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Die zentrale Frage

Kitzinger Helferkreis hält die Unterbringung der Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften für falsch. Der Wunsch: Die dezentralen Unterkünfte sollen nicht geschlossen werden.
Auch wenn nicht immer alles einfach war, sie wissen die Vorteile einer dezentralen Unterkunft zu schätzen: Saady, Aziz, Achmat Salah, Refat, Brigitte Pauluhn, Wahil, Hossam und Maher wünschen sich, dass die Auflösung der dezentralen Unterkünfte noch einmal überdacht wird.
 

Zentral oder dezentral? Für die Mitglieder des „Freundeskreises Flüchtlinge“ in Kitzingen überhaupt keine Frage: Die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis hat sich nach ihrer Überzeugung bewährt. Entsprechend erstaunt haben sie die Entscheidung der Landesregierung zur Kenntnis genommen, alle dezentralen Unterkünfte im Freistaat bis Ende des Jahres schließen zu lassen. Mit Resolutionen soll jetzt politischer Druck aufgebaut werden. Ganz so einfach ist das nicht.

48 dezentrale Unterkünfte hat es im Herbst 2016 noch im Landkreis Kitzingen gegeben. Mittlerweile sind fast die Hälfte der Standorte aufgelöst worden – beispielsweise in Buchbrunn, Gnodstadt oder Enheim. Sehr zum Ärger von Kreisrat Jens Pauluhn (ödp). „Natürlich war das Konzept aus der Not heraus geboren“, sagt er. „Aber es hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt.“ Menschen seien in Kontakt gekommen, die Wege waren kurz, gegenseitiges Verständnis ist geweckt worden. Zumal sich die Kosten für den Freistaat im Landkreis Kitzingen im Rahmen gehalten hätten. Anders als in anderen bayerischen Landkreisen sind die Wohnungen hier in der Regel zu den ortsüblichen Preisen und nicht überteuert gemietet worden.

Jens Pauluhn kämpft aber vor allem aus menschlichen Erwägungen für eine Beibehaltung der dezentralen Unterkünfte. „Das ist besser für die Flüchtlinge und für unsere Gesellschaft.“

Saady, Achmat, Hossam und Maher kennen das Leben in einer dezentralen Unterkunft. Alle vier Syrer haben mehrere Monate in der Inneren Sulzfelder Straße verbracht. Auch wenn das Leben auf engstem Raum nicht immer einfach war: „Wir haben viele Menschen kennengelernt und viel Hilfe bekommen“, meint Saady und schaut dabei Monika Braun und Dr. Gisela Grünwald an, die sich im Helferkreis von Anbeginn an verdient gemacht haben. Ob bei der Vermittlung von Sprachkursen, bei der Hausaufgabenhilfe oder der Übersetzung von kryptischen Behördenschreiben: Arbeit gab es stets genug für die Helfer. Wie gut, dass die Wege kurz waren, die Kommunikation schnell und zielgerichtet.

„In der Gemeinschaftsunterkunft wird es schon für uns Kitzinger Helfer schwieriger“, sagt Dr. Grünwald. Aber wie muss es erst den Menschen aus Martinsheim, Herrnsheim oder anderen Orten gehen, die die Flüchtlinge auch weiterhin unterstützen wollen? „Die werden nicht mal eben 20 Kilometer in den Innopark fahren“, vermutet Dr. Grünwald. Das mühsam aufgebaute Helfernetz wird so unnötig zerschlagen. Dabei sei die Integration kein Spurt, sondern ein Marathonlauf. „Und dafür braucht es unbedingt persönliche Kontakte.“ Die dezentralen Unterkünfte sollten deshalb aufrecht erhalten werden.

Der Kitzinger Stadtrat hat einer entsprechenden Resolution bereits mehrheitlich zugestimmt. Der Kreisrat hat dagegen am Montag dieser Woche abgelehnt. Begründung: Die Unterbringung und Finanzierung der Asylbewerber sei eine rein staatliche Aufgabe.

Für die Mitglieder des Kitzinger Helferkreises ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Die Arbeit in den dezentralen Unterkünften habe das Verständnis füreinander auch auf dem flachen Land gefördert, argumentieren sie. Außerdem seien dank der intensiven Betreuung etliche Asylbewerber in Ausbildung gebracht worden. Maher macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker, Saady lernt Verkäufer, Achmat will Industriemechaniker werden und Hassan macht eine Ausbildung bei einem Karosseriebauer. Alle vier haben nach langer Suche und mit der Unterstützung aus den Reihen des Helferkreises mittlerweile eine Wohnung gefunden.

Für die Asylbewerber, die in den noch bestehenden dezentralen Unterkünften leben, wird es auf dem Wohnungsmarkt dagegen nicht einfacher. Schon jetzt gibt es rund 90 so genannten Fehlbeleger – bei insgesamt 175 Bewohnern. „Diese Zahl wird noch steigen“, unkt Dr. Grünwald. „Leider gibt es immer noch Wohnungsbesitzer, die nicht an Ausländer vermieten wollen.“

Nach dem Willen der Staatsregierung werden die nicht anerkannten Asylbewerber nur noch in Gemeinschaftsunterkünften (GU) untergebracht. Im Landkreis Kitzingen stehen nach den Zahlen des Landratsamtes insgesamt 675 GU-Plätze zur Verfügung, von denen 632 belegt sind. Viel freier Platz ist demnach nicht vorhanden.

Der Helferkreis überdenkt schon einmal die Strukturen und sammelt Ideen für die weitere Betreuung der Asylbewerber. „Ideal wären persönliche Patenschaften“, meint Brigitte Pauluhn. Sie würden nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch den Blickwinkel verändern. Der Bedarf sei jedenfalls da – beispielsweise in Sachen Mathe-Nachhilfe.

Ihr Mann will die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgeben. „Eine Entscheidung kann man auch immer rückgängig machen“, meint er. Dafür müsste sich allerdings die politische Großwetterlage entscheidend verändern.

Die aktuellen Daten: Im Stadtgebiet Kitzingen gibt es derzeit drei Gemeinschaftsunterkünfte: Oberer Mainkai mit 47 Plätzen (davon belegt: 40), Corlette Circle mit 151 Plätzen (davon belegt: 151) und Innopark mit 400 Plätzen (davon belegt: 364). Zusätzlich gibt es noch eine GU in Kleinlangheim mit 77 Plätzen (davon belegt: 77).



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