KITZINGEN

Es ist nie zu spät für einen Anfang

Die Malerei hat Ulrike Hügelschäffer durch viele Lebensphasen geholfen. Mit ihren Bildern möchte sie andere animieren.
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Ulrike Hügelschäffer ist überzeugt, dass man beim Malen viel über sich selbst lernen kann und dass die Malerei auch ein Mittel ist, um schwierige Lebenssituationen zu meistern. Dies vermittelt sie auch in ihren Malkursen.
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In ihrem Atelier in Mainbernheim lässt Ulrike Hügelschäffer Farben freien Lauf. Hier entstehen Bilder, die die Augen des Betrachters oftmals länger an sich fesseln. Viele Details gibt es zu entdecken – und Platz für eigene Interpretationen. In den kommenden Wochen stellt die Künstlerin einen Teil ihrer Werke in Kitzingen aus.

Frage: Beim Anblick Ihrer Bilder springt einem sofort das besondere Leuchten ins Auge. Waren ihre Bilder schon immer so farbenfroh?

Ulrike Hügelschäffer: Früher habe ich trübere Farbtöne verwendet, als ich noch vom Surrealismus beeinflusst war. Im Laufe der Zeit entwickelte sich meine eigene Persönlichkeit – und damit änderte sich auch meine Farbpalette.

Wenn Sie ein neues Bild beginnen, haben Sie es dann innerlich schon vor sich? Oder wächst es beim Entstehen?

Ulrike Hügelschäffer: Da gibt es unterschiedliche Methoden und Phasen. Meistens beginne ich spielerisch Farben aufzutragen und das Thema kristallisiert sich während des Malens heraus. Wenn ich allerdings eine Neuausrichtung brauche, mich zentrieren will, dann hilft mir eine Mandalastruktur. Geometrie und Farbgebung ändern sich jedes Mal.

Wie passen ihre östlichen Mandalas mit den heiligen Ikonen zusammen, die sich auch immer wieder auf ihren Bildern finden?

Ulrike Hügelschäffer: Beide Motive werden seit langer Zeit in unterschiedlichen Kulturkreisen zu Andachtszwecken eingesetzt. Während meines Studiums begann ich mich für Kunstgeschichte zu interessieren. Um die alten Bildersprachen zu verstehen, setzte ich mich mit den jeweiligen Mythologien und religiösen Bräuchen auseinander.

Sie haben sich neben ihrer künstlerischen Ausbildung auch noch zu einer Farbberaterin ausbilden lassen. Was hat Sie daran so fasziniert?

Ulrike Hügelschäffer: Meine Ausbildung in England beinhaltete damals die Farbtherapie. Zuvor hatte ich mich bereits mit der Symbolik der Formenwelt auseinandergesetzt. Wenn zum Beispiel jemand einen Baum malt, der keine Verbindung zum Erdboden hat oder dessen Krone zu klein ist – dann sagt das etwas über ihn aus. Jedoch kommt die Farbsymbolik ohne Formen aus. Eine Farbe an sich sagt schon viel aus.

Was zum Beispiel?

Bekannterweise beruhigt die Farbe Blau und Rot aktiviert. Bei der ganzheitlichen Farbberatung geht es jedoch um feinere Nuancen. Gezielt eingesetzt hilft die richtige Farbe, um sich zu harmonisieren. Das tun meine Bilder auch. Die Maler der alten Hochkulturen waren mit der Farblehre vertraut und haben dieses Wissen gezielt eingesetzt: zum Beispiel kann Violett helfen Trauer zu verarbeiten. Orange kann Lebensfreude zurückbringen und Gelb beim Lernen helfen. Auch die Ikonen haben ihren Farbkodex.

Was wollen sie den Besuchern ihrer Ausstellung mit ihren Gemälden sagen?

Ulrike Hügelschäffer: Zum einen soll der Betrachter ehrlich zu sich selbst sein – und genau vor dem Bild stehen bleiben, zu dem er sich hingezogen fühlt. Auch wenn er die Symbolik nicht mit dem Intellekt versteht, so geschieht unbewusst ein Auftanken, ein Sich-wiederfinden, ein Erinnern-an-sich-selbst vielleicht. In der Hektik des Alltags leben wir oft oft am Wesentlichen vorbei.

Zum anderen möchte ich die Besucher ermutigen, selbst zu malen – auch mit meiner Unterstützung! Gerade Ältere sagen öfters „Das habe ich früher auch gerne gemacht.“ Doch dann kamen die Kinder oder die Karriere. Ich kann nur eines sagen: Es ist nie zu spät!

Ausstellung in Kitzingen

Künstlerin: Farben begleiten Ulrike Hügelschäffer schon seit ihrer Kindheit. 1966 ließ sie sich zur Kunsterzieherin und zur akademischen Malerin ausbilden und unterrichtete 25 Jahre an verschiedenen bayerischen Schulen. Seit 2002 ist sie außerdem Aura-Soma-Lehrerin. In ihrem Studio „Leuchtkraft“ in Mainbernheim gibt sie auch Malkurse.

Ausstellung: Ab Samstag, 14. Oktober, stellt Ulrike Hügelschäffer ihre Bilder bei Piano-Seiler in Kitzingen aus. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Januar 2018.

Vernissage: am Samstag, 14. Oktober, um 17 Uhr; musikalisch umrahmt mit Cello, Klavier und Klarinette vom Trio Tonart.

Öffnungszeiten: werktags 8 bis 17 Uhr; samstags nach Absprache; Schwarzacher Straße 40, Kitzingen.

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