WIESENBRONN

Forstliche Brautschau im Rathaus

199 Hektar Gemeindewald hat Wiesenbronn. Vier Anbieter bewarben sich jetzt um die forstliche Brwirtschaftung der Flächen. Ein spannender Vergleich.
Artikel einbetten Artikel drucken

„Ich habe mit allen vorab gesprochen und kann sagen, man kann mit jedem zusammenarbeiten“, meinte Wiesenbronns Bürgermeisterin Doris Paul zu den Bietern für die künftige Waldbewirtschaftung im Ort. Nach der Vorstellung von zwei privaten Anbietern und der Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen bewarb sich auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das bislang die Beförsterung gemacht hatte, um die Verlängerung des Auftrags.

Es entwickelte sich eine forstliche Brautschau, bei der alle Anbieter mit unterschiedlichen Akzenten um die Braut – den Auftrag der Waldbewirtschaftung – warben.

Die Gemeinde hatte die Firmen angeschrieben mit einer Liste des Aufgabenspektrums für die künftige Betriebsplanung und Betriebsführung für die rund 199 Hektar Gemeindewald. Hubertus König vom Forstunternehmen Reith aus Heugrumbach war der erste Kandidat, der sein Unternehmen vorstellte. Er will seinen Schwerpunkt darin sehen, Ökologie und Ökonomie in der Waldbewirtschaftung miteinander zu verbinden. „Der Brennholzbedarf wird sich künftig verändern und die Kommunen werden die differenzierten Bedarfe alleine nicht befriedigen können“, sagte der Forstmann. Das Unternehmen Reith bietet erst nach einer Anfrage von Rimpar im Jahr 2010 die Beförsterung von Wäldern an und betreue jetzt auch den Prichsenstädter Stadtwald.

„Bei uns bekommen sie ein Rundumsorglospaket:“

Tobias Schuhbäck vom gleichnamigen Forst- und Jagdservice aus Seinsheim informierte, dass sein Unternehmen mit anderen Firmen zusammenarbeite und dadurch auch richtig große Aufträge erledigen könne. „Mir ist ganz wichtig, eine langfristige Zusammenarbeit mit Ihnen zu erreichen“, sagte Tobias Schuhbäck. Seine Firma sei bestrebt, mehr Kontinuität hineinzubringen und sich mehr der Kernkompetenz der Beförsterung zu widmen. „Wiesenbronn hat keine Pappelwüste, sondern einen Wald, aus dem man etwas machen kann“, betonte der Seinsheimer.

Das Angebot der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kitzingen unterbreiteten der Iphöfer Bürgermeister Josef Mend als Vorsitzender und Geschäftsführer Dieter Rammensee. Im Gegensatz zu den vorherigen Bewerbern ist die FBG kein privater Anbieter, sondern ein Zusammenschluss vieler Kommunen. „Wir können euch eine Rundumversorgung anbieten“, sagte Mend, der seine guten Kontakte ins Forstministerium auf Grund seiner Position als Vizepräsident des Bayerischen Gemeindetags mit in die Waagschale warf.

Das AELF legte kein Angebot vor, sondern Forstdirektor Klaus Behr und Förster Max Bartholl legten der Ratsrunde die Fortsetzung der Zusammenarbeit ans Herz. Behr wandte ein, dass der Wiesenbronner Wald einen relativ hohen Fichtenbestand aufweise, weswegen ein Waldumbau mit einer langfristigen Strategie angezeigt sei, wofür die staatlichen Förster stünden. Behr machte geltend, dass die staatlichen Förster in der Vergangenheit Fördergelder für den Wiesenbronner Wald generiert hätten, die auf die Fläche bezogen einen bayernweiten Spitzenwert darstellen würden. „Bei uns bekommen sie ein Rundumsorglospaket“, erklärte der Forstdirektor. Die staatlichen Förster würden schließlich auch zusätzliche Aufgaben wie nach großen Sturmschäden abdecken.

„Wir sind in unserem Angebot nicht frei, sondern müssen das verlangen, was uns Gesetz und Politik vorgeben haben“, gab Behr zu bedenken mit Blick auf die 7300 Euro, die die Gemeinde bislang pro Jahr bezahlen musste. „Dafür haben sie bei uns eine Art Flatrate, während andere Anbieter sich eher auf dem Prepaid-Niveau bewegen“, sagte der Forstdirektor.

„Ich will keinen Druck ausüben“, sagte Behr als er erklärte, dass das Staatsministerium sehr rigide über den Genehmigungsvorbehalt entscheide, wenn eine Kommune von der staatlichen zur privaten Beförsterung gewechselt sei und danach zum Forstamt zurück wolle. Die Ratsmitglieder bekamen noch einige Infoblätter von den Anbietern. Die Bürgermeisterin will die unterschiedlichen Angebote nebeneinander stellen, um dem Rat in einer späteren Sitzung den Beschluss zu erleichtern.

Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.