DIE WOCHE

Der Wettergott lässt die Koalition platzen

Aufs Ganze gesehen, ist das Wetter im November schlechter als im August. Darauf könnte man kommen. Aber der Fußballverband hält es lieber mit der Deutschen Bahn.
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Es gibt einen Fußballgott, und es gibt einen Wettergott, und manchmal muss man sich fragen: Führen die Krieg gegeneinander? Will der eine den anderen provozieren? Sind die bei unterschiedlichen Parteien? Oder was ist da los bei den Sondierungsgesprächen im Olymp?

Wenn hierzulande die Blätter fallen und die Nebel wallen, erwacht in den beiden die Streitlust. Dann ist die so pragmatische Koalition, die doch das ganze Jahr, sagen wir von Ostern bis Oktober, ganz passabel funktioniert, regelmäßig zum Zerreißen gespannt. Dieses Jahr war es mal wieder extrem mit den beiden.

Wochenlang saßen sie zusammen und versuchten, sich zu verständigen. Eines Nachts stand der Wettergott plötzlich auf und ließ die vielversprechenden Verhandlungen platzen. Fußballspiele im Freien und parallel dazu in der Halle – das gehe gar nicht, beschied er den Fußballgott. Und überhaupt sei in diesen Gesprächen kein Vertrauen entstanden. Die Moderation sei das reinste Chaos gewesen. Mit solchen Leuten könne er doch nicht ernsthaft eine Koalition schmieden – sprach's und entschwand in die Nacht. „Auf Wiedersehen.“

Die Folgen müssen nun die Fußballer da draußen ausbaden. In dieser Woche wurden sie endgültig in die Winterpause geschickt – weil das Wetter zwar so schlecht war wie gefühlt seit Jahren nicht im November, aber so ungewöhnlich halt auch wieder nicht für die Jahreszeit.

Jeder von uns weiß: Aufs Ganze gesehen, ist das Wetter im November immer schlechter als im Juli oder im August. Darauf könnte man ja mal kommen. Aber der Bayerische Fußballverband hält es eher mit einem alten Werbespruch der Deutschen Bahn (1966): „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Klar – sonst müsste man sich ja mal ernsthafte Gedanken um den Spielplan machen.

Der scheint in seinen Grundzügen noch aus dem Jahr des Werbeslogans der Bahn zu stammen. Aber die Zeiten und die Gesellschaft haben sich geändert. Der BFV denkt gern modern, er digitalisiert sich und seine Mitglieder in atemraubendem Tempo, das nicht wenige überfordert. Nur sein Spielplan entstammt noch dem beschaulich-biederen Zeitalter, als Fußball vornehmlich von verheirateten Familienvätern gespielt wurde, die im August mit der Familie in den Italienurlaub starteten.

Mittlerweile tummeln sich in einer Mannschaft meist junge Männer, die Kinder erst mit 30 oder 35 haben, wenn die Karriere schon am Ausklingen ist und denen es ziemlich egal ist, wann sie in Urlaub fahren. Klagen Trainer heute nicht die gesamte Runde hindurch über Ausfälle wegen Spontan-Urlaubern?

Es wäre ein Leichtes gewesen, die A-Klassen und Kreisklassen dieses Jahr mit den Bezirksligen beginnen zu lassen: Anfang August. Dann hätte man Ruhe gehabt im November und wäre dem schlechten Wetter aus dem Weg gegangen. Den Plätzen hätte das sicher besser getan, als sie im Juli noch drei Wochen länger zu hegen und zu pflegen.

Natürlich geht der frühere Saisonstart von der Pause im Sommer ab. Aber in den höheren Klassen müssen die Vereine ihre Fußballer auch bis Mitte/Ende Juli fit bekommen. Also, wo ist das Problem? Das Problem ist, dass viele eine klare Diskussion scheuen – sowohl in den Klubs als auch beim Verband.

Lieber betätigen sie sich weiter als Wolkenschieber: wird schon nicht immer so schlimm werden im November. Lasst uns von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche und von Spieltag zu Spieltag schauen. Passt ja in den allgemeinen Tenor: Das Wetter hat nichts Bergendes mehr. Statt entspannt im Rhythmus der Jahreszeiten zu schwingen, sieht man sich jeden Morgen, wenn man nach dem Wetter schaut, dem Chaos der Natur ausgesetzt.

Dienstag kam die Generalabsage für den Fußballbezirk Unterfranken, 48 Stunden später verschickte dann auch der Bezirk Hohenlohe eine E-Mail mit dem Vermerk „Eilig“. Darin heißt es, alle Partien seien abgesagt: aufgrund des Wetters und der damit verbundenen „Problematik bezüglich der Bespielbarkeit der Sportplätze“. Das war so schön, das hätte in jeden Koalitionsvertrag gepasst.

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