Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Das Original feiert 30-Jähriges

Walter Vierrether ist Kitzingens große Symbolfigur - Benefizfest an Mariä Himmelfahrt: 30 Jahre Hofrat
30 Jahre Kitzinger Hofrat: In dieser langen Zeit hat Walter Vierrether so allerhand erlebt. Einige Veranstaltungen sind der Kitzinger Symbolfigur in besonderer Erinnerung geblieben, zum Beispiel die Braut, die aus dem Weinfass stieg: 1992 wurde die RTL-Show „Traumhochzeit“ im Alten Klosterkeller gedreht. Der Hofrat durfte da nicht fehlen. Genauso wenig wie am kommenden Dienstag auf dem Kitzinger Marktplatz, wo er für einen guten Zweck das Weinfass rollen lässt.  -> Lokales Seite 14
 

TV-Moderator, Schauspieler, Standesbeamter oder noch lieber Kommissar – all diese Berufe hätte sich Tatort-Fan Walter Vierrether vorstellen können. Tatsächlich war der nicht besonders groß gewachsene Mann aber jahrzehntelang Leiter der Kitzinger Tourist-Info. Dass er als solcher vergangenes Jahr in Rente gegangen ist, hatte jedoch kaum Auswirkung auf den Job, der ihn überregional bekannt gemacht hat: Als „Kitzinger Hofrat“ (Motto „Lieber klein und zackig als groß und dappig“) ist der quirlige und schlagfertige Vierrether nach wie vor aktiv, begrüßt Gästegruppen und wirbt für die Stadt. Am Dienstag, 15. August (Mariä Himmelfahrt), feiert „der Walter“, wie ihn alle nennen, sein 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Walter, woher weißt du so genau, dass dein erster Auftritt im Hofratskostüm exakt 30 Jahre zurückliegt?

Vierrether: Das Kostüm hat so intensiv gerochen, dass ich das Datum nie vergess'! Am 15. August 1987 bin ich beim Kitzinger Altstadtfest zum ersten Mal als Hofrat aufgetreten. Das ist auf eine Initiative der damaligen Werbegemeinschaft City-aktiv und der Kitzinger Karnevalsgesellschaft KiKaG zurückzuführen gewesen. Die beiden wollten auf diese Art einen Beitrag zum Fest leisten. Also haben sie mich in ein altes Faschingskostüm der KiKaG gesteckt – das hat unglaublich gemuffelt! – und Schuster Gerlach, der Senior, hat mir ein Ledertäschle dazu genäht. Statt der Kandel hatte ich damals nur einen großen Weinrömer in der Hand...

Offensichtlich hat Dein Auftritt vielen Menschen gefallen.

Zuallererst mal mir, ja! Und anscheinend hatten auch andere ihren Spaß, auch Verantwortliche der Stadtverwaltung. Jedenfalls hatte ich noch im gleichen Jahr, im Herbst 1987, meine ersten städtischen Termine, unter anderem bei der Eröffnung der Gartenschau in Dinkelsbühl. Offiziell bin ich dann am 3. Juli 1989 städtischer Angestellter geworden.

Die Stadt hat dich stilecht ausgestattet, oder?

Ja, genau. Seither ist die Kandel, das historische Trinkgefäß, mein traditioneller Begleiter. Außerdem trage ich nach altem Brauch einen Hofratshut mit Federn, Strumpfhosen und Kuhmaulschuhe – die sind saubequem, das sind quasi die Birkenstock des 16. Jahrhunderts.

Was waren deine liebsten Erlebnisse in den 30 Jahren im Hofratskostüm?

Eine meine ersten Amtshandlungen war es, den damaligen Bundeskanzler Kohl vorm Rathaus in Empfang zu nehmen. Wir haben ganz locker rumgeflachst. Das ist mir in bester Erinnerung. Außerdem werde ich wohl nie vergessen, wie Kohls Nachfolger Schröder mit meiner späteren TI-Nachfolgerin Julia Then und mir in Berlin auf der Bühne steht und ich spontan zu ihm sage, dass Julia mit ihrer schönen Stimme für ihn jetzt das Lied „So ein schöner Tag“ singt, weil man ja nicht weiß, wie viele schöne Tage er noch haben wird. Das war witzig und ein bisschen sarkastisch gemeint, aber am Ende hatte er wirklich nicht mehr allzu viele schöne Tage als Kanzler.

Du wirst als Hofrat oft auf Bühnen begrüßt und nicht selten schmiert man bekannten Persönlichkeiten wie dir Honig ums Maul. Wie gehst du damit um?

Ich kann da sehr gut unterscheiden, was ehrlich gemeint ist und was nicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und dass ich Lügen und Verstellen überhaupt nicht leiden kann. Ich fahre schon auch mal Leuten über den Mund... Allerdings gibt es auch richtig wertvolle Auszeichnungen für mich. Dass ich den Frankenwürfel bekommen habe, freut mich sehr, und auch der Silberne Bocksbeutel vom Fränkischen Weinbauverband ist eine große Ehre, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Dass du kein Blatt vor den Mund nimmst, hast du oft bewiesen. Aber mal ganz im Ernst: Hattest du nie Bammel vor dem Zusammentreffen mit „großen Tieren“, von Gottschalk bis Nowitzki?

Nein, ganz ehrlich nicht. Das sind auch nur Menschen, die ich mit Charme, Witz und einem Schluck Frankenwein begeistern kann. Mehr Respekt als vor großen Stars habe ich sowieso vor Leuten, die in Krankenhäusern, Altenheimen oder im Hospiz arbeiten oder die ihr Leben mit Krankheiten meistern – das sind für mich die echten Heroes.

Um dein 30-jähriges Bühnenjubiläum zu feiern, hast du dir eine Benefizaktion überlegt. Worum geht es genau?

Am Dienstag, dem Kitzinger Bummeltag, werden amtierende und frühere Hoheiten – hoffentlich kommen auch viele einstige Prinzessinnen! – zusammen mit mir auf dem Kitzinger Marktplatz gesponserte Weine der GWF und der Kitzinger Weinbaubetriebe ausschenken. Außerdem gibt es Musik und am Abend trete ich als „Diedschäi Hofrat“ in Aktion. Ich hab' jede Menge Rockiges und Grooviges rausgesucht, von den 60ern, der Hippiezeit, bis heute. Und auf jeden Fall werden auch Songs aus meinem Hofratsanfangsjahr 1987 dabeisein. Der Erlös des Tages geht an lokale Benefizeinrichtungen wie zum Beispiel Alexandra Schäfers „Rentnerklatsch“ in der Siedlung – im Detail spreche ich das mit den helfenden Hoheiten ab. Je mehr Geld zusammenkommt, desto mehr wird können wir spenden.

Ein Ende deines Wirkens als Hofrat ist nicht abzusehen, oder?

Nö. Nicht so lang es mir gut geht und ich so richtig Spaß an der Sache hab'. Aber ich bin schon froh, dass ich nicht allein als Hofrat unterwegs bin. Ich bin zwar das Original, aber ohne meine beiden Mit-Hofräte Alexander Nuss und Jürgen Reitmeier ginge es nicht.

30 Jahre Hofrat

Am Feiertag Mariä Himmelfahrt (15. August) sind die Geschäfte im vorwiegend evangelischen Kitzingen traditionell verkaufsoffen. Während des „Bummeltags“, den der Stadtmarketing-Verein organisiert, sind Walter Vierrether und seine Hoheiten ab 11 Uhr auf dem Marktplatz aktiv. Vom „rollenden Weinfass“ aus schenken sie Rebensaft der GWF und der Kitzinger Weingüter aus. Ab 14 Uhr spielt am Marktplatz die Band „DoubleOne“, ab 18 Uhr verwandelt sich Vierrether in den „Diedschäi Hofrat“ und legt Platten aus der Hippiezeit, aber auch aktuelle Stücke und Klassiker der Rock- und Soulgeschichte auf. Mit etwas Glück können Gäste einen von 30 Hofrats-Jubiläumslebkuchen der Genuss-Manufaktur Will ergattern.


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.