SPORTPOLITIK

Geringes Interesse trübt gute Laune

Zum BLSV-Kreistag kommen noch einmal weniger Vereinsvertreter als beim letzten Mal. So etwas, sagt der scheidende Paul Leicht, habe er in 40 Jahren nicht erlebt.
Artikel einbetten Artikel drucken
Bezirksvorsitzender Günther Jackl (links) und Kreisvorsitzender Josef Scheller (rechts) ehrten für Verdienste um den Sport im Landkreis (von links) Roland Köppel, Josef Mend, Tamara Bischof, Jens Rauch und Manfred Marstaller.
+1 Bild

Viele Stühle im Sitzungssaal des Landratsamtes blieben leer. „Es ist absolut enttäuschend, wie wenig Vereinsvertreter diesmal gekommen sind.“ Mit solch ernsten Worten eröffnete der Kreisvorsitzende Josef Scheller am Freitagabend den Kitzinger Kreistag des Bayerischen Landessport-Verbandes (BLSV). Warum das Interesse so gering war, darüber ließ sich nur spekulieren. Doch kündigte Scheller eine Aufarbeitung der Gründe an.

War es der Graus vor einer langen Sitzung? Dabei dauerte die gut vorbereitete Prozedur bloß zwei Stunden. Ob der Freitagabend ein so ungünstiger Termin war, dass sich gerade mal 22 Stimmberechtigte aus den mehr als 120 Vereinen Zeit nahmen? Noch einmal deutlich weniger als fünf Jahre zuvor, als 40 Vertreter erschienen waren. Zusammen mit den acht Vorstandsmitgliedern waren es diesmal genau 30 Delegierte. „Vielleicht sind die meisten unserer Vereine einfach glücklich und zufrieden“, spekulierte Scheller.

Sind die Vereine vorbereitet?

Jene, die gekommen waren, hörten die Grußworte von Landrätin Tamara Bischof, in denen sie die Bedeutung von Verband und Vereinen für den Sport im Landkreis hervorhob, und einen Vortrag des BLSV-Bezirksvorsitzenden Günther Jackl. Beide dankten Scheller für dessen Arbeit, wobei der Dank Schellers für eine gute Zusammenarbeit an die beiden zurückging. Bürokratie abzubauen sei ein Ziel für die nächsten Jahre, Ehrenamtliche zu gewinnen ein Problem. Beispielhaft sprach er die neue Übungsleiter-Ausbildung an, wonach die drei Module nun binnen zwei Jahren zu absolvieren seien.

„Wir stellen uns die Frage“, sagte Jackl, „ob unsere Vereine schon darauf vorbereitet sind, dass sich die Gesellschaft verändert und die Leute älter und fitter werden.“ Von dieser Entwicklung sind laut Jackl vor allem Einspartenvereine betroffen. Sie machen rund zwei Drittel innerhalb des BLSV aus.

In seinem Bericht über die vergangenen fünf Jahre hob Scheller hervor, dass in dieser Zeit rund 200 000 Euro Fördermittel an die Vereine im Landkreis Kitzingen geflossen seien. „Es lohnt sich, einen Antrag zu stellen“, gab er den Anwesenden mit auf den Weg. Mit Wehmut verabschiedete er Paul Leicht aus dem Kreisvorstand.

Leicht hatte lange zuvor seinen Rückzug als Schatzmeister im Bezirk und im Kreis angekündigt und verabschiedete sich nun selbst mit einer Anekdote: „Vor meiner allerersten Sitzung musste ich erst einmal nachschauen, wo Segnitz eigentlich liegt. Jetzt kenne ich mich im ganzen Landkreis Kitzingen ganz gut aus.“ Zornig wurde er nur kurz, als er sich im nicht mal halb gefüllten Sitzungssaal umsah. „Einen Kreistag wie diesen mit so wenigen Leuten“, sagte er, „habe ich in der ganzen Zeit nicht erlebt.“

Zur Formsache wurde die Wiederwahl Josef Schellers nach einer einstimmigen Entlastung des bisherigen Kreisvorstands. „Wenn sie gut mitmachen, sind wir in siebeneinhalb Minuten fertig“, stellte Jackl in Aussicht und blieb unter der eigenen Vorgabe. Scheller wurde als Kreisvorsitzender bestätigt, Christian Ziermann als dessen Stellvertreter, Liane Schenkel im Bereich Bildung und Birgit Hofmann in der Sparte Sportabzeichen. Hannelore Stadelmann wechselte in das Ressort Sport für Ältere anstelle von Gudrun Wellhöfer-Krutzsch, die von ihr den Bereich Frauen übernahm. Zur Nachfolgerin Leichts als Schatzmeisterin wurde Carmen Rüdinger bestellt.

Als Delegierte für den kommenden Bezirkstag am 10. März 2018 in Margetshöchheim wurden Liane Schenkel, Christian Ziermann, Hannelore Stadelmann, Birgit Hofmann, Gudrun Wellhöfer-Krutzsch, Carmen Rüdinger, Rudi Darlapp, Georg Stadelmann, Alfred Mey und Hannes Kristmann berufen. Ersatzleute sind Peter Knorz, Alexandra Rügamer, Antonia Barth, Oliver Haas und Hannah Gü-ckel. Für den Verbandstag am 8. und 9. Juni in München wurden Rüdinger und Ziermann als Delegierte bestätigt.

Höchste Ehre für Paul Leicht

Ausgezeichnet für ehrenamtlichen Einsatz wurden Alexandra Rügamer und Carolin Trabold mit der Ehrennadel in Bronze (jeweils fünf Jahre), Gudrun Wellhöfer-Krutzsch und Birgit Hofmann mit der Ehrennadel in Silber (jeweils zehn Jahre), Ute Braun, Josef Scheller und Hannelore Stadelmann mit der Ehrennadel in Gold (je 20 Jahre), Christian Ziermann mit der Ehrennadel in Gold mit Kranz für 25 Jahre, Liane Schenkel mit der Ehrennadel in Gold mit großem Kranz für 30 Jahre und – als Höhepunkt – Paul Leicht mit der Ehrennadel in Gold mit Brillanten für 45 Jahre Verbandsarbeit.

Landrätin Tamara Bischof und Iphofens Bürgermeister Josef Mend erhielten die BLSV-Plakette in Gold. Die Plakette in Silber ging an Kitzingens OB Siegfried Müller, vertreten durch Sportreferenten Manfred Marstaller, und die Plakette in Bronze an Sparkassen-Vorstand Bernd Fröhlich, vertreten von Vorstandsmitglied Jens Rauch.

Noch keine Kommentare

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.