THEILHEIM

Der Turmbau zu Theilheim sorgt für Zoff

Der "Mercedes" unter den Weinbergstürmen spaltet das Dorf. "Terror U" nennen manche Theilheimer mittlerweile den Turm im Altenberg.
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Der Urlaubsturm in Theilheim wurde vom Landratsamt nur genehmigt, wenn er öffentlich genutzt werden kann. Zugänglich ist aber nur die Plattform, das erste Stockwerk ist abgeschlossen und das ärgert viele Theilheimer.

„Terror U“ nennen manche Theilheimer mittlerweile den von Hedwig und Wolfgang Urlaub erbauten Weinbergsturm im Altenberg. Dabei steht das „U“ für Urlaubsturm. Und der Begriff „Terror“ ist eine Anspielung auf Terroir-F, jene magischen Orte in Weinbergen, die von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau gefördert werden.

Theilheim hat keinen magischen Ort im Weinberg. Der Aussichtsturm im Altenberg war als solcher ursprünglich mal gedacht, der Weinbauverein verwarf seine Pläne schließlich. Der Turm wurde trotzdem gebaut. Und zwar auf dem Privatgrundstück des Winzers Urlaub und im Namen des Weinbauvereins , obwohl dessen Mitglieder eigentlich mehrheitlich gegen den Weinbergsturm sind.

Nur der Bürgermeister war dafür

„Wolfgang Urlaub nutzte damals seine Position als Weinbauvereins-Vorsitzender, um den Turm auf seinem Grund voranzutreiben“, sagt Christian Deppisch, mittlerweile selbst Vorsitzender des Theilheimer Weinbauvereins. Deppisch wählt seine Worte mit Bedacht. Denn nicht alle im Verein sind gegen den Turm. Und schließlich ist Wolfgang Urlaub ja auch einer von ihnen, ein Winzer, der lange Zeit dem Verein voran stand.

Trotzdem, der Turm im Altenberg ist vielen ein Dorn im Auge. Im Gemeinderat waren sie alle dagegen. Nur Bürgermeister Hubert Henig befürwortete den Bau. Bei der Eröffnung im Juli 2016 sprach er sogar vom „Mercedes unter den Weinbergstürmen“. Gegen die ablehnende Haltung des Gemeinderates hat sich das Landratsamt Würzburg durchgesetzt. Der Turm wurde als privilegierter Bau im Außenbereich genehmigt, weil er überwiegend öffentlich genutzt wird. „In der Nutzungsbeschreibung wurde angegeben, dass die Aussichtsplattform und das Obergeschoss der Öffentlichkeit zugänglich sind“, sagt Elena Dengel, Leiterin des Bauamts im Landratsamt.

Nicht für die Öffentlichkeit zugänglich

Doch der Turm ist nicht öffentlich zugänglich. Zumindest nicht das erste Stockwerk. Die Tür ist abgeschlossen. Das Landratsamt sieht dies noch nicht als Verstoß gegen die Baugenehmigung an. Denn Wolfgang Urlaub hat der Behörde die Nutzung des Turms noch nicht angezeigt. „Eine Schlussabnahme ist daher noch nicht erfolgt“, teilt das Landratsamt schriftlich mit. Dabei ist auf der Internetseite von Weinbau Urlaub ein Video von der Eröffnung des Turms zu sehen. Der Film gewährt auch einen Einblick ins erste Stockwerk. Eine schön eingerichtete Stube ist da zu sehen, Tische und Bänke, wie in einem kleinen, schnuckeligen Wirtshaus. „Das Zimmer wurde schon mehrmals an Vereine für Weinproben vermietet“, weiß Christian Deppisch.

Im Videofilm von der Eröffnung des Turms wird auch ein Blick in das Untergeschoss gewährt. Ein Spülbecken ist zu sehen und schnell ist die Rede von einer Küche, die hier eingebaut sein soll. Auch dies wäre ein Verstoß gegen die Baugenehmigung, weil der Raum eigentlich nur ein Lagerraum sein soll. Auch hierzu kann das Landratsamt noch nichts sagen. Denn ein Baukontrolleur würde sich erst ein Bild vor Ort machen, wenn der Turm auch genutzt werde.

„Im Theilheimer Gemeinderat und im Weinbauverein wurde von Anfang an die Befürchtung geäußert, dass der Turm öfter privat als öffentlich genutzt wird“, sagt Christian Deppisch. Manch ein Winzer sei auch darüber erzürnt, dass Wolfgang Urlaub damals seine Position als Weinbauvereinsvorsitzender ausgenutzt habe und die Baugenehmigung nur bekommen habe, weil er im Namen des Vereins beim Landratsamt vorgesprochen hat. „Die Genehmigung wurde grundstücksbezogen ausgesprochen“, sagt Bürgermeister Hubert Henig. „Ich konnte nicht dagegen sein, auch weil ich regresspflichtig bin.“ Über die Nutzung des Turms könne er wenig sagen. Außer, dass er auch festgestellt hat, dass das obere Stockwerk abgeschlossen sei. „Aber das muss auch gar nicht zugänglich sein“, sagt der Bürgermeister.

Landratsamt schickt Kontrolleur

„Die Stimmung im Dorf ist gespalten“, sagt Henig. „Manch einer findet den Turm schön, andere lehnen ihn ab. Es wird wohl nie Ruhe geben“, sagt er und ärgert sich darüber, dass der Weinbergsturm für so viel Zwist im Dorf sorgt.

Der Bauherr selbst hat viele Erklärungen für all die offenen Fragen parat. Am Telefon äußert sich Wolfgang Urlaub ausführlich, will aber schließlich doch keine offizielle Stellungnahme abgeben.

Beim Landratsamt Würzburg will Elena Dengel nun erst einmal den Eingang der Nutzungsanzeige abwarten und dann einen Kontrolleur in den Theilheimer Altenberg schicken, der sich Turm und Genehmigung noch einmal genau zu Gemüte führt.

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