Auch er benutzte Begriffe, wie sie im Artikel über die Münchner auftauchten, Begriffe, die auf eine veritable Krise deuten. Mit dem Unterschied: Seine Bayern haben eben nicht gewonnen, seine Bayern befinden sich im freien Fall, ja, sie bangen um ihre sportliche Zukunft. Nach erst sechs Spieltagen ist die Frage nicht, wie die Kitzinger die Runde in der Bezirksliga zu Ende bringen, sondern nur noch, ob sie es schaffen.

Der Mannschaft ist Anfang dieser Woche nicht nur der Trainer abhanden gekommen, sie hat in den Tagen davor und danach auch Teile ihres Personals verloren – unter teils skurrilen Umständen, die irgendwie zu der misslichen Lage passen: Dem einen fiel plötzlich ein, dass ihm die Entfernung zwischen Kitzingen und seinem Wohnort doch etwas zu weit sei – ein anderer, vor der Saison aus der Kreisliga gekommen, vermochte es nicht mit seinem Status zu vereinbaren, dass er vergangenen Samstag beim wichtigen Spiel gegen Hain zunächst auf der Bank sitzen sollte. So packte er noch während des Aufwärmens seine sieben Sachen und ging. Was für ein Held!

Man muss sich nicht wundern, dass einen Stoiker wie Björn Auer die Wut und der Frust packten. Dass er, der dem Klub nach Trainerwechseln in den letzten zwei Jahren zweimal aus der Bredouille half, die Lust am Untergang verlor; zumal der Rest, der auf dem Platz stand, nicht den Eindruck erweckte, sich für den Verein zu zerreißen, sondern wirkte wie die Piloten bei Air Berlin: in den Ausstand getreten.

Hat diese Mannschaft eigentlich verstanden, worum es derzeit bei den Bayern geht? Man hat so seine Zweifel – und so fordert der erst vor neun Monaten noch zu Landesligazeiten ins Amt gekommene Sportleiter Kabil Jabiri denn auch eine rasche Reaktion von der Mannschaft. Dabei war Mitte dieser Woche noch nicht einmal klar, ob die Bayern fürs folgende Spiel in Kahl überhaupt eine Elf auf die Beine bringen würden.

Vielleicht dachte Jabiri, er sei bereits in der Krise zu den Bayern gekommen. Dann muss er nun einsehen, dass ihm das Schlimmste erst bevorsteht. Mancher sagt, nun sei er die ärmste Sau am Bayernplatz, weil nach Auers Abgang die ganze Arbeit auf ihm laste. Im Sommer hatten er und Auer auf die Schnelle einen Ka-der geschmiedet, um überhaupt für die Bezirksliga gerüstet zu sein. Allzu wählerisch konnten sie nicht sein bei ihrer Kandidatenkür. Dies rächt sich nun. Jabiri, der Außenminister des Klubs, spricht diplomatisch von „unterschiedlichen Charakteren“ in der Mannschaft. Jeder weiß, was damit gemeint ist.

Wen aber will man verantwortlich machen für die Situation, außer denen, die jede Woche auf dem Platz stehen und das Trikot Bayern Kitzingens tragen – offenbar ohne zu realisieren, welche Tradition auch sie verkörpern? Sie sind nun in der Pflicht, den Stolz dieses Klubs zu verteidigen. Es ist ein letzter Dienst, den sie ihrem taumelnden Verein er-weisen können.

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