KITZINGEN

Eine Herzensangelegenheit

Die Klinik Kitzinger Land lädt am Samstag zum mittlerweile 24. Arzt-Patienten-Seminar.
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Anna Scheller kann trotz ihres Herzleidens lachen. Die Behandlung von Dr. Wolfgang Karmann und seinen Kollegen in der Klinik Kitzinger Land tut der Wiesenbronnerin gut.

Anna Scheller kann schon wieder lachen. Unterkriegen lässt sich die 76-Jährige aus Wiesenbronn sowieso nicht. Auch wenn sie immer wieder in die Klinik Kitzinger Land muss. Das Herz!

Zwei bis drei Millionen Menschen leiden nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung an einer Herzschwäche. Pro Jahr werden mehr als 440 000 Patienten mit einer chronischen Herzschwäche in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert, etwa 45 000 sterben daran. Viele dieser Fälle hätten vermieden werden können. „Der Aufklärungsbedarf ist groß“, weiß Dr. Wolfgang Karmann, Chefarzt Innere Medizin an der Klinik Kitzinger Land. Zusammen mit seinen Kollegen lädt er am Samstag, 18. November, zum mittlerweile 24. Arzt-Patienten-Seminar in die Alte Synagoge ein. Titel: „Das schwache Herz.“

Anna Scheller ist 2005 zum ersten Mal am Herzen operiert worden. Eine Herzklappe ist damals ersetzt worden. Die 76-Jährige gehört zu den Patienten, die an einer chronischen Herzschwäche leiden. „Über viele Jahre hinweg wirft das Herz zu wenig Blut aus“, erklärt Dr. Karmann. Die Folge: Atemnot, Schwäche, Wassereinlagerungen, dicke Füße. Viel zu oft werden diese Symptome von Patienten nicht ernst genommen – und nicht mit dem Herzen in Verbindung gebracht.

Für die Entwicklung einer chronischen Herzschwäche sind oft ein zu hoher Blutdruck oder Durchblutungsstörungen am Herzen (koronare Herzerkrankung) verantwortlich, aber auch andere Herzerkrankungen wie Klappenfehler oder eigenständige Erkrankungen des Herzmuskels. „Dann kann sich Wasser in der Lunge und im gesamten Körper ansammeln“, erklärt der Kardiologe.

Zum Glück hat die Medizin Fortschritte gemacht. Die rechtzeitige Erkennung einer Herzschwäche und die Einstellung mit der geeigneten Medikation sind die Grundlage einer verbesserten Prognose und Lebensqualität von Patienten mit Herzschwäche. „Neben einer optimalen Medikation ist die Behandlung der für die Herzschwäche verantwortlichen Grunderkrankung von essenzieller Bedeutung“, erklärt Dr. Karmann.

Professor Stefan Frantz (Direktor der Medizinischen Klinik I der Uni Würzburg) wird die Möglichkeiten der Katheterbehandlung darstellen und insbesondere über Stents und den kathetergestützten Klappenersatz berichten. Professor Ivan Aleksic (Thoraxchirurgie Uni Würzburg) wird aus Sicht der Chirurgie über die Behandlung der Herzschwäche sprechen. Die Zusammenarbeit mit der Uniklinik Würzburg bei Patienten mit Herzschwäche soll künftig intensiviert werden. „Wir wollen ein Netzwerk gründen, um uns gegenseitig zu unterstützen“, erklärt Dr. Karmann.

Im Mittelpunkt soll dabei natürlich immer das Wohl des Patienten stehen. Die Ziele sind hoch gesteckt: Erkrankungen stoppen oder zumindest verlangsamen, die Sterblichkeit und die Krankenhausaufenthalte verringern und die Lebensqualität der Patienten verbessern.

Anna Scheller ist trotz ihrer häufigen Krankenhausaufenthalte nicht unzufrieden. Dabei hat sie schon einiges durchgemacht. Die Diabetes-Erkrankung macht ihr seit vielen Jahren zu schaffen. Ihr Hauptproblem sind die Wassereinlagerungen und die damit verbundene Gewichtszunahme. Mit 126 Kilo ist sie eingeliefert worden, innerhalb von acht Tagen hat sie 13 Kilo verloren. „Dieses Gewicht sollten Sie jetzt halten“, rät ihr Dr. Karmann. Mit anderen Worten: Jeden Tag auf die Waage stellen und das Gewicht kontrollieren, die Einnahme der Medikation beachten und so mobil wie möglich bleiben. Veränderungen des Gewichts – mehr als zwei Kilogramm in einer Woche – sollten Anlass sein, den Arzt zu kontaktieren.

„Der chronische Herzpatient kann einiges tun, damit sein Zustand nicht entgleist“, versichert Dr. Karmann. Eine gesunde Ernährung (Mittelmeerküche) gehört dazu, ein maßvolles Ausdauertraining, ein Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkohol. „Bei der Therapie der Herzschwäche kommt es sehr auf eine aktive Rolle des Patienten an, damit es gar nicht zur Entwicklung oder zu einer Verschlechterung der Herzkrankheit kommt“, erklärt der Mediziner.

Anna Scheller weiß aus eigener Erfahrung, dass die Folgen der Krankheit sehr belastend sein können. Mit Atemnot und blauen Lippen ist sie schon mal eingeliefert worden, sie konnte damals weder laufen noch schlafen. In der Klinik ist sie wieder eingestellt worden, hat ihren Lebensmut nicht verloren. Wenn sie in wenigen Tagen entlassen wird, will sie auch wieder in die örtliche Häckerwirtschaft gehen, sich ein Achtel Frankenwein genehmigen und ihre Freunde treffen. „Die Lebensfreude und das innere Temperament sind wichtige Komponenten für ein gesundes Herz“, sagt Dr. Karmann – und Anna Scheller lächelt ihn mit verschmitzten Augen an.

Definition der häufigsten Herzschwächen:

Bei der systolischen Herzinsuffizienz kann sich das geschwächte Herz nicht mehr wie gewohnt zusammenziehen, wodurch es weniger sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpt (Störung der Pumpfunktion).

Bei der diastolischen Herzinsuffizienz ist die Fähigkeit des Herzens vermindert, Blut aufzunehmen. Die linke Herzkammer ist versteift und kann sich deshalb nicht genug dehnen und mit Blut füllen (Füllungsstörung).

Infos zum Seminar

Termin: Samstag, 18. November, von 9 bis 12.15 Uhr in der Alten Synagoge. Der Eintritt ist frei

Das Programm: 9 Uhr: Begrüßung; 9.05 Uhr: Grußwort Thilo Penzhorn, Vorstand der Klinik; 9.15 Uhr: Die chronische Herzschwäche. Wie erkennen und wie behandeln? (Dr. Karmann); 9.50 Uhr: Die Herzschwäche. Behandlungskonzepte aus Sicht einer Schwerpunktklinik (Prof. Stefan Frantz, Uniklinik Würzburg); 10.10 Uhr: Wiederbelebung (Dr. Christian Sommer); Pause mit praktischen Übungen der Reanimation; 11 Uhr: Leben mit Herzschwäche, Bewegung als Therapie, seelische Probleme (Dr. Stefanie Held); 11.25 Uhr: Schrittmacherversorgung bei Herzschwäche (Dr. Karmann); 11.40 Uhr: Neues aus der Herzchirurgie bei Herzschwäche (Prof. Aleksic, Würzburg); Anschließend Diskussion. Ende der Veranstaltung gegen 12.15 Uhr.

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