KITZINGEN

Die Operation Umbau läuft

2018 wird ein Jahr der Veränderungen an der Klinik Kitzinger Land.
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So schaut es aus: Thilo Penzhorn weist darauf hin, wer für den ordnungsgemäßen Betrieb der Bereitschaftspraxis in der Klinik Kitzinger Land verantwortlich zeichnet.
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Es wird ein spannendes Jahr für die Klinik Kitzinger Land. Vorstand Thilo Penzhorn weiß das – und bleibt trotzdem ganz gelassen. Spannende Jahre gehören für ihn quasi zur Routine.

Seit drei Jahren läuft der Umbau der Klinik, sechs bis acht Wochen ist man im Verzug. Ein Klacks, vor allem mit Blick auf die Restlaufzeit. 2025 soll der Umbau abgeschlossen sein. Es gibt noch viel zu tun.

Im Moment ruhen die Arbeiten. Schlechtwetter, Ferienzeit. Doch bald soll es weitergehen. Die Ebenen 4 und 5 sind dran. Für sie gilt das gleiche Motto wie für das gesamte Haus: Vom Abteilungsdenken hin zum Ablaufdenken. Mit anderen Worten: Das Wohl des Patienten soll noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. „Wir schneiden dafür nicht nur die Raum-, sondern auch die Personalzuordnung neu zu“, erklärt Penzhorn. Ein Beispiel: Wer sich zu einer OP einfindet, soll künftig nicht durch das halbe Haus laufen, um sein Zimmer zu beziehen, wo er dann wartet, bis die OP vorbereitet werden kann. Ähnlich wie am Flughafen soll das Gepäck aufgegeben, der Patient direkt in einen extra hergerichteten Wartebereich in der Nähe des OP gebracht werden. Langes Warten? Ade. Lange Wege durch die verschiedenen Ebenen? Vergangenheit.

Das Ziel umschreibt der Vorstand so: „Die Patienten sollen von Anfang an einen möglichst entspannten und reibungslosen Aufenthalt in der Klinik erleben können.“ Nach diesem Credo werden in diesem Jahr die alte Intensivstation und der OP-Bereich neu gestaltet. Unter diesem Aspekt sollen auch weitere Veränderungen eingeleitet werden.

Bis Ende Februar wird die Bereitschaftspraxis der niedergelassenen Ärzte in der Klinik wie bisher weiterlaufen. Dann stehen Veränderungen an, die Thilo Penzhorn genau beobachten wird. Statt dem Kitzinger Ärztenetz (Arbeitsgemeinschaft der niedergelassenen Ärzte) wird die Kassenärztliche Vereinigung (KV) direkt für die Organisation verantwortlich zeichnen. Das heißt: Ab Anfang März gehen auch die Beschwerden direkt an die KV.

„Die Patienten sollen von Anfang an einen möglichst entspannten Aufenthalt in der Klinik erleben können.“
Thilo Penzhorn, Vorstand

Beschwerden von Patienten über die BD-Praxis hat es in den letzten Wochen und Monaten durchaus gegeben, was der Klinik-Vorstand auch gar nicht verschweigen will. Volle Flure, lange Wartezeiten, unklare Kompetenzen. Was ihn ärgert ist, dass diese Beschwerden meist der Klinik angelastet wurden, obwohl sie nur die Räume vermietet. An den niedergelassenen Ärzten vor Ort habe es aber auch nicht gelegen, betont er. Die meisten Beschwerden sind gekommen, wenn Vertretungsärzte die Dienste übernommen haben. „Das haben wir der KV auch deutlich und oft mitgeteilt“, versichert Penzhorn. „Bleibt zu hoffen, dass es sich jetzt wirklich bessert.“

Ab Anfang März sollen die Patienten rund um die Uhr verlässliche Ansprechpartner haben. Voraussichtlich von 17 bis 21 Uhr werden niedergelassene Ärzte ihren Dienst verrichten. Danach übernehmen Klinik-Ärzte bis um 6 Uhr den so genannten Sitzdienst. Hausbesuche wird es durch den „Fahrdienst“ auch weiterhin geben.

Jetzt muss aber erst einmal die weitere Umstrukturierung vorbereitet werden. Dazu zählt auch eine neue Organisation der Arbeitsabläufe. Unnötige Umwege sollen verhindert werden, sowohl die Notfall-, als auch die angemeldeten Patienten sollen so schnell wie möglich zur OP oder zu ihren Fachärzten kommen.

Mit Dr. Abed Sallam wird ein neuer Facharzt ab Mitte des Jahres seinen Dienst in Kitzingen tun. Der Kardiologe wird an einem neu erstellten Linksherzkathetermessplatz überprüfen, ob Herzkranzgefäße Engstellen aufweisen. Ein entsprechendes Gebäude soll bis Mitte des Jahres in Modulbauweise in der Nähe des alten Hubschrauberlandeplatzes entstanden sein. Ein neuer Landeplatz soll – wie geplant – oberhalb des Klinikums entstehen. Den freien Platz will Penzhorn für dringend notwendige Parkplätze nutzen.

Also alles gut an der Klinik Kitzinger Land? Thilo Penzhorn schüttelt den Kopf. Der Umbau läuft zwar weitgehend nach Plan, die Patienten haben von den Arbeiten bislang relativ wenig mitbekommen und werden es in diesem Jahr erst recht nicht tun. „Es wird heuer noch ein wenig geräuschloser vonstatten gehen“, prophezeit der Klinikvorstand. Dennoch hat er zwei Sorgen, die ihn umtreiben. Zum einen eine Vorschrift, die besagt, dass eine Mindestmenge an bestimmten Operationen pro Jahr durchgeführt werden muss. „Sonst ist die Lizenz für diese Bereiche weg.“

In der Orthopädie kennen das die Verantwortlichen seit vielen Jahren. Hier muss in der Knieendoprothetik eine Mindestmenge von 50 Eingriffen pro Jahr erreicht werden. „Das haben wir immer gut geschafft“, berichtet Penzhorn. Er macht sich vor allem über die Entwicklung in der Geburtshilfe Gedanken und spricht von einem Damoklesschwert für alle kleineren Krankenhäuser in der Fläche. Dabei habe gerade die Geburtshilfe in der Klinik Kitzinger Land eine tolle Entwicklung durchlebt. Nach rund 550 Entbindungen in 2016 kamen auch im letzten Jahr wieder mehr als 500 Kinder auf die Welt. „Aber wir wissen halt nicht, wo der Gesetzgeber künftig die Mindestgrenze festlegen wird.“

Derzeit wird in Bayern ein Förderprogramm für kleinere geburtshilfliche Abteilungen seitens der Staatsregierung geplant, wovon auch die Kitzinger Geburtshilfe profitieren würde. „Wir hoffen sehr, dass die möglichen Mindestmengenvorgaben aus Berlin dieses Förderprogramm dann nicht irgendwann wieder aushebeln werden.“

Sorgen bereitet dem Klinikvorstand auch der Fachkräftemangel, der vor den Toren der Klinik nicht Halt macht. Vor allem bei den Fachärzten und in der Pflege werden Kräfte gesucht, mittlerweile ist aber auch schon die Verwaltung betroffen. Penzhorn denkt deshalb an mögliche Kooperationen mit anderen Einrichtungen in der Region. „Wir müssen die Kräfte bündeln“, sagt er. „Diesem Gedanken dürfen wir uns nicht verschließen.“

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