KITZINGEN

Dem Kumpel übel mitgespielt

Der 21-Jährige rutscht vor dem Jugendrichter unruhig auf dem Zeugenstuhl herum. Die Situation ist ihm unangenehm. Kein Wunder: Er hat eine falsche Anzeige gemacht.
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Symbolbild Gericht
Symbolbild Gericht

Der 21-Jährige rutscht vor dem Jugendrichter unruhig auf dem Zeugenstuhl herum. Die Situation ist ihm sichtlich unangenehm. Er druckst herum, bekommt einen roten Kopf. Vielleicht begreift er jetzt erst, was er angerichtet hat. Nur wenige Meter weiter sitzt sein einst bester Kumpel auf der Anklagebank. Die Freundschaft hat sich mächtig abgekühlt, seit der 21-Jährige dem 18-Jährigen aus welchen Gründen auch immer übel mitgespielt hat.

Die Geschichte nahm im Herbst vergangenen Jahres ihren Anfang. Damals war man im Auto des 21-Jährigen in eine Disco gefahren, gemeinsam sollte es auch wieder zurückgehen. Doch irgendwie änderten sich die Dinge im Laufe der Nacht: Als bereits der Morgen graute, wollte der angetrunkene Autobesitzer lieber eine Runde im Auto schlafen.

Das sorgte für Probleme: Weil der Jüngere wie abgesprochen nach Hause wollte, kam es zu einem Disput. Nachdem ein paar Nettigkeiten ausgetauscht waren, bestellt sich der 18-Jährige zusammen mit weiteren Nachtschwärmern ein Taxi.

„Nicht angepackt“

Erledigt war die Sache damit aber noch nicht. Kaum war das Taxi weggefahren, rief der 21-Jährige die Polizei und erstattete Anzeige – gegen seinen Kumpel. Der habe ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen, erzählt er den Polizisten. Dann berichtet der Anzeigeerstatter noch von erheblichen Schmerzen. Die Dinge nahmen ihren Lauf.

Jetzt – bei der Verhandlung vor dem Kitzinger Jugendrichter Wolfgang Hülle – beteuert der 18-jährige Arbeiter, der kein unbeschriebenes Blatt ist und schon gewisse Erfahrungen mit der Justiz gemacht hat: „Ich habe ihn nicht angepackt!“ Auf dem Parkplatz sei keine Faust geflogen. Der kleine Disput am Auto endete aus Verärgerung heraus über die vermasselte Mitfahrgelegenheit maximal mit einigermaßen wüsten Beschimpfungen.

Ein paar Minuten später, als der Zeuge in den Sitzungssaal gerufen wurde, zeigt sich: Der Angeklagte hatte die Wahrheit gesagt. Ein immer kleinlauter werdender Zeuge gibt zu, dass auf dem Parkplatz kein körperlicher Übergriff stattgefunden hat. Vielleicht fühlte er sich dumm von der Seite angemacht, vielleicht war es der Alkohol, womöglich eine Mischung aus beidem – es ging wohl auch darum, dem vorlauten Kumpel eine Lektion zu erteilen.

Gleichzeitig war dem 21-Jährigen nicht bewusst, welche Konsequenzen so eine Anzeige nach sich zieht und sich die vermeintliche Lektion ganz schnell zu einem Strafverfahren auswachsen kann, an dessen Ende eine Verhandlung am Amtsgericht steht.

Ermittlungen laufen

Inzwischen liegen die Folgen der falschen Anzeige klar auf der Hand: Da ist eine kaputte Freundschaft. Die Kosten des Verfahrens, an dessen Ende der 18-Jährige natürlich freigesprochen wird, muss der Mann zahlen, der unruhig auf dem Zeugenstuhl herumrutscht.

Die Unruhe nimmt steigert sich am Ende noch einmal, als die Staatsanwältin ankündigt, dass zudem ein Ermittlungsverfahren wegen falscher Verdächtigung eingeleitet wird.

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