VOLLEYBALL: BAYERNLIGA NORD MÄNNER

Volkach vertagt den Aufstieg

Noch einmal lässt sich Volkach von Lengfeld nicht vorführen. Nach dem Sieg am letzten Spieltag will das Team der Saison nun die entscheidende Wendung geben.
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Hochbetrieb am Netz: Der Volkacher Peter Link (ganz hinten) hebt den Ball über den Lengfelder Zwei-Mann-Block.

Irgendeiner singt immer. Mal sind es die Menschen auf dieser Seite der Halle, mal die auf der anderen Seite. Mal sind es die Spieler auf dem Feld. Und bestenfalls sind es alle gemeinsam in einem vielstimmigen schrägen Chor. Wüsste man es nicht besser, man könnte meinen, es gehe nicht um Meisterschaft und Verbleib in der Volleyball-Bayernliga Männer, sondern an einem Abend, an dem in Deutschland und bei RTL mal wieder der Superstar gesucht wird, auch um eine Art Songcontest. „Nur noch vier bis zum Bier!“, tönt es Samstagnacht in der Würzburger Kürnachtalhalle. Um 21.11 Uhr erheben sich die Fans des VfL Volkach von ihren Stühlen in der ersten Reihe am Netz, Sekunden später huldigen sie dem Sieger dieser Partie.

Volkach hat den TSV Lengfeld mit 3:0 bezwungen und sein Möglichstes getan, am letzten Spieltag doch noch Meister zu werden. Aber es hat nicht gereicht. Rasch verbreitet sich unter Fans und Spielern die erwartete Kunde – dass auch der BSV Bayreuth sein Spiel gewonnen und die Tabellenführung verteidigt hat. Volkachs Trainer Raimund Wagenhäuser schickt nach dem Spiel Grüße und Glückwünsche nach Oberfranken. „Sie sind verdient Meister geworden.“

Und sein Team? Als Zweitem bleibt ihm immerhin die Relegation, um nach drei Jahren Bayernliga den nächsten Schritt zu machen: nach oben in die Regionalliga. Es wäre auch für Wagenhäuser noch einmal ein Höhepunkt. Er wird nach der Saison aufhören, nach neunzehn Jahren als Trainer und Förderer dieser Mannschaft.

Der Aufstand fällt aus

Die Nacht in Lengfeld, das Treffen mit dem Lokalrivalen hat ihm noch einmal alles abverlangt. „Wir haben Lengfeld klar beherrscht“, wird er am Ende des Tages sagen. Kaum mehr als eineinviertel Stunden sind nötig, um einen Gegner in die Knie zu zwingen, der im Hinspiel noch erfolgreich den Aufstand geprobt und dem VfL beim 2:3 eine empfindliche Niederlage zugefügt hat. Und obwohl das Ergebnis Bände spricht, muss Volkach zeitweise um seinen Erfolg bangen.

Der erste Satz ist eine sehr zähe Angelegenheit, in der sich beide Rivalen lange belauern. Volkach ist die Nervosität anzumerken, das Spiel gewinnen zu müssen, und dies auch noch deutlich, um Bayreuth im Titelrennen einholen zu können.

Als die als Spätzünder bekannten Lengfelder plötzlich mit 19:16 nach vorne preschen, schwant Wagenhäuser Ungemach. Er ruft die Seinen zur Auszeit zusammen, kurz darauf steht es 20:20. Jetzt setzen Peter Link und Tim Schumacher jeweils ihre Angabe ins Netz, etwas ratlos blicken sich die Volkacher an, aber Lengfeld macht es nur wenig besser. Einen ersten Satzball können die Gastgeber noch abwehren – den zweiten nutzt Volkach, um den Satz mit 26:24 zu gewinnen.

Aufatmen bei Wagenhäuser und den vielen VfL-Fans unter den rund hundert Zuschauern. Die sind lange hin- und hergerissen zwischen befremdlichen und betörenden Augenblicken. Mitten hinein in die eigene Verwirrtheit streut Volkach – nach keinem erkennbaren Muster – hinreißende Angriffszüge.

Im zweiten Satz gewinnt das Spiel des VfL an Konturen und an Linie, es wird strukturierter, variantenreicher und konstruktiver. Volkach führt von Beginn an, mal 10:7, dann 17:13 und später 23:15. Aber die Mannschaft ist weiterhin von spielerischer Extraklasse entfernt. Nie gerät sie in den Flow dieses traumsicheren Kombinationsspiels, das sie in dieser Saison schon öfters ausgezeichnet hat.

Das ist auch gar nicht nötig gegen diese Lengfelder, die sich zeitweilig erfolgreich um Widerstand mühen, aber sich viel zu viele Fehler leisten und nicht gerade ein Gegner zum Fürchten sind. Auch diesen zweiten Satz holt sich der VfL: mit 25:18. „Volkach war heute besser als im Hinspiel, und wir waren nicht so gut“, sagt Lengfelds sympathischer (Spieler-)Trainer Bernhard Hennrich.

Das mag auch personellen Gründen geschuldet sein. Der TSV vermisst seit Jahresbeginn seinen (verletzten) Angreifer Johannes Schönewolf, der VfL beklagt zwar ebenfalls gelegentliche Ausfälle, doch die Substanz in seinem Gefüge ist deutlich dichter. Den Platz im hellsten Abendlicht beansprucht diesmal das Duo Hauke Wagenhäuser und Peter Link.

Der eine, Wagenhäuser, drängt immer wieder mit Macht und Wucht ans Netz – und nimmt es wie der große Bud Spencer mit allen roten Gegnern auf einmal auf. „Jeden Ball hat er tot gemacht“, spricht Trainer und Vater Raimund Wagenhäuser voller Verve über den Volkacher Vollstrecker. Link beschert der Partie mit seinen eingesprungenen Aufschlägen und kraftvollen Abschlüssen mit die aufregendsten, teils spektakulärsten Momente.

Der dritte Satz wird für Volkach zur Nerven- und Geduldsprobe. Die Konzentration schwindet, Lengfeld zieht mit 12:10 in Führung, Wagenhäuser bläst zur Auszeit. Lengfeld erhöht seinen Vorsprung auf 15:10, Wagenhäuser nimmt die zweite Auszeit, danach verkürzt sein Team auf 15:13. Jetzt ist es der Lengfelder Trainer, der die kurze Pause zu nutzen versucht, um den Gegner „aus dem Rhythmus und Ruhe ins eigene Spiel“ zu kriegen, wie er später sagen wird.

Dies gelingt. Volkach fehlt in Annahme und Abschluss und sieht sich plötzlich 15:21 hinten. Aber Volkach kämpft, holt Punkt für Punkt und gleicht zum 21:21 aus. Die Fans singen: „Nur noch vier bis zum Bier.“ Dann ist es vollbracht – 25:23. Das Spiel ist aus, aber die Saison noch nicht vorbei. Am 1. April wird wieder gesungen.

Der Weg durch die Relegation

Ein Umweg führt Volkachs Volleyballer vielleicht doch noch in die Regionalliga. Am Samstag, 1. April, empfangen sie in der Mainschleifenhalle den ASV Regenstauf (Achter der Regionalliga Süd-Ost) sowie den TV Hauzenberg (Vizemeister der Bayernliga Süd) zur Relegation. Alle diese Klubs spielen einmal gegeneinander. Der Beste aus diesem Trio erhält am Ende den Platz in der Regionalliga. Beide Teams sind den Volkachern nicht näher bekannt. Die nächsten zwei Wochen wird die Mannschaft jeweils zwei- oder dreimal trainieren, um gerüstet zu sein. Auch der VfL Volkach II als Zweiter der Bezirksklasse und die Frauen des Klubs als Zweiter der Kreisklasse kämpfen um den Aufstieg.
 
Bayernliga Nord Männer
 
BSV Bayreuth – TV Mömlingen 3:0  
TSV Lengfeld – VfL Volkach 0:3  
VC Eltmann II – VC Amberg 2:3  
TV Faulbach – CVJM Arzberg 3:1  
TSV Neunkirchen a.B. – SC Memmelsdorf 0:3  
 
1. (1.) BSV Bayreuth 18 15 3 51 : 18 46  
2. (2.) VfL Volkach 18 15 3 48 : 21 43  
3. (3.) TV Mömlingen 18 11 7 39 : 29 32  
4. (4.) VC Amberg 18 11 7 36 : 29 31  
5. (5.) SC Memmelsdorf 18 10 8 37 : 32 29  
6. (6.) VC Eltmann II 18 8 10 35 : 35 26  
7. (8.) TV Faulbach 18 8 10 35 : 37 25  
8. (7.) TSV Lengfeld 18 7 11 31 : 40 24  
9. (9.) CVJM Arzberg 18 4 14 16 : 44 12  
10. (10.) TSV Neunkirchen a.B. 18 1 17 10 : 53 2  
 
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