KITZINGEN

Ein Praktikant auf Diebestour

Weil er als Praktikant in Geldbeutel der Mitarbeiter griff, stand ein 15-Jähriger vor dem Kitzinger Jugendrichter - und sagte fast gar nichts.
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Strafrecht (Symbolbild)
Strafrecht (Symbolbild)

Jugendrichter Wolfgang Hülle versucht es mit Engelszungen. Die Eltern ebenso. Auch die Staatsanwältin ebenso. Allein: Aus dem 15-Jährigen auf der Anklagebank ist kaum etwas herauszubekommen. Hin und wieder nickt er mal verstohlen. Ansonsten blickt er starr nach unten, ist verstockt. Er zuckt viel mit den Schultern – und scheint sich zu schämen. Überhaupt wirkt der Schüler eher wie ein Kind. Von dem, was man unter „jugendlich“ versteht, ist er noch weit entfernt.

Sich zu schämen und am liebsten in den Boden versinken wollen – dafür gibt es auch einigen Anlass. Mitte November vergangenen Jahres nutzte er ein Praktikum, um im Aufenthaltsraum in die Geldbörse einer Mitarbeiterin zu langen: Einmal entwendete er 15 Euro, zwei Tage später dann 60 Euro.

Erneut zugeschlagen

Fünf Monate später, als das nächste Praktikum anstand, schlug der Junge wieder zu. Erneut nutzte er die Gelegenheiten, wenn sich außer ihm keiner im Mitarbeiter-Aufenthaltsraum befand, um sich aus Geldbörsen zu bedienen: Dreimal langte der Dieb hin, insgesamt fielen ihm 115 Euro in die Hände.

Etwa zur selben Zeit – im Frühjahr dieses Jahres – gab es die nächsten Straftaten. Mit einem Kumpel, der noch strafunmündig ist, entwendete er aus einem Getränkemarkt in Kitzingen zehn Leergut-Kästen. Diese tauschte er in einem anderen Getränkemarkt um und ergaunerte sich so 33 Euro. Die Beute wurde noch am gleichen Tag wieder ausgegeben. Was für die 33 Euro gekauft wurde und warum er das Geld brauchte, lässt sich der 15-Jährige allerdings nicht entlocken – er schweigt sich bis zum Schluss eisern aus.

Leergut zu Geld gemacht

Weil das gar so gut geklappt hatte, folgte eine Woche später gleich der nächste Versuch, gestohlenes Leergut zu Geld zu machen. Diesmal wollte er – wieder mit dem Kumpel – in einem scheinbar unbeobachteten Moment drei Kisten wegschleppen. Nur: Diesmal ging die Aktion schief, das Duo wurde geschnappt.

Seither rätseln die Eltern, was den Jungen angetrieben haben könnte. Das in den Aufenthalträumen entwendete Geld hat die Mutter inzwischen zurückgezahlt. An ihr Kind kommt sie allerdings nicht heran – schon länger nicht. „Erziehungsschwierig“ sei der Angeklagte, so die Einschätzung des Jugendamtes. Er streune gerne herum. Kurzzeitig war er auch schon in einer Pflegefamilie.

Immerhin hält ihm das Gericht zugute, dass er die Taten „mit Mühe und Not eingeräumt“ habe – was eine Beweisaufnahme mit vielen Zeugen unnötig macht. Statt Streunen ist für den 15-Jährigen arbeiten angesagt: Er muss 80 Stunden soziale Hilfsdienste leisten.

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