DIE WOCHE

Abtswinder Aufbruch

Für den ewigen Dritten im Meisterschaftsrennen scheint die Zeit reif. Das würde Abtswinds Manager Szenen ersparen wie neulich am Kitzinger Bayernplatz.
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Vor ein paar Wochen trug sich am Kitzinger Bayernplatz eine lustige Geschichte zu. Die Kitzinger spielten in der Relegation gegen den TSV Lengfeld – und stiegen aus der Fußball-Landesliga ab. Das war aber jetzt noch nicht die Pointe. Mehr als 800 Leute schauten sich das Spiel an und dann passierte es, dass das Bayern-Urgestein Sepper Korn wieder einmal in berühmt-berüchtigter Manier vom Leder zog.

Es ist mitunter so, dass man ihn in der Kulisse gar nicht sieht, sondern ihn nur hört. Man muss nicht alle seine Ansichten teilen, aber er ist ein Original, wie sie leider selten geworden sind auf unseren Sportplätzen. Korn also, das Fossil aus erfolgreichen Urzeiten des Klubs, lehnte lässig an der Bande und dachte laut nach über das Gebaren des TSV Abtswind, des inzwischen gewesenen Landesliga-Rivalen, weil die Bayern wie gesagt abgestiegen sind.

Man kann nur sinngemäß wiedergeben, was er alles abließ, weil man es in seiner Art so nie aufschreiben könnte. Sepper Korn, nun ja, soll man sagen polterte oder lästerte, er stellte fest, dass Abtswinds Manager Christoph Mix schon seit Jahren versuche, den Klub mit allen Mitteln in die Bayernliga zu bringen. Nie sei etwas daraus geworden.

Mix – und das war das Lustige – stand nur drei Meter daneben unter den Besuchern und nahm genüsslich auf, was da so über ihn und seine Umtriebe erzählt wurde. Korn hatte ihn offenbar nicht bemerkt – vermutlich kannte er ihn auch gar nicht. Der Unternehmer lächelte und machte den Spaß mit. Er wusste ja, mit wem er's zu tun hatte.

Vielleicht sieht er das Ganze inzwischen auch gelassen. Anwürfe dieser Art musste er ja immer wieder parieren. Man hatte den Eindruck, er sei die letzten Jahre ganz zufrieden, wie es lief mit dem Klub und der Mannschaft.

Es ist erst ein paar Jährchen her, da drohte Abtswind im Chaos zu versinken. Die Mannschaft schien an den Ansprüchen zu zerbrechen, die von innen und außen an sie herangetragen wurden. Auch diese Redaktion titelte: Firma aus den Fugen. Sie verglich die Abtswinder Fußballmannschaft mit einem tief in roten Zahlen steckenden Konzern, einem Sanierungsfall.

Mix fand das weniger komisch – und warb zur Strafe unseren besten Mann ab. Nein, natürlich war das nicht der Grund, dass er den geschätzten Kollegen Michael Kämmerer, einst freier Mitarbeiter dieser Redaktion, ein paar Jahre später zum Mediendirektor machte. Der war vor kurzem auch am Bayernplatz, stand aber dummerweise nicht in der Nähe seines Chefs, sonst hätte er ein bisschen moderieren können zwischen Mix und Korn.

Natürlich kann man dem Verein und seinem Management vorhalten, sie hätten bei den Kraftakten der Vergangenheit schon längst die Bayernliga erreichen müssen. Doch wer sich etwas auskennt im Fußballgeschäft, der weiß, dass es nicht nur Kraft und Können braucht, sondern auch Glück, um Großes zu vollbringen. Sonst würde Real Madrid wohl immerzu die Champions League gewinnen. Nur der FC Bayern braucht kein Glück; er wird auch so jedes Jahr deutscher Meister.

Abtswind hatte in den letzten Jahren das Pech, immer zwei bessere Vereine vor sich haben: mal Schweinfurt 05 und Forchheim, mal Ansbach und die Kickers-Reserve. Einmal warf sich die Mannschaft auch selbst aus dem Rennen, weil sie am letzten Spieltag den nötigen Sieg verspielte. Nun aber scheint die Zeit reif für den müde lachenden Dritten der letzten Jahre.

Selbst Trainer Petr Škarabela, ein ehemaliger Profi, sagt: „Ja, wir möchten in die Bayernliga.“ Warum sollte er auch etwas anderes erzählen? Die Mannschaft strotzt vor Kraft, die Vorbereitung gleicht einer Verheißung. Ob dem Zauber dieses Sommers auch ein Anfang (und ein Aufbruch) innewohnt, wird das erste Spiel an diesem Samstag in Röllbach zeigen.

Nicht auszudenken, was Mix sich von seinem Freund am Bayernplatz anhören müsste, wenn es diese Saison wieder nicht klappt mit dem Aufstieg.

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