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Gewerkschaften: "Wir müssen präsenter werden"

Die Pilotengewerkschaft Cockpit und die GDL haben ein Imageproblem. Die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften heute sind weit von jenen der 1980er entfernt. Wie steht es um die Gewerkschaften im Landkreis Kitzingen? Engagieren sich junge Menschen noch?
Der Streik der Lufthansa-Piloten polarisiert, es kam zum öffentlichen Kräftemessen zwischen den Piloten und Teilen der übrigen Belegschaft. Belastet das die Arbeit der Gewerkschaften im Landkreis Kitzingen?
 
von ROBERT WAGNER

Erst die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), jetzt die Piloten Gewerkschaft Cockpit (VC): Beide haben den Bogen überspannt – so sehen es zumindest die Arbeitgeber und viele Bürger. Am vergangenen Mittwoch fand am Frankfurter Flughafen sogar eine Demonstration des Bodenpersonals gegen die Piloten statt – organisiert vom Betriebsrat, Verdi und drei weiteren Mitarbeitervertretungen.

Leidet das Image der Gewerkschaften dadurch? Werden junge Menschen abgeschreckt? Wie steht es um die Zukunft der Gewerkschaften in Deutschland, in Unterfranken und bei uns im Landkreis Kitzingen?

„Allgemeine Aussagen sind immer schwierig“, sagt Frank Firsching, Regionsgeschäftsführer Unterfranken beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Er probiert es trotzdem: Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in Unterfranken habe sich auf einem „vernünftigen Niveau“ eingependelt. Rund 100 000 Mitglieder hätten die acht Teilgewerkschaften des DGB um die IG Metall und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

„Als ich vor 30 Jahren mit meiner Gewerkschaftsarbeit anfing, waren die Zahlen natürlich noch viel besser“, sagt Firsching. Doch man könne die Situation nicht vergleichen – die Struktur des Arbeitsmarktes habe sich verändert: Große Industriebetriebe seien verschwunden, kleine und mittelständische Unternehmen an ihre Stelle getreten. Die hätten aber traditionell weniger Gewerkschaftsmitglieder. „Bei den großen Industrieunternehmen wie Knauf haben wir immer noch sehr hohe Mitgliederzahlen“, erklärt Firsching. Auch der Anteil der Jugendlichen unter 27-Jahren liege in Unterfranken leicht über dem deutschen Durchschnitt.

Dass dies so bleibt, dafür arbeitet Babett Wirsching. Mit 17 Jahren begann die heute 25-Jährige ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei Fehrer in Kitzingen. Kurz danach begann sie sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) und in der IG-Metall zu engagieren. Heute ist sie Mitglied im Betriebsrat bei Fehrer, im Ortsvorstand der IGM Würzburg und kümmert sich um ihre Nachfolger in der neu gewählten JAV. Um sich dort zu engagieren, müsse man kein Gewerkschaftsmitglied sein, sagt Wirsching. Und doch: meist geht beides Hand in Hand.

Bis zum 30. November wurden in vielen Betrieben im Landkreis Kitzingen neue JAV-ler gewählt. Deren Auftrag: Die Interessen der Jugendlichen gegenüber Arbeitgeber, Ausbilder und auch Betriebsrat zu vertreten. Häufige Themen seien dabei eine unbefristete Übernahme, die Einhaltung von Arbeitszeiten oder der Umgang mit Überstunden. Die „JAV-ler“ sind „Ansprechpartner auf Augenhöhe“, sagt Wirsching. Das sei wichtig, denn: „Es ist erst einmal schwierig, die jungen Leute zu erreichen.“ Themen wie Rente oder TTIP seien für viele Jugendliche noch weit weg.

„Wir versuchen, die Jugendlichen da abzuholen, wo sie auch sind“, sagt Babett Wirsching und spricht nun wieder als Gewerkschafterin. Statt stundenlangen Vorträgen gibt es kurzweilige Veranstaltungen. Statt mit einem Infostand wollen Wirsching und ihre Kollegen am 6. Dezember auf dem Würzburger Marktplatz in Pokemon- und Einhornkostümen auf ihre Themen aufmerksam machen. „Letztes Jahr waren wir zu Weihnachten als Osterhasen unterwegs“, erzählt sie.

Erfolgreiche Mitbestimmung in den Betrieben hängt wesentlich von persönlichem Engagement ab, weiß Wirsching. „Wir haben Betriebe, da läuft es mit der JAV nicht so gut.“ Damit sich Jugendliche finden, die diese Arbeit machen wollen, müssen auch Ergebnisse sichtbar sein – und das gelinge eben am besten über persönliche Anstrengungen.

So sieht es auch Frank Firsching. „Das ist fast wie in Sportvereinen“, erklärt der Regionsgeschäftsführer. „Wenn da jemand ist, der sich kümmert, organisiert und aktiv ist, dann läuft es auch.“ Und wenn nicht, dann wird es eben schwierig.

Doch das ist nicht die einzige Hürde für die Gewerkschaften heute. „Noch immer gibt es einige Firmen, die gegen Gewerkschaftler und Betriebsräte vorgehen“, sagt Firsching. Der DGB sammelt Fälle, in denen die Gründung von Betriebsräten behindert werde. In jedem fünften Betrieb gebe es da laut Firsching Probleme.

Es ist nicht nur dieses Thema, das besser kommuniziert werden müsste. „Es gibt Themen wie die Rente, da müssen wir weiter aufmerksam machen, da müssen wir präsenter werden“, sagt Wirsching. „Da müssen wir klar sagen: So funktioniert es nicht!“

Frank Firsching hofft derweil auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung: „Wenn es der Wirtschaft gut geht und neue Mitarbeiter eingestellt werden, dann haben auch wir die Chance zu wachsen“, erklärt er. Es sei ein Trugschluss, dass die Gewerkschaften nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an Bedeutung gewinnen.

Probleme wie die zwischen der Pilotengewerkschaft Cockpit und dem von Verdi vertretenen Bodenpersonal brauche es nicht. Frank Firsching erinnert lieber an den Streik der Erzieherinnen im letzten Jahr zurück. „Dadurch haben wir, beziehungsweise Verdi, viele Mitglieder gewinnen können.“






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