RÜDENHAUSEN.

Freiwillige Knochenarbeit

In Rüdenhausen ist die Turnhalle dank gemeinschaftlicher Arbeit wieder ein Mittelpunkt des Dorfes.
Artikel einbetten
Die fleißigen Helfer des TSV Rüdenhausen. In rund 1400 ehrenamtlich erbrachten Stunden haben diese Frauen und Männer – und viele mehr – die Turnhalle renoviert.

„Fotografieren Sie so, dass ich gut aussehe und mein Mann nicht so verknittert. Wie der aussieht, ist mir Wurst.“ Dagmar Winter nickt grinsend zu ihrem Vereinsvorstand Norbert Bergmann hinüber. Der seufzt, doch er strahlt. Überhaupt steht eine gut gelaunte Truppe in der Turnhalle des TSV. Grund zur Freude haben sie. Denn sie stehen in einer frisch renovierten Halle, die sie mit Fug und Recht als die ihre bezeichnen können. Dank mehr als 1 400 Stunden ehrenamtlich geleisteter Knochenarbeit.

Im Jahr 2007 war festgestellt worden, dass die Turn- und Mehrzweckhalle einsturzgefährdet war. Sogar ein Feuerwehrball musste wegen der gefährlichen Schneebelastung des Daches abgesagt werden. Rüdenhausen drohte das Herz seines Sport- und Kulturlebens zu verlieren. Da begann das Vereinsengagement.

Unter den Kosten geblieben

Zunächst trat man an den Gemeinderat heran und bat um Geld. Die Finanzierungszusage für die anstehenden Erhaltungsarbeiten markierte den Startschuss für die Bauarbeiten, die zu einem beispiellosen Einsatz von ehrenamtlichen Helfern führten. Ihnen ist es zu verdanken, dass man dabei ein gutes Stück unter den veranschlagten Renovierungskosten blieb. So konnten zusätzlich einige Verschönerungsmaßnahmen in Angriff genommen werden.

Nur große Aufträge an Firmen

Zu den üblichen Vereinsgruppen, wie den Schützen oder Tischtennisspielern, kam während des Sommers eine Gruppe Männer in den besten Jahren, die mit ihren Schlagbohrmaschinen gemeinschaftlich den Sockelputz abschlugen. Das gemischtgeschlechtliche Putzkolonnen-Ballet wischte den feinen Baustaub nicht nur von Böden, Wänden und Fenstern, sondern von jedem Sprossenwandholm und jedem Theaterstuhl.

Große Aufträge wie die Dachsanierung und die Schimmelbekämpfung vergab man an Firmen.

Doch vieles wurde in Eigenregie behoben: Putz abschlagen, Putz aufbringen, Risse verspachteln, Malern, Elektrik verlegen, feuchte Duschräume trockenlegen, Beleuchtung anbringen, Fenster renovieren – kaum ein Handwerk wurde ausgelassen. Wer eines beherrschte, half mit Rat, die anderen mit um so mehr Tat. Jedes Wochenende im Sommer fand sich ein Trupp rund um die Halle zusammen, arbeitete, plante und aß gemeinsam. Gekocht wurde ebenfalls gemeinschaftlich. So wuchs das Team heran, dass jetzt flachsend und debattierend in der Halle steht und kaum für den Fototermin auf einem Fleck zu versammeln ist, weil ständig Untergrüppchen losziehen, um künftige Arbeiten anzudenken.

Herr der Bewegungsmelder

Norbert Bergmann, Koordinator des Unternehmens und unermüdlicher Baustellenarbeiter, weiß, was es heißt, nach Hilfe herumzutelefonieren, um oft am Ende selbst derjenige zu sein, der anpackt. Bei der Sanierung aber blieb er nicht im Regen stehen. Voller Dankbarkeit lobt er seine Mitstreiter, vor allem die vier, die jeweils über 200 Stunden auf der Baustelle angepackt haben. Etwa den Schützenmeister Tobias Maier, der sich vor allem in Sachen Elektrik nützlich machte und inzwischen den Ehrentitel „Herr der Bewegungsmelder“ trägt. Walter Weickert darf sich dank seines handwerklichen Sachverstands und seines Furors „Kappo“ nennen. Wolfgang Paul fungierte als Allrounder im Team. Uwe Pfeiffer war nicht nur körperlich, sondern auch mit Radlader und Kran im Einsatz.

Überdurchschnittliches Engagement anderer Art zeigte die Kassenwartin Petra Zeidler, die das Unternehmen buchhalterisch betreute, Angebote einholte, Kosten verbuchte und mit den Versicherungen stritt, als nach der Dachsanierung durch eine Firma zunächst noch ein Wasserschaden auftrat. Sie hielt die finanziellen Fäden zuverlässig zusammen.

Eine lange Helferliste

Fünfundfünfzig Namen lang ist die Liste der Helfer. Vereinsvorstand Norbert Bergmann hat sie extra alle aufgelistet. Ob man die alle in einem Artikel unterbrächte? Der Dank aller Sporttreibenden, Theater Schauenden und Feiernden in der neuen Halle wird ihnen jedenfalls gewiss sein.

Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren