HANDBALL: LANDESLIGA

Die kühnen Pläne der HSG Mainfranken

Die erfolgreiche Rückrunde beflügelt die Fantasie bei der HSG Mainfranken. Ein Gespräch mit Trainerin Placht über die Arbeit mit der Jugend, ihre Ziele und ein Rätsel.
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Die Auftritte ihrer Mannschaft zauberten Trainerin Steffi Placht manches Lächeln ins Gesicht.

Die erste Saison nach ihrer Rückkehr verlief für Trainerin Steffi Placht sehr wechselhaft. Die von ihr betreuten Handballerinnen der HSG Mainfranken fanden anfangs gar keinen Rhythmus und wirkten wie ein Abstiegskandidat in der Landesliga. Auf einmal lief das Ganze. Vor allem im Jahr 2017 legten die Mainfranken eine tolle Aufholjagd hin, um die Saison auf Platz drei in der Tabelle abzuschließen. Trainerin Placht sieht einiges Potenzial im Team und möchte in der nächsten Runde am liebsten in die Bayernliga, wie sie im Interview erklärt.

Frage: In der Rückrundentabelle ist die HSG Mainfranken Erste, insgesamt aber schließt sie auf dem dritten Rang ab. Sehen Sie die vergangene Saison eher mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

Steffi Placht: Mehr mit einem lachenden Auge. Mein Ziel war ja Platz zwei bis sechs, und es rief schon etwas Unglauben hervor, ob wir das erreichen. Die Mannschaft hat ihre Zeit gebraucht, auch um mit mir zurechtzukommen. In unserer Abschluss-Besprechung haben wir ein positives Fazit gezogen. Heute wissen die jungen Leute nicht genau, was sie im Beruf machen und wo ihr Weg sie hinführt. Das war am Anfang ein Problem. Als sie in Balance waren, hat sich das auf das Sportliche und auf ihre Leistung übertragen.

Es gab aus den ersten fünf Partien einen einzigen Sieg.

Placht: Man muss sehen, dass Melanie Meyer etwas brauchte, bis sie ihre Form fand. Sie wurde immer besser, und in diesem Sog steigerten sich die anderen. Ich habe sicherlich einiges anders gemacht als mein Vorgänger. Bis jede ihre Position gefunden hatte und ihre Stärken einbringen konnte, dauerte es. Alles braucht eben seine Zeit.

War es mehr der Kopf oder der Körper, der sich bei den Spielerinnen umstellen musste?

Placht: Beides. Stimmt es im Kopf, überträgt sich das. Torhüterin Stefanie Schuller zum Beispiel wurde mit der Zeit auch sicherer und selbstbewusster. Sie merkte, dass sie es kann. Zunächst hatte sie Zweifel, ob sie den Ansprüchen gerecht wird. Es stand ja im Raum, die Mannschaft zurückzuziehen, weil keine Torhüterin da war. Aber ich sagte: auf keinen Fall zurückziehen. Wir haben es hinbekommen. Und Stefanie hat sich bei mir für das Vertrauen bedankt, das ich in sie gesetzt hatte.

Kamen bei Ihnen nach den ersten sechs, sieben Spielen nicht auch Zweifel, ob Sie das Potenzial aus dem Team herauskitzeln können?

Placht: Sicherlich. Ich habe an die Mannschaft appelliert: Wir sind das Aushängeschild der HSG Mainfranken, wir müssen die Liga halten. Alles andere wäre mit Blick auf das Potenzial und so junge Kräfte wie Christina Neeser, Julia Flohr oder Selina Golm nicht zu begreifen. Mit der Zeit passte die Mischung. Man darf nicht ungeduldig werden.

So richtig gelöst scheint das Rätsel Vorrunde nicht?

Placht: Manches lässt sich nicht erklären. Es hat einfach besser gepasst in der Rückrunde. Wenn man einen Lauf hat, wird man insgesamt selbstbewusster, sieht, dass andere Mannschaften auch mal einen Durchhänger haben. Klick gemacht hat es beim Unentschieden im November bei Tabellenführer Schwabach. Von da an ging es aufwärts.

Fortan schien die Saison ein Selbstläufer zu sein, Ihre Mannschaft eilte von Sieg zu Sieg.

Placht: Es gehörte auch Glück dazu, das muss man ebenfalls erst einmal haben.

Wie geht es bei der HSG in den nächsten Wochen weiter?

Placht: Wir müssen das alles so mitnehmen und mal einige Wochen abschalten. Wir werden Beachhandball spielen und eine Abschlussfahrt machen. Nach den Pfingstferien geht es wieder los.

Sind Sie bei der Abschlussfahrt und beim Beachhandball dabei oder lassen Sie die Mannschaft mal machen?

Placht: Sie sollen jetzt mal etwas Abstand zu mir gewinnen. Das ist auch ein bisschen Spaß, den haben sie sich verdient. Die Mannschaft bleibt bis auf Torhüterin Anja Gasseter zusammen, Isabella Renner wird uns trotz ihrer Ausbildung ab Juli bei der Polizei weiter zur Verfügung stehen. Wir müssen im Verein Anreize für junge Spielerinnen schaffen, die Bayernliga spielen wollen. Wir möchten – nach Bergtheim und Rimpar – dritte Kraft im unterfränkischen Frauenhandball werden.

Wie sieht es mit neuen Spielerinnen für die nächste Saison aus?

Placht: Ich stehe mit jungen Spielerinnen im Gespräch. Anna Renner spielte mit Bayreuth ein Jahr lang Regionalliga, wo sie abstieg. Sie tendiert wohl nach Bergtheim, aber wir werden noch reden. Mich freut, dass Carolin Trabold nach ihrer Babypause zurückkehren wird, ebenso wie Julia Hebling.

Bei Ihrem Ziel Bayernliga steht und fällt vieles mit „Melle“ Meyer. Was ist, wenn sie fehlt?

Placht: Dann müssen wir auch eine Lösung finden. Sie möchte sich gerne noch einige Jahre auf ihre Karriere konzentrieren. Wir hatten vergangene Saison wenig Verletzungen – auch weil wir im Training solide gearbeitet haben.

Der Kader darf nicht kleiner werden, um große Ziele zu erreichen.

PlachT: Ich hoffe, er wird noch ein bisschen wachsen. Dann können wir selbstbewusst angreifen. Platz drei ist in der Rückschau schön. Wir dürfen aber jetzt nicht davon ausgehen, dass wir in der Tabelle automatisch nach oben rücken, bloß weil der Erste und Zweite weg sind. Wir müssen unser Niveau halten und uns steigern. Ich würde gerne noch einmal Bayernliga spielen.

Ist dieses Ziel auch von der Leistung gedeckt?

Placht: Ja, davon bin ich überzeugt, wir haben noch Steigerungsmöglichkeiten. Ich möchte auf jeden Fall angreifen. Ob es gelingt, ist eine andere Frage.

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