TISCHTENNIS

Unterfranken ist der Reformverlierer

Der Bezirk dringt mit seinen Änderungswünschen beim Verband nicht durch. Vorsitzender Joachim Car erwägt kurzzeitig seinen Rücktritt. Was ist da schief gelaufen?
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Das Lachen ist ihm vergangen: Unterfrankens Bezirksvorsitzender Joachim Car trug sich nach einer Abstimmungsniederlage im Verbandsausschuss mit Rücktrittsgedanken.

Am Samstagabend war Joachim Car kurz davor hinzuwerfen. „Ich war ziemlich deprimiert und habe kurzzeitig an sofortigen Rücktritt gedacht“, erzählt der Vorsitzende des Tischtennisbezirks Unterfranken aus Fuchsstadt (Lkr. Bad Kissingen), „mir dann aber gesagt: Ich kann den Bezirk nicht hängenlassen.“ Vorausgegangen war eine krachende Niederlage bei einer entscheidenden Sitzung des Verbandsausschusses des Bayerischen Tischtennis-Verbandes (BTTV) in Geiselwind, bei der endgültig über den Zuschnitt der nach der Strukturreform künftig sechzehn Bezirke abgestimmt wurde.

Mit 91 Nein-Stimmen – bei 16 Ja-Stimmen und einer Enthaltung – hat der Verbandsausschuss die Vorschläge des Bezirksrats Unterfranken und vieler Main-Spessart-Klubs über eine Verteilung der bisherigen Kreise und ihrer Vereine auf die neuen Bezirke abgelehnt. Dieser Verbandsausschuss besteht aus dem sechsköpfigen Präsidium des BTTV, darunter in Norbert Endres aus Wombach der Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit, sowie den sieben Vorsitzenden der aktuellen Bezirke, die sich an den bayerischen Regierungsbezirken orientieren. Er ist dritthöchstes Legislativgremium des BTTV, „in dem die Bezirke über eine deutliche Stimmenmehrheit verfügen“, wie Verbandspräsident Konrad Grillmeyer aus Vilshofen (Donau) erklärt.

„Ich war ziemlich deprimiert und habe kurzzeitig an sofortigen Rücktritt gedacht.“
Joachim Car, Tischtennis-Bezirksvorsitzender

Die Präsidiumsmitglieder haben je eine Stimme, die Bezirksvorsitzenden verfügen pro 18 Klubs über eine. „Ich habe die zweitmeisten Stimmen, 15“, erklärt Car, der erleben musste, dass „alle anderen gegen unsere Vorschläge gestimmt haben“. Dabei habe im Sommer noch einiges so ausgesehen, dass es aus anderen Bezirken Zustimmung für die unterfränkischen Pläne geben könne.

Danach sollte der bisherige Kreis Main-Spessart nicht, wie ursprünglich vom Verband vorgesehen, auf drei zukünftige Bezirke aufgeteilt werden, sondern mit den bisherigen Kreisen Kitzingen und Würzburg im neuen Bezirk 3 Unterfranken-Süd aufgehen. Die Klubs aus dem bisherigen Kreis Schweinfurt sollten in Gänze mit denen aus den bisherigen Kreisen Rhön und Haßberge ab der kommenden Saison den Bezirk 2 Unterfranken-Nord bilden. Ihre Vorschläge hatten die Unterfranken dahingehend begründet, dass auf diese Weise die Zahl der Männer- und Frauenmannschaften in den drei neuen Bezirken annähernd gleich sein würde (Bezirk 1: 194; 2: 195; 3: 209).

Und damit auch die finanzielle Stärke der Gebilde.

Verhindern konnten Car und Endres nur, dass der Kreis Main-Spessart gedrittelt wird; aber der Verbandsausschuss entschied: Main-Spessart wird dem zukünftigen Bezirk 1 Unterfranken-West mit den bisherigen Kreisen Aschaffenburg sowie Miltenberg zugeschlagen. Und: Der bisherige Kreis Schweinfurt wird gespaltet. Die Klubs im Norden – die Trennlinie bildet in etwa die Autobahn 70 – werden dem Bezirk 2 Unterfranken-Nord angehören, jene weiter südlich dem Bezirk 3 Unterfranken-Süd.

„Schweinfurt“, so bedauert Car, „ist der einzige Kreis in Bayern, der geteilt wird.“ Und der Bezirksvorsitzende fürchtet: „Die Entscheidungen werden hier Unfrieden bringen, weil sich unsere Vereine als Verlierer der Strukturreform fühlen.“ Zumal von einer Ausgewogenheit der künftigen drei Bezirke in Unterfranken keine Rede sein könne. Im Bezirk Unterfranken-West werden nach den Berechnung Cars 261 Männer- und Frauenmannschaften spielen, in den beiden anderen zusammen werden es 337 sein.

Die Entscheidung, sagt Verbandspräsident Konrad Grillmeyer, „wurde letztlich in einem nachvollziehbaren, demokratischen Prozess besonders unter den Gesichtspunkten Ausgewogenheit der Bezirke bezüglich Vereins- und Mannschaftszahlen, die Auswirkungen auf den Spielbetrieb und die Gesamtverteilung innerhalb des Verbands getroffen.“ Das Ergebnis, so Grillmeyer weiter, sei bekannt: „Die Vorstellungen des alten Bezirks Unterfranken wurden nur teilweise umgesetzt. Die Verantwortlichen des Verbands sind an diesen demokratischen Beschluss gebunden – ob sie ihn persönlich gutheißen oder nicht. Er bildet die Grundlage für die weiteren Schritte, etwa die Einteilung der Spielklassen.“

Festgeschrieben ist die Aufteilung der Vereine auf die künftigen Bezirke damit aber noch nicht, wie BTTV-Geschäftsführer Carsten Matthias klarstellt. „Weil sich die Situation speziell in Unterfranken im Vergleich zum er-sten Vorschlag geändert hat, geht der Verbandsausschuss davon aus, dass einige Vereine daraufhin individuelle Anträge auf einen Wechsel des neuen Bezirks stellen werden. Eine finale Zuordnung und Bestätigung der Bezirksstruktur mit den dazu gehörigen Vereinen wird der Verbandsausschuss auf seiner Sitzung am 17. März 2018 vornehmen.“

„Die Entscheidung wurde in einem demokratischen Prozess getroffen.“
Konrad Grillmeyer, Bayerns Verbandspräsident

Gewöhnen muss man sich auch an neue Liganamen: Die 1. bis 4. Kreisligen heißen ab dem Sommer Bezirksklassen A bis D, aus der 3. Bezirksliga wird die Bezirksliga. Die höchste Liga in den jeweiligen Bezirken wird Bezirksoberliga (derzeit 2. Bezirksliga) genannt. Vereine aus den unterfränkischen Bezirken West und Nord bilden eine der acht Landesligen, Klubs aus den Bezirken Unterfranken-Süd und Mittelfranken-Süd eine weitere. Diese Ligen entsprechen in etwa den heutigen 1. Bezirksligen. Aus der Landesliga wird die Verbandsliga. Darüber werden zwei Verbandsoberligen installiert.

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